Es gibt Kino-Ikonen, die über jegliche Kritik erhaben sind. James Bond,
Indiana Jones, Rocky und Rambo. Was sie auszeichnet ist eine gewisse
Langlebigkeit, die sie durch die Jahrzehnte trug, ohne dass ihre
Reputation nachließ. Jede Generation hat seinen James Bond, jeder liebt
Indiana Jones (selbst nach Teil 4), und wenn Eye of the Tiger im Radio gespielt wird, kann das jedes Kind mit Rocky in Verbindung bringen.
Und Rambo?
Es ist erstaunlich wie geschlossen sich Rambos Lebenslauf darstellt,
wenn man ihn als Ganzes betrachtet. Ein Soldat quittiert seinen Dienst
und will eigentlich nur nach Hause, doch er kommt mit den Menschen und
der Ablehnung nicht zurecht und handelt sich Ärger ein. Sein Mentor
kommt zu ihm und kann ihm klarmachen - da sind noch andere wie Du, die
Deine Hilfe brauchen, hol sie da raus. Und weil er das am besten kann,
tut er es. Doch dann sucht er Ruhe, obwohl es genug Konflikte auf der
Welt gäbe, bei denen er sich einmischen könnte. Erst als sein Mentor
ihn braucht, zieht er wieder in den Kampf, weil er derjenige ist, der
es am besten kann. Wieder taucht er unter, will in Ruhe gelassen
werden. Doch ihm ist klar, dass er seine Augen nicht vor der Welt und
vor den Menschen verschließen kann, und als er erkennt, dass es
manchmal doch sinnvoll ist sich einzumischen, tut er es wieder. Weil er
das am besten kann...
John Rambo ist hart, knallhart, ich glaube nicht, schon mal so einen Film gesehen zu haben. Allein der Anfang mit den realen Bildern der Gräueltaten in
Birma verursacht Gänsehaut, weil man weiß - das ist echt. Das passiert
dort wirklich. Dann beginnt der Film - und die Gräuel gehen weiter.
Menschenunwürdige Dinge werden gezeigt, Tod, Folter, zerstückelte
Mütter und verbrennende Kinder. Und wieder spürt man - so etwas gibt es wirklich. Hier wird es gezeigt. Krass.
Auf der anderen Seite die Naivität derer, die Helfen wollen. Wir gehen
dahin und leisten humanitäre Hilfe. Wir sind die Guten, da kann uns
nichts passieren. Es wird schnell deutlich, wie wenig unmoralische
Verhältnisse das respektieren. Ein birmesischer Flusspirat wird sich
nicht sagen Ich bin ein böser Pirat, aber das sind harmlose Ärzte, die
helfen wollen, also lass ich die mal ziehen. Nein, der denkt sich Ich
bin ein böser Pirat, und das sind ein paar harmlose Ärzte, die helfen
wollen, also raube ich sie aus und schlag ihnen die Köpfe ab. Außer den
Frauen, die werden erst noch vergewaltigt. Ich glaube wirklich, dass es
Leute gibt, die denken, man könnte immer vernünftig miteinander reden.
Tja, das klappt schon nicht in der Berliner U-Bahn - wenn man da einen
Jugendlichen bittet, die Zigarette auszumachen, kann man schon mal
krankenhausreif geprügelt werden. Zivilcourage funktioniert, allerdings
nur mit Rückendeckung. Sonst steht man ganz schnell alleine da...
John Rambo ringt lange mit sich, doch er erkennt, dass er
diese Rückendeckung ist. Er erkennt, dass es seine Aufgabe ist,
Menschen zu beschützen, die das nicht selber tun können. Also
beschließt er, sich einzumischen. Er schnappt sich seinen Bogen und
schließt sich den angeheuerten Söldnern an, die er zwar verstehen, aber
nur schwer respektieren kann. Doch er erkennt, dass sie im Grunde
jüngere Versionen seiner selbst sind, die nur nicht soviel Scheiße
durchlebt haben. Und er kann ihre Hilfe gut gebrauchen gegen die
Übermacht, die ihnen gegenübersteht...
Der Film ist schmerzhaft real in der Darstellung von Gewalt, doch in
keiner Weise unpassend. Gegner werden ausgeschaltet, mit den
erforderlichen Mitteln. Das kann schnell gehen per Kopfschuss oder
etwas schmutziger, wenn es leise passieren muss. Krass aber gut, dass
mal gezeigt wird, wie großkalibrige Waffen tatsächlich wirken. Da gibts
kein kleines Einschussloch und ein bisschen Blut, da werden Körper
regelrecht zerfetzt, Köpfe explodieren, Gliedmaßen fliegen durch die
Luft, Menschen zerplatzen zu rotem Staub. Viele werden denken, wie
übertrieben ist das denn, weil sie es einfach nicht besser wissen. Die
Anfangssequenz von Der Soldat James Ryan war schon schmerzhaft
realistisch. Der Soldat John Rambo zeigt dasselbe - mit moderneren
Waffen. Und man denkt an all die Szenen aus Filmen, in denen sich die
Menschen hinter Autotüren oder umgeworfenen Tischen verschanzen...
Sylvester Stallone hat John Rambo selbst inszeniert, und das ist gut so. Und er hat einen verdammt guten, packenden Film abgeliefert. Die Action setzt wie gesagt Maßstäbe, die man ehrlich gesagt gar nicht so oft erreicht sehen
möchte. Der Dreh vor Ort in Thailand muss die Hölle gewesen sein,
Regen, Moskitos, Hitze, das trägt sehr zur Atmosphäre und Authentizität
bei. Keine kernigen Sprüche oder gezwungen lustige One-Liner mehr. Und
ein Showdown - wow! Ich glaube nach der Show waren wirklich alle
down...
John Rambo kann es noch, ein knallharter Streifen, der unter die Haut
geht. Klar denkt man sich: wenn Rambo endlich seine Ruhe haben will,
warum lebt er dann in Thailand als Schlangenfänger, anstatt in
Ostwestfalen-Lippe Zeitungen auszutragen? Ich glaube, weil er nicht
wirklich Ruhe haben will. Er ist und bleibt ein Kämpfer, ein Klingone,
der lieber auf nacktem Boden schläft, als in einem weichen Bett. Seine
Seele wird nie Ruhe finden, warum sollte sein Körper?
Eines wäre jedenfalls klar: wenn Rambo sagt, mach mal die Zigarette aus, wird auch der rüpeligste Halbstarke zum Nichtraucher...