Lange nach dem „Terminator“, weniger lange nach „Rocky Balboa“ und sehr kurz nach „John McClane“ kehrt nun eine weitere Ikone der 80er Jahre auf die Leinwände der Lichtspielhäuser zurück: John Rambo. Kaum eine Figur des Films hat so sehr zur Bildung des modernen amerikanischen Mythos beigetragen, wie der wortkarge Vietnamveteran. Rambo war und ist einer der ersten politischen – und leider auch, wie im Falle des zweiten und dritten Teils, politisch-verfehlten – Actionhelden des Kinos überhaupt. Ganz dieser Dimension verpflichtet, schickt Regisseur Sylvester Stallone sich selbst erneut in einen der brisantesten, wenn auch unbekanntesten Krisenherde der heutigen Gesellschaft: Das unter der Tyrannei einer Militärjunta leidende Birma. Ohne Frage steht eine solche Konstellation, auf der einen Seite ein grausamer Krieg, in dem die Menschenrechte mit Füßen getreten werden, auf der anderen Seite der Unterhaltungsanspruch eines Actionfilms, unter der schwierigen Verpflichtung a) die Situation Birmas nicht zu verharmlosen, b) sich nicht einseitig-parteiisch zu positionieren und c) das Publikum trotzdem zu unterhalten und nicht ausschließlich zu verstören. Kann ein Film wie „John Rambo“ diesen Anforderungen überhaupt gerecht werden? Die Antwort fällt nach dem Konsum des Streifens doch eher einseitig aus. Sie lautet NEIN. Schockiert Stallone den Kinogänger einleitend mit realen Schreckensbildern und Nachrichten aus Birma, erweist sich sein neuester Rambo-Teil in der Essenz doch (wieder einmal) als dem Machotum verpflichtete Ein-Mann-Show, die sich unter dem Deckmantel des Pseudo-Politisch-Menschenrechtlichen versteckt. Alles beim Alten also. Dies muss jedoch nicht unbedingt schlecht sein, schließlich funktionierte das gleiche Prinzip in beiden Vorgängern fantastisch. Und tatsächlich: Stallone ist mit dem Abschluss der „Rambo“-Quadrilogie ein kleines, dreckiges Meisterwerk gelungen. Sieht man einmal über den leider tatsächlich unreflektierten Umgang mit der aktuellen Situation in Birma hinweg, bekommt man einen Actionhammer, wie es ihn seit den seligen 80er Jahren nicht mehr gegeben hat. Präsentierte sich der „Terminator“ in der „Rebellion der Maschinen“ als ein wenig hüftlahm, hat Rambo auch im fortgeschrittenen Alter nichts von seiner Agilität eingebüßt. Im Sekundentakt gibt es Schießereien, Explosionen und Nahkämpfe. Dies alles ist überraschend sicher und geschmeidig inszeniert. Besonders die ruhigen und wunderschönen Naturaufnahmen bilden einen reizvollen Kontrast zu den schnell, wenn auch nicht hektisch geschnittenen Actionszenen. Womit das zentrale Thema eingekreist wäre: Action! Die „Rambo“-Filme waren noch nie populär für besonders ausgefeilte Geschichten. Dennoch gibt sich der neuste Teil auch im Vergleich mit seinen Vorgängern diesbezüglich noch ein wenig minimalistischer. Eine wirkliche Handlung gibt es nicht, oder besser: Rudimente davon sind funktional nur noch für die Transmission bleihaltiger Feuergefechte zuständig. Diese haben es aber auch in sich. Seit Paul Verhoevens „Starship Troopers“ sind nicht mehr derartig viele Körperteile in einem Mainstream-Film über die Leinwand verteilt worden. Das Kunstblut fließt tatsächlich literweise, und so dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, wann „John Rambo“ die Ehre zuteil wird, auf dem Index zu landen. Allerdings ist das Gemetzel derartig überspitzt gezeichnet, dass der Zuschauer eher zum Lachen als zum Würgen gereizt wird. Als problematisch erweisen sich allerdings zwei Dinge: Zum einen die Aussage des Films, der Gewalt eindeutig als Lösung propagiert und diese Ansicht auch bis zum Ende durchhält, wenn der anfangs noch friedlich gesinnte Michael einem Soldaten mit einem Stein den Schädel einschlägt. Zum anderen, und das fällt schon negativer ins Gewicht, ist es die bewusst einseitige Perspektive, die Stallone in seinem neusten Film einnimmt. Sicher, im Vielvölkerstaat Birma sind die Menschenrechte nichts wert, und die Militärregierung gleicht einem tyrannischen Regime. Doch der Filmoberbösewicht hat weder einen Namen, noch einen einzigen übersetzten Dialog. So bleibt tatsächlich nichts mehr von ihm im Gedächtnis, als seine absolute Boshaftigkeit, die sich in Zusammenhang mit offensichtlich pädophilen Neigungen zu der Schablone des „Bösen“ schlechthin verdichtet. Wer also über die Gewaltverherrlichung des Streifens und die völlig inadäquate, weil rassistische Charakterzeichnung der Militärregierung hinwegsehen kann, wird für leider viel zu kurze 83 Minuten blendend unterhalten. Trotz der Kritikpunkte der beste Actionfilm seit Jahren. 10/10 Punkten