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Die Kritik beruht auf der DVD-Fassung von LASER PARADISE, die sich zusammen mit drei anderen Zombiefilmen als Einzel-DVDs im sogenannten ZOMBIE SURVIVAL-Schuber befanden! Bis auf eine Szene zu Beginn des Films ist die vorliegende Fassung ungeschnitten, die fehlende Szene ist als Bonus ebenfalls auf der DVD enthalten!

"Zombie 3 - Ein neuer Anfang" von Lucio Fulci aus dem Jahre 1987 zählt zu den Spätwerken des italienischen Regisseurs und zählt nicht zur offiziellen Reihe von vier Zombiefilmen, die er - beginnend 1979 mit "Woodoo" - bis 1981 inszenierte.
Dieser späte Beitrag sollte - wie der deutsche Untertitel erahnen läßt - eine neue Ära italienischer Zombiefilme einläuten und fand mit Claudio Fragassos Machwerk "Zombie 4 - After Death" eine Fortsetzung.
Fulcis Filme wurden vom großen Publikum meist nicht beachtet und erreichten ihren Kultstatus nur im Kreise der eingefleischten Fans dieses Genre. Nach seiner Abwendung vom Splatter-Film gelang es Fulci nicht mehr, an seine früheren Erfolge anzuknüpfen. Durch persönliche und gesundheitliche Probleme, aber auch finanzielle Beschränkungen des Budgets, ließ die Qualität seiner Arbeiten stark nach.
"Zombie 3" ist Zeugnis dieser Entwicklung Fulcis, der zunächst Regie führte, bevor Bruno Mattei ("Virus - Die Hölle der lebenden Toten") die Inszinierung fertigstellte.
Die Umstände, warum Fulci den Film nicht beendete, sind bis heute strittig. Nach Angaben von Frank Trebbins Horrorlexikon und Christian Keßlers Buch "Das wilde Auge" musste Fulci krankheitsbedingt die chaotischen Produktionsbedingungen auf den Philippinen abbrechen. Andere Quellen behaupten, die ursprüngliche, langatmige Fassung missfiel dem Produzenten Franco Gaudenzi. Nach Sichtung und Beseitigen des überflüssigen Materials blieben lediglich 50 Minuten Filmmaterial übrig – zu wenig für einen abendfüllenden Spielfilm, so dass Gaudenzi Fulci zum Nachdreh bat. Dieser verweigerte eine weitere Mitarbeit an der Produktion und Gaudenzi kontaktierte seinen Freund Mattei die Dreharbeiten zu beenden.
Welchen Anteil Fulci am fertigen Endprodukt hat, lässt sich kaum noch zweifelsfrei nachvollziehen. Mal ist von einer Viertelstunde die Rede, andere Quellen sprechen sogar von bis zu 70 Minuten.

Die Handschrift Fulcis ist in diesem B-Movie kaum zu erkennen, vor allem aber in der zweiten Hälfte ähnelt der Inszenierungsstil sehr stark der Fortsetzung "Zombie 4", die aufgrund des beachtlichen finanziellen Erfolgs von "Zombie 3" nur wenige Monate später von Claudio Fragasso geschrieben und unter dem Pseudonym Clyde Anderson inszeniert wurde.

Teil 3 ist ein Film, der von Anfang an den Charme der Produktionen der späten 70er und frühen 80er Jahre vermissen läßt. Aus Kostengründen überwiegend in der philippinischen Gemeinde Los Baños gedreht, in der Provinz Laguna nur unweit von der Hauptstadt Manila. Keiner aus Fulcis bewährtem Team stand für diese Produktion zur Verfügung - kein Giannetto de Rossi (Special Effects), kein Fabio Frizzi (Musik) und auch der Cast kann nicht einen einzigen Kultstar aus vergangenen Zeiten aufweisen.
Entsprechend mager ist das Ergebnis ausgefallen: billige Kulissen, schlechte Schauspieler, absurde Dialoge und eine ganz miese Synchronisation. Selbst ein souveräner Sprecher wie Holger Mahlich spricht seinen Text lust- und emotionslos runter, kein Wunder bei Phrasen wie

"Was sagt ihr dazu, ihr häßlichen Matschköpfe?" oder

"Mir geht es schon viel besser, aber ich habe großen Durst - auf dein Blut..."

Claudio Fragassos Drehbuch glänzt nicht nur durch eine aufgesetzt wirkende Ökobotschaft und Kritik an der Umweltverschmutzung, er stellt auch - wie es gerade für den Verlauf der Handlung erforderlich ist - die Gesetze des Genre auf den Kopf und präsentiert dem unentwegt Kopf schüttelnden Zuschauer Zombies, die einmal schlurfend und stöhnend durch die Gegend torkeln und im nächsten Moment ihren Opfer hinterher rennen, von Häusern springen und sogar sprechen können.

Neben Unglaubwürdigkeiten wie ein geheimes Waffenversteck in einem Hotel ist der absolute Höhepunkt absurden Einfallsreichtums und unfreiwilliger Komik der Zombiekopf im Kühlschrank, der plötzlich - schlecht getrickst - auf einen der unzähligen phillipinischen Statisten zufliegt, um sich an dessen Eingeweiden zu erfreuen.

Spektakuläre Ausweidungen bleiben dem Zuschauer aus Kostengründen erspart, das Hauptaugenmerk liegt in den Maskeneffekten, die wirklich gelungen sind und ein wenig Feeling an vergangene Zeiten aufkommen lassen.
Die meisten Shoot-Outs sind anfangs relativ unblutig inszeniert und die meisten Splatterszenen tauchen auch erst in der zweiten Hälfte auf und sind vermutlich das Resultat der Nachdrehs.
Produzent Franco Gaudenzi machte anscheinend noch etwas Geld locker, denn das Budget reichte noch für zwei spektakuläre Explosionen und den pausenlosen Einsatz der Nebelmaschine.

Atmosphäre zu schaffen ist keinem der insgesamt drei an diesem Machwerk beteiligten Regisseuren gelungen. Die Handlung ist trotz einem hohen Maß an Action sehr zäh.
Zwischen unfreiwilliger Komik, schauspielerischen Leistungen zwischen Overacting und Talentlosigkeit und blutigen Ekelszenen
schafft es die stupide Gewaltorgie in wenigen Szenen ansatzweise Spannung aufzubauen. Vor allem gegen Ende wurde das Tempo ordentlich angezogen - anscheinend wollten alle Beteiligten schnellstmöglich nach Hause. Viel gebracht hat es der Produktion nicht, sie bleibt unter dem Durchschnitt.

4 von 10 Punkte!

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