Nach dem durchaus gelungenen Rocky Balboa aus dem Jahr 2006 knüpfte sich Sylvester Stallone 2008 auch seine zweite Paraderolle vor, um diese aus der filmischen Leinwandversenkung zu holen. John Rambo war damals wohl als Schlußpunkt der Filmreihe gedacht, mittlerweile steht ja nun nach weiteren 10 Jahren der fünfte Teil in den Startlöchern. Sylvester Stallone nahm im vierten Teil alles in die eigene Hand, er spielte die Hauptrolle, führte Regie und hatte auch die Story nach seinen Vorstellungen verfasst. Als realpolitschen Hintergrund wählte er die in der westlichen Welt relativ unbenkannte Konfliktsituation zwischen dem birmanesischen Militär und dem unterdrückten Karenstamm.
Was heute Instagramm und Facebook erledigen, passierte 2007 noch verstärkt über einschlägige Filmwebseiten wie zum Beispiel ain't it cool, Stallone postete hier fleißig Neuigkeiten von den Dreharbeiten und stellte ziemlich früh klar, in welche filmische Richtung der vierte Einsatz von John Rambo gehen sollte - Heftige, streckenweise äußerst brutale Action mit einer selbst für Rambo Verhältnisse nie dagewesenen graphischen Darstellung von Gore und Splatterszenen. Im Mai 2007 veröffentlichte er einen knapp 2,5 minütigen Trailer, in dem er ausgiebig so ziemlich jede härtere Filmsequenz zeigte, ob er sich damit einen Gefallen getan hat, darf zumindest bezweifelt werden, denn der Sinn eines Trailers besteht eigentlich darin, neugierig zu machen, potenzielle Interessenten "anzufixen" und nicht alles zu verraten. Der Aufschrei im Netz war natürlich groß - das Einspiel blieb trotzdem hinter den Erwartungen zurück, so kam Rambo IV an den einheimischen Kinokassen gerade einmal auf 42 Millionen Dollar, das Produktionsbudget wird auf ca. 50 Millionen $ geschätzt, nur die außerhalb Amerikas einigermaßen soliden Ergebnisse (70 Millionen $)konnten dem Projekt eine wirtschaftliche Rentabilität (115 Millionen $ weltweit) sichern.
In Rambo IV lebt John Rambo zurückgezogen in Thailand und arbeitet als Skipper auf dem Salween Fluß, er ernährt sich vom Fischen und vom Verkauf von giftigen Schlangen. Das benachbarte Birma ist seit über 60 Jahren im Bürgerkriegszustand, der Konflikt zwischen dem birmanischen Militär und den unterdrückten Karen fordert täglich dutzende von Menschenleben. Ein Team von freiwilligen Helfern, u.a. Michael Bennet und seine Begleiterin Sarah, suchen Rambo auf um sich von ihm mit seinem Boot ins Kriegsgebiet bringen zu lassen und die Karen mit Nahrung und Medikamenten zu unterstützen. Zunächst ist Rambo abgeneigt, letzten Endes lässt er sich aber doch von der hartnäckigen Sarah überreden. Nach dem Rambo die Missionare im Krisengebiet abgesetzt hat, wird kurze Zeit später das besuchte Dorf vom Militär brutal überfallen und niedergemäht, das Helferteam gerät in Gefangenschaft. Da von offizieller Seite keinerlei Hilfe zu erwarten ist, wird ein Trupp Söldner zur Befreiung der Gefangenen beauftragt. Rambo, der sich im Zielgebiet bestens auskennt, wird als Fährmann angeheuert und macht sich mit dem Rettungsteam gemeinsam auf den Weg nach Birma, um die Gefangenen zu befreien....Die vom Drehbuch vorgesehene Charakterisierung der Hauptfigur findet im ersten Drittel des Filmes statt. Rambo 2008 wird uns als verbitterter, von seiner Vergangenheit gezeichneter Antiheld vorgestellt, dem so ziemlich alles egal ist und der sich und seine Umwelt haßt. Um so erstaunlicher ist es für den Zuschauer, dass Rambo, trotz anfänglicher extrem abweisender Haltung gegenüber den Missionaren und deren Ziele ohne eine verständliche Begründung auf einmal die Gruppe unterstützt, der Dialog mit Sarah soll zwar den Sinneswandel ausgelöst haben, als nachvollziehbar kann man dies jedoch nicht bezeichnen, hier sind deutliche Drehbuchschwächen zu erkennen. Stallone selbst hat dieses Manko wohl später eingesehen, eine im Directors Cut erweitere Unterhaltung mit Sarah belegt diese These.
Eine weitere interessante Frage war, ob es Stallone gelingen würde, seine aus den 80er Jahren stammende Heldenfigur in die Neuzeit zu transportieren, den eine "One Man Army" die im Alleingang hunderte von Gegner mit links eleminiert würde im Jahr 2008 nicht mehr funktionieren. Dieses Problem wollte Stallone lösen, in dem er seinen Held mehr aus dem Hintergrund agieren lässt, er schickt Rambo praktisch als Rückendeckung für das Rettungsteam in die Schlacht. Eine eigentlich gute Idee, der Film wirkt durch diesen Einfall merklich realistischer, der Nachteil ist, dass seine Titelfigur selbst wenig aktive Actionmomente spendiert bekommt, so tritt Rambo eigentlich erst im 10 minütigen spektakulären Showdown in den actionorientierten Vordergrund und auch hier steht er wenn man es genau nimmt nur hinter einem Geschütz und ballert alles splättrig in Grund und Boden, da war Rambo in den Vorgängerfilmen in deutlich abwechslungsreichere Actionszenen involviert.Technisch umgesetzt ist die Action natürlich mit Gütesiegel 1 A - und wie oben schon erwähnt äußerst brutal, es werden harte und schockierende Bildern eingefangen, Stallone scheut sich nicht, Tabus zu brechen und schießt hier teilweise aber auch etwas über das Ziel hinaus. Beim Überfall auf ein birmanesisches Dorf wird z. B. die Grausamkeit des Krieges in noch nie dagewesener Schonungslosigkeit filmisch dargestellt. Da werden Frauen vergewaltigt, Kinder erschossen, Babys ins Feuer geschmissen, dutzende von unschuldigen Dorfbewohnern im Kugelhagel zersiebt, Gliedmaßen durch gewaltige Explosionen von Ihren Körpern getrennt, alles wird hinterlegt vom mitreißenden und beklemmenden Soundtrack von Brain Tyler. Der Regisseur selbst behauptete, er wolle mit dem drastischen Material auf das Elend in Birma aufmerksam machen, kritische Stimmen sehen hier eben nicht ganz zu Unrecht eine vorzugsweise primitive und plakative Rechtfertigung für Rambos schlachtartige Abrechnung mit dem im Film gesichtslos dargestellten Feind.
Das Fazit fällt für mich jetzt nach insgesamt 3 Sichtungen gemischt aus - Stallone gelingt es zwar die Action handwerklich top und unterhaltsam zu realisieren, verrennt sich aber teilweise in der Fokussierung auf eine möglichst brutale Gewaltdarstellung, ein bisschen mehr Tiefe in der Handlung und vielleicht auch zahlenmäßig mehr Rambo Action hätte dem Film nicht geschadet, so komme ich abschließend auf eine Bewertung von 6/10 Punkte, Schulnotenmäßig ausgedruckt 3-.