In „P.O.W. – Die Vergeltung“ wird mal wieder der vietnamesische Dschungel im Auftrag der Cannon Schmiede umgepflügt – dieses Mal von David Carradine.
1973 beginnen die Friedensverhandlungen zwischen Amerika und Vietnam und, wie bei derartigen Filmen gewohnt, verfaulen noch amerikanische Kriegsgefangene (P.O.W. = Prisoner of War) in vietnamesischen Lagern, deren Existenz geleugnet wird. Da nur noch fünf Tage Zeit sind, sollen Colonel James Cooper (David Carradine) und seine Truppe Gefangene in einer Hau-Ruck-Aktion befreien, was sich als Falle herausstellt. So geht es dann ohne große Erklärungen (Böse Zungen würden sagen: Zudem ohne großen Sinn) zur Eröffnungsballerei, die durch fetzig gemacht ist.
Das einstige Befreiungskommando gerät ebenfalls in Gefangenschaft einer vietnamesischen Abteilung unter der Leitung von Vinh (Mako). Er bekommt den Befehl Cooper zu seinen Befehlshabern nach Hanoi zu bringen, damit diese ihm den Prozess machen können. Er will eine große Menge erbeuteten Goldes in Sicherheit bringen und benutzt den Gefangenentransport als Vorwand. Damit wird der Captain trotz der Verschonung Coopers alles andere als positiv dargestellt, denn wie die meisten Cannon Produktionen ist auch „P.O.W.“ absolut patriotisch gefärbt.
Da der Transport jedoch von Hanoi weggeht, fliegt Vinhs Plan sehr schnell auf und die Wagenkolonne hat die vietnamesische Armee im Nacken. Cooper startet einen Ausbruchsversuch, aber neben den vietnamesischen Bewachern hat er auch mit eigennützigen und habgierigen Leuten in den eigenen Reihen zu schaffen…
Auch die Story sich geringfügig von den gängigen Raushol-Actionern unterscheidet, so ist sie wie in den meisten Filmen jedoch nur ein Vorwand um eine Reihe von Ballereien zu rechtfertigen, mit denen man das Vietnam-Trauma zumindest filmisch ausgleichen will. Dementsprechend patriotisch ist der Film dann auch gefärbt: Die Vietnamesen sind alle fiese Halsabschneider und gegen diese ballert Cooper dann in eine amerikanische Flagge gehüllt herum. Dieses Übermaß von Patriotismus dürfte selbst dem toleranten B-Actionfan aufstoßen.
Die Story folgt wie gesagt nicht den Standardmustern und kann deshalb ab und zu mit ihren Wendungen sogar geringfügig überraschen, aber mehr als durchschnittlich spannend ist der Film unterm Strich auch nicht. Denn die Erzählweise ist zwar flott, sodass möglichst schnell das nächste Feuergefecht ansteht, ehe man viel reden muss, aber trotzdem gibt es ab und zu Längen. Vor allem die Dialoge sind hier relativ dröge und stimmen zu oft öde Durchhalteparolen an. Immerhin der Dschungel wird recht atmosphärisch präsentiert und so wirken die Bilder am besten, wenn Cooper und seine Jungs einfach mal die Fresse halten.
Zu gefallen weiß der Film allerdings in den Ballerszenen, die auf gutem Cannon-Niveau liegen. Hier wird kräftig Munition verbraucht, ab und zu gibt es mal eine sehenswerte Explosion und auch den ein oder anderen blutigen Einschuss bekommt der Zuschauer zu sehen. Die Menge ist angemessen und kann zumindest teilweise die dünne Story übertünchen, auch wenn die Schießereien etwas eintönig wirken und abwechslungsreicher gestaltet sein könnten. Lediglich der Showdown enttäuscht aber wirklich, denn dieser ist recht kurz ausgefallen und präsentiert leider kein Highlight, um den Film würdig abzuschließen.
David Carradine macht einen auf übertrieben cooler Macker, aber liefert trotzdem noch eine akzeptable Leistung für B-Verhältnisse ab. Mako ist hier mit einem seltsamen Bart verunstaltet und definitiv unterfordert, während die Nebendarsteller für Cannon-Verhältnisse an sich ganz OK sind. In dieser Riege hält ein gewohnt bärbeißiger Steve James den Zuschauer wie so oft bei Laune.
Ein herausragender Film aus der Cannon-Schmiede ist „P.O.W.“ leider nicht geworden, aber dank der gelungenen Shoot-Outs und der gewohnt guten Atmosphäre immerhin solider Durchschnitt.