Review

John Rambo ist zurück - und das blutrünstiger und menschenverachtender als je zuvor!

In gewisser Weise muss man dem Action-Urgestein Stallone schon Respekt zollen, dass er sich von all den Pleiten seiner Laufbahn und den unzähligen Nominierungen und auch Gewinnen der Goldenen Himbeere nicht unterkriegen lässt, sondern fleißig weiter seine Wunschprojekte vorantreibt. Und das hat nicht nur schlechte Seiten - wie zum Beispiel "Rocky Balboa" beweist.

Auch beim vierten Abenteuer seines Vietnamkriegshelden Rambo merkt man durchaus, dass etwas dahinter stand - hier geht es nicht nur um Action des Unterhaltungswertes wegen. Mit dem seit Jahrzehnten betriebenen Völkermord in Birma nimmt sich der Film eines düsteren und oft wissentlich von den Medien übersehenen Themas an mit Ausnahme des Aufstandes der Mönche scheint die Konfliktregion keine große Spannung für westliche Nachrichten zu bieten. So teilt sich der Film deutlich in zwei Hälften: In der ersten wird das Töten gezeigt, wie es wirklich ist: gnadenlos, ekelhaft, verachtenswert. Die Überfallszenen auf unbewaffnete Dörfler gehören für mich klar zu den schockierendsten Gewaltdarstellungen der letzten Kinojahre - und das will heutzutage was heißen! Es mag unangenehm sein, aber es ist wichtig, dieses systematische Abschlachten in all seiner Grausamkeit dem von Frieden verwöhnten Mitteleuropäer vor Augen zu führen.

Schnitt. Auftritt John Rambo. Von Anfang an vertritt der Film eine Haltung, die zwiespältig sein kann, hier allerdings viel zu plakativ vertreten wird: Die Pazifisten, die durch humanitäre Hilfe Frieden stiften wollen, seien dumm, auch nur eine Minute zu glauben, dass das funktionieren könne. Nun mag man diskutieren, ob es bei manch einem der fanatisch verbohrten Regierungschefs, die es auf der Welt so gibt, tatsächlich mit keinem anderen Mittel mehr als der Gewalt zu einer Erlösung des Volkes kommen könne oder nicht. Aber der Film spart sich diese Diskussion gleich ganz: In dem Moment, in dem Rambo eine Waffe in die Hand nimmt, macht das Morden eine 180°-Kehre - Rambo darf das, denn Rambo kämpft für das Gute!

An einer Stelle sagt er: "Lebe für nichts oder stirb für etwas." Eine durchaus edelmütige Ansicht, die die Aussage des Films jedoch völlig verklärt. Der nämlich sagt: Lebe für nichts oder töte für etwas. Ein kolossaler Unterschied, der hier einfach unter den Tisch gekehrt wird. So ist es eine Frage von Minuten, bis die guten Ansätze des Films in einem Meer aus geradezu obszöner Gewalt ertrinken. Hier werden mit Schusswaffen furchtbarere Massaker angerichtet als in den meisten Splatter-Filmen der letzten Jahre - und alles das wird nicht nur ohne ein winziges Zögern legitimiert, sondern entwickelt sich spätestens im blutgetränkten Finale zu einem primitiven Macho-Abenteuer, in dem es einfach nur toll ist, auf böse Buben zu schießen und sie dabei mit panzerbrechender Munition in Fetzen zu reißen.Wer sich "John Rambo" ansieht, sollte einen starken Magen haben - und sein Gehirn zu hause lassen. Dann nämlich braucht man nichts weiter zu tun, als mit offenem Mund auf den Bildschirm zu glotzen und sich über das Geballer zu freuen.

Details
Ähnliche Filme