Die Kritik beruht auf der Uncut-Fassung mit SPIO/JK-Kennzeichnung und einer Laufzeit von 87 Minuten!
Von Fans lange Zeit erwartet, kehrte Sylvester Stallone mit deutscher finanzieller Unterstützung als "John Rambo" im gleichnamigen vierten Teil der Actionreihe 2008 zurück auf die Leinwände und präsentiert uns den härtesten und blutigsten Film der Reihe.
Hauptkern der mehr als dünnen Handlung ist der seit Jahren anhaltende Bürgerkrieg in Birma. Ethnische Säuberungen, Vergewaltigungen und brutale Massakrierungen stehen hier an der Tagesordnung. Einige Missionare haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Opfern dieses Krieges beizustehen, sie medizinisch zu versorgen und Seelsorge zu leisten. Nachdem auch sie entführt werden ist John Rambos Stunde gekommen und die Zeit der Vergeltung bricht an.
Sylvester Stallone, nicht nur Hauptdarsteller, sondern auch Regisseur und Drehbuchautor, beginnt seinen Film mit realen Nachrichteneinspielungen, die von dem unmenschlichen Treiben in dem Krisengebiet berichten. Bereits in diesen Szenen wird dem Zuschauer das ganze grausame Ausmaß dieses Bürgerkrieges deutlich, doch es erreicht nicht annähernd die Grausamkeit, die in den folgenden 77 Minuten Spielzeit dem Zuschauer zu Gemüte geführt wird.
Stallones Anliegen mag es gewesen sein, Kritik an ein unmenschliches Regime zu üben und die Welt auf die Greueltaten aufmerksam zu machen. Ein Anliegen, was durchaus ehrenwert ist.
Als Zuschauer darf man aber nicht vergessen, dass es sich bei "John Rambo" um keinen Dokumentarfilm oder eine Nachrichtensendung, sondern um einen kommerziellen Unterhaltungsfilm handelt, der das, was er vorgibt anzuprangern, zum Schau- und Unterhaltungswert seiner Handlung macht.
"Tränen der Sonne" (mit Bruce Willis) greift eine ähnliche Thematik auf und auch in diesem Actionfilm gibt es durchaus einige harte Szenen, doch was in "John Rambo" dem Zuschauer zugemutet wird, ist hart an der Grenze:
Der vierte Teil der "Rambo"-Saga reiht eine explizite Gewaltszene an die nächste. Vergewaltigungen werden hier zwar nur angedeutet, aber was das sonstige Gewaltpotential angeht, ist das Limit schnell erreicht. Hier werden die Menschen durch Kugeln nicht "nur" getroffen, sondern praktisch in Stücke gerissen. Im Sekundentakt werden menschlische Körper von Tretminen in ihre Einzelteile zerlegt, Köpfe platzen wie überreife Melonen, Gliedmaßen werden abgetrennt, Kehlköpfe und Eingeweide raus gerissen, dass am Ende dieser Zerstörungsorgie die überlebenden Darsteller kniehoch in Filmblut und Eingeweiden baden. Und der Zuschauer ist - zumindest in der von mir gesichteten Uncut-Fassung - mittendrin.
Davon abgesehen bietet "John Rambo" nur wenig hausgemachte Action: sowohl einige Explosionen als auch die meisten Shoot Outs sind CGI-Effekte. Pyrotechnik, wie sie in den ersten drei Teilen vielfach und bombastisch eingesetzt wurde, steht hier nicht im Vordergrund. Das Töten durch Minen, Maschinengewehre, Macheten und Messer dominiert das Geschehen und wird detailfreudig dargestellt.
Darstellerisch knüpft Stallone genau dort an, wo er 1990 mit "Rambo III" aufgehört hatte. Ansonsten erinnern lediglich Stallones Rollenname, einige Rückblenden aus den vorherigen Teilen und das einst von Jerry Goldsmith komponierte Theme an die Qualitäten der alten "Rambo"-Filme. Komponist Brian Tyler erweitert und variiert das Theme zu einer teils gefühlvollen, teils sehr kraftvollen Hymne.
"John Rambo" ist kein langweiliger Film, aber auch kein Film mit Unterhaltungswert. Er schockiert den Zuschauer vielmehr, denn man darf nicht vergessen, daß die dargestellten Greueltaten tatsächlich passieren, während wir sie uns anschauen. Der Film ist angesichts seiner grausamen Thematik bierernst, es gibt keine humorvollen Brechungen und gesprochen wird auch nur das nötigste:
„Live for nothing or die for something“
Das ist der "John Rambo" des neuen Jahrtausends: härter und kompromissloser als jemals zuvor, ohne auch nur ansatzweise den Charme der früheren Werke zu erreichen.
6 von 10 Punkte!
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