Review

Viele waren skeptisch, als die Nachricht kam, dass Stallone mit Rocky und Rambo seine wohl 2 bekanntesten Figuren neu aufleben lassen will. Kann das funktionieren? Kann ein mittlerweile stark gealterter und gelifteter Stallone noch einen Boxer oder gar einen Vietnamhelden spielen?
Ja, es funktioniert besser denn je. Hatt schon Rocky Balboa eingeschlagen wie eine Bombe, mit ungewohnter Tiefe und schauspielerischem Talent von Stallone, so wird auch John Rambo seinen Anhängern beste Unterhaltung bieten.

Das Hauptaugenmerk liegt hier einzig und allein auf Rambo. Einen gealterten, ehemaligen Soldaten, der nur noch in Ruhe die letzten Jahre seines Lebens hinter sich bringen will. Er lebt zurückgezogen, ist mehr als wortkarg und hält sich mit fischen und dem fangen von Schlangen über Wasser.
Doch er wird alsbald aus seiner heilen Welt gerissen, als eine Gruppe naiver Missionare ihn bittet, in das Kriegsgebiet von Birma zu fahren um dort den Menschen mittels Arznei und dergleichen zu helfen. Erst nach mehrmaligem Bitten lässt Rambo sich darauf ein und es kommt, wie es kommen muss. Die Gruppe wird schon bald gefangen und verschleppt, wenn sie noch nicht getötet worden sind und Rambo muss sich mal wieder aus seiner Lethargie befreien und das machen, was er am besten kann, was ihm im Blut liegt.

Der Film ist definitiv der letzte seiner Art. Solche Art von Actionfilm hat man die letzten Jahre nicht mehr oft zu sehen bekommen und wird es vermutlich auch nicht mehr. Aber es funktioniert dennoch sehr gut.
Es gibt eine kurze, aber mehr als ausreichende Einführung der Charaktere, wobei natürlich hier Rambo den meisten Part einnimmt und den benötigt er auch. Der Rest ist eher so mittel zum Zweck.
Auf einen Gegenspieler im Sinne der 3 Vorgänger wurde hier weitestgehend verzichtet. Zwar gibt es einen Boss auf der Seite der Bösen, aber der unterscheidet sich nicht von seinem Gefolge. Das Böse ist hier meistens als gesichtslose Armee unterwegs, die tötet, vergewaltigt und alle Grenzen der Menschlichkeit hinter sich lässt, in dem mit den Unschuldigen ein Wettlauf mit Mienen veranstaltet wird.
Ich denke aber, anders hätte das auch nicht aussehen dürfen, zumindest nicht in dieser Form, in der es der Film auf die Leinwand geschafft hat. Es gibt keine Hintergründe, nur von Rambo und sowas wie ein Erzfeind hätte die Geschichte, sofern es eine gibt, nur unnötig aufgehalten.
So konzentriert sich der Hass nicht nur auf eine Person, sondern auf die ganze Armee, was wohl auch Sinn der Sache war, wenn das alles wohl auch nur ein Mittel zum Zweck für Rambos Feldzug ist.

Die Action hätte besser und härter nicht sein können. Was uns Stallone hier in dieser Form präsentiert wird es definitiv nicht mehr geben und war, wie man gesehen hat, selbst für das Kino zu hart.
Eine richtig derbe Schlachtplatte. Da werden Kehlköpfe rausgerissen, Köpfe abgeschlagen, Kinder erschossen, Männer mittels eines stationären MG's wortwörtlich in Fetzen gerissen. Nichts für schwache Nerven und Mägen. Aber der genormte Rambo- und Actionfan wird es zu schätzen wissen. Hier wurde auch definitiv auf eine ältere Zielgruppe Wert gelegt.

Was bleibt ist eine mehr als gelungene Verbeugung von Stallone auf seine Hochzeit in den 80ern, in der solche Filme am Fließband produziert wurden. Und man sieht, es kann auch durchaus heute noch funktionieren.

Aufgrund der doch extrem kurzen Laufzeit, gerade mal 76 Minuten, es wurde nur ein 10 minütiger Abspann eingefügt um dem ganzen noch etwas Laufzeit zu verpassen, kommt der Film nicht ganz auf die Höchstmarke, auch wenn er viel länger nicht hätte sein dürfen. Aber man hätte dennoch ein paar Aspekte des resignierten Rambo ausleuchten können und auf diverse zwischenmenschliche Sachen eingehen können. Tut dem ganzen Vergnügen aber dennoch kaum einen Abbruch.

9/10

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