Till Schweiger, hierzulande wohl einer der beliebtesten Schauspieler, serviert uns mit KeinOhrHasen eine massentaugliche Romantikkomödie, die seinerzeit auf sehr viel Gegenliebe des deutschen Publikums gestoßen ist. KeinOhrHasen ist schlicht und einfach zum Massenphänomen geworden. Kein Wunder eigentlich, denn der Film selbst handelt natürlich wieder vom selbst gesteckten Thema Nummer Eins der Deutschen: Sex. Natürlich sollte man gerade deshalb keine Romantikkomödie mit einem gewissen Tiefgang erwarten, zumindest eben oberhalb der Gürtellinie. Vielmehr präsentiert uns Herr Schweiger nackte Tatsachen. Ja, KeinOhrHasen wurde wohl hauptsächlich für Frauen konzipiert. (Man möge mir wegen solcher Pauschalisierungen bitte nachsichtig sein) Somit wurden mir die meisten positiven Eindrücke eben auch von jener Zielgruppe vorgetragen. So sah ich mir, zumindest mit Zuversicht auf eine solide Unterhaltung, das Werk am gestrigen Abend an und wurde wirklich bitter enttäuscht.
Zugegeben, der deutsche Film zählt sicherlich nicht zu meinem Lieblingsgenre, soviel möchte ich schon mal vorweg nehmen, doch bei diesem Opus wurde mir eine niederschmetternde Wertung wirklich sehr leicht gemacht. Vermutlich hat sich unser werter Herr Schweiger ein wenig dabei übernommen, als er sich dazu entschied seine Rolle als Regisseur, Hauptdarsteller und Produzent zu meistern. Doch kommen wir erst einmal zu dem Geschehen selbst.
Der Boulevard-Pressen Reporter Ludo, gemimt von Til Schweiger, ist ein wirklich arroganter Typ der keine heiße Begegnung mit dem weiblichen Geschlecht auslässt und auch beim Job gerne mit dem Feuer spielt. Doch eines Tages geht er eine Spur zu weit, bewegt sich förmlich auf zu dünnem Eis, und ruiniert eine Hochzeitszeremonie als er wahrscheinlich durch vollkommene geistiger Abstinenz durch die Glasdecke eines Prunksaales kracht. Vermutlich sollten hier wohl auch die ersten großen Lacher platziert werden, sofern man sich für ein blankes Hinterteil seitens Schweigers begeistern kann. Meine Wenigkeit konnte bis dato kein Einiges mal wirklich Lachen. Leider sollte sich der Trend in den darauffolgenden Minuten auch nicht ändern. Wie dem auch sei, in einer völlig überstilisierten und unwahrscheinlich konstruiert wirkenden Gerichtsverhandlung, beschließt sich dann die werte Frau Richterin dazu, dem Übeltäter 300 soziale Stunden aufzubürden, die er in einem Kindergarten abzuleisten hat. Im Kinderhort selbst stellt sich noch zu allem Überfluss heraus, dass die Leiterin Anna eine alte Bekannte von Ludo ist, die von ihm als Kind wegen einer überdurchnittlich großen Brille und markanter Zahnspange gehänselt wurde. Ich denke gerade jetzt hat man bei den Entitäten zu dick aufgetragen. Jeder scheint hier über einen Anderen wiederum einen Anderen zu kennen und so fort. Schon fast ein filmisches „Wer kennt Wen“. Unwahrscheinlicher hätte man den Plot wohl auch nicht mehr gestalten können. Doch selbst wenn man über diese Ungereimtheiten und Logiklöscher, die klaffend wie bei einem alten Paar Sportsocken sind hinweg schauen kann, sollte man sich auf reichlich gesäte Plattitüden einstellen. Die Dialoge wirken stets aufgesetzt und unglaubwürdig. Im Endeffekt handelt es sich ja auch nur um eine poppigere „Die Schöne und das Biest“ Variante, weshalb man Realismus an jeder Ecke missen wird. Märchenhaft und verträumt sind auch die Vorstellungen unserer Hauptprotagonisten Anna. Die graue Maus muss sich wie im Märchen in den Wilden verlieben, der hier allerdings analog zu Annas Annäherungsversuchen die Frauen im Minutentakt beglückt. Diese Ausbrüche sind einer sympathisch wirkend wollenden Romantikkomödie sehr abträglich. Nora Tschirner kann man an dieser Stelle allerdings keine Vorwürfe machen, das Selbe gilt auch für Schweiger. Beide sind dazu in der Lage ihren Charakteren überzeugend Leben einzuhauchen. Vielmehr scheitert es eben am Geschehen selbst. Ich möchte fast so weit gehen zu behaupten, dass alle guten Ansätze der dilettantischen Umsetzung zum Opfer fallen.
Auch die letzte halbe Stunde ist ein Armutszeugnis und sprudelt nur so über vor Kitsch. Spätestens bei der Bühnenvorführung, als Ludo dann unerwartet nach vorne tritt um seine Plattitüden über Liebe loszuwerden und die Anwesenden in dem Emporen daraufhin anfangen mit Gemüse und Obst zu werfen, fragt sich der aufmerksame Zuschauer woher eben dieses ganze Grünzeug auf einmal kommt. Ja es ist fast so, als hätte ein türkischer Gemüseladen nebenan Gemüse und Obst verschenkt. Huch ich vergas, wir schauen uns ein Märchen an.
Besonders übel ist mir auch die Selbstbeweihräuscherung der deutschen Schauspieler auf dem roten Teppich aufgestoßen. Meiner Meinung nach ein völlig unnötiges Abdriften in Euphorie und Selbstverliebtheit.
Fazit: Mit KeinOhrHasen hat uns Til Schweiger einen völlig überbewerteten Rohrkrepierer aufgetischt, der nur selten einen Lacher für sich verbuchen kann. Dafür sind die Dialoge und der Humor viel zu flach und plakativ vermittelt worden. Schauspielerisch gesehen gibt es an den Hauptprotagonisten nicht viel zu meckern, lediglich der ein oder andere Nebendarsteller betreibt ein gekünsteltes Overacting wie es nur so im Buche steht. Zu nennen wäre hier zum Beispiel der Chef der Zeitungsagentur, der mit seinem ständigen Gebrülle höchstens ein Fall für die Nervenheilanstalt wäre.
Leider kann diese überlange 105 Minuten Vorstellung zu keiner Zeit glänzen und ist höchstens für die Generation Klingelton unterhaltsam.