Als Produzent, Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller stemmte Til Schweiger mit „KeinOhrHasen“ einen riesigen Kinoerfolg, erntete bei Kinostart fast durchweg positive Kritiken – doch häufig sind solche Hypefilme dann bei Ansicht etwas enttäuschend.
Klatschreporter Ludo Dekker (Til Schweiger) ist ein Egoist, wie er im Buche steht. Frauen sind für ihn vor allem Objekte, Menschen benutzt er sowieso um das zu kriegen, was er will, und für eine Story tut er fast alles. Als er Wladimir Klitschkos Heiratsantrag an Yvonne Catterfeld stört und durch das Glasdach eines Hotels bricht, hagelt es 300 Sozialstunden. Nix wirklich Neues also, der zu zähmende Widerspenstige, ein immer wieder beliebtes Thema, zuletzt z.B. in dem amerikanischen „Role Models“.
Ludo soll in einem Kindergarten anpacken, doch Kindergärtnerin Anna (Nora Tschirner) kennt ihn noch aus ihrer eigenen Kindheit, in der er sie ärgerte. Doch nach einigen Zärgereien kommt man sich näher...
Til Schweigers Rolle erinnert etwas an Hugh Grant in „About a Boy“, aber dessen Charme und Überzeugungskraft kann Schweiger nicht beanspruchen. Trotzdem ist dies eine seiner besten Performances der letzten Zeit, mit Elan und Bemühen gespielt. Nora Tschirner, die man hier mit mühsam mit dicker Brille und Strickjacke zu verschandeln versucht, spielt mit viel Charme die starke Frauenrolle. Matthias Schweighöfer ist ganz OK, wesentlich eindrucksvoller sind allerdings die Gastrollen von Armin Rohde und Jürgen Vogel, die beide mit wunderbarer Selbstironie agieren. Ob man Christian Tramitz und Rick Kavanian wirklich unterbringen musste, ist jetzt eine andere Frage, aber letzterer hat immerhin eine amüsante Rolle als Chefredakteur.
Im Kino wurde „KeinOhrHasen“ dann nach Elternprotesten von FSK 6 auf FSK 12 hochgesetzt und tatsächlich ist die Freizügigkeit für eine romantische Komödie sehr überraschend. Explizite Dialoge, nackte Haut und einige derbe Späße, die man eher in US-Teeniekomödien erwarten würde, sprechen da Bände. Auch überraschend klamaukig sind die Rückblenden in die Kindheit Ludos und Annas. Auf der einen Seite sicher eine nette Absage an die Hätschel-Konventionen der RomCom, auf der anderen Seite jedoch nicht ganz einfach, da „KeinOhrHasen“ von daher stilistisch nicht immer geschlossen ist: Mal nettes Kuschelkino, mal überraschend derb in seinem Humor.
Trotz dieses kleinen Mankos ist „KeinOhrHasen“ die meiste Zeit über allerdings wirklich lustig, eine schön unkomplizierte, beschwingte Komödie aus deutschen Landen. Gerade die Streitereien von Ludo und Anna machen meist Spaß, verprügelte Kinderentertainer oder ein holländischer Gerüstbauplan sind weitere Humorhighlights – und die Eingangsszene mit Jürgen Vogel zieht sowieso die Zuschauersympathien an Land.
So unterhält die altbekannte Geschichte von Feindschaft aus der schließlich Liebe wird die meiste Zeit über recht gut, denn sie ist nicht nur amüsant, sondern auch mit Herz erzählt, ehe man dann im Schlussteil die Sache noch einmal verkomplizieren will. An sich haben sich die Hauptfiguren bereits gefunden, doch – als säße man mit Sid Fields Drehbuchanweisungen da – muss zu Beginn des letzten Viertels noch eine Wende kommen, man muss sich kurzzeitig trennen. Das wirkt leider recht aufgesetzt, erst das Finale im Kindertheater reißt es dann mit seiner Schmissigkeit wieder etwas raus, aber hier wäre weniger echt mehr gewesen.
Doch trotz seiner Schwächen ist „KeinOhrHasen“ ein recht gelungene RomCom aus deutschen Landen, die sich vom gefürchteten Klischee der teutonischen Beziehungskomödie abhebt, das in den 90ern die Lichtspielhäuser in seinen Klauen hatte. Nicht perfekt, aber doch amüsant, kurzweilig und stimmig inszeniert.