Review

Auch, wenn es schönere Plakate im Bereich des italienischen Horrorkino gibt, so gehört jenes zu "Zombie 3" (in Italien mit weniger "Eh, dafür aber mehr" Ih") zu denen, die mir in der Frühzeit meines Genretauchens am längsten im Gedächtnis blieben: die verrotteter Zombiefaust aus der Hölle mit den wahnsinnigen Augen schlug einem aus der Grabbelkiste förmlich entgegen und schrie dabei "Kauf mich, du Sau!". Statt eines blauen Auges gab es ein grünes gratis dazu (dazu später mehr), ob der Schnittfassung hielt ich das trotzdem zurecht für einen Scheiß Deal. Und so lag dieser Film bis zur Schließung unserer örtlichen Woolwort-Filiale in bester Covernachbarschaft zu seinem kleinen Bruder "Zombie 4", Fulcis "Murder Rock" und Rollings "Die eiserne Rose" und wurde von mir ignoriert. Der Trailer ließ mich ohnehin nichts Gutes vermuten

Jahre später ist mein Interesse an dem Film, mir inzwischen als Schandfleck in gleich DREI Filmografien angepriesen, sogar noch unter Null gesunken, wo es erst dank seiner prominenten Fanbase aus "Cinema Snob" Brand Jones und "Cinemasochist" Petra Gagic, hervorgezerrt wurde. Auf deutscher Seite kam dann noch mehr oder minder reger Zuspruch der beiden Filmpodcaster Patrick Lohmeier und André Wentzel, sie mir den Film dann mit ihrer Review im Bahnhofskino Podcast sogar noch etwas schmackhafter machten und es war klar: ich würde den Blick riskieren. Nun, kurz gefasst zähle ich mich jetzt nicht zur eungeschworenen Fanbase des Filmes, sehr wohl aber sehe ich mich als wohl einsenden Advokaten dieser ungewöhnlichen Produktion. Muss wohl an den vielen hervorragenden Filmen liegen, von denen man hier wieder einmal unverholen stielt.

Ein hundertprozentige Zombie 3 - Original dürfte unterdessen die Einführung sein, die ich keinem seriösen Regisseur zutrauen würde: der erste Schuß fällt bereits hier und zwar in Form einer Spritze voll "Death One", das direkt mal am Toten Ehrenvoraitzenden der Yul Brynnner - Doublegewerkschaft ausprobiert wird. Nun sollte das Medikament den glatzköpfigen Bubi in der bunt beleuchteten Kryoröhre eigentlich nur wiederbeleben, verleiht ihm aber neben dem Aussehen eines ausgelutschten Kaugummis auch einen absurden Blutdurst nebst Menschenfleischburger. Das Zeug eignet sich also schwer zum Ausgeben einer nebenwirkungsfreien Lazarusgrube und damit auch nicht zum menschlichen Verzehr. Also: Kampfräummitteldienst her und weg damit! 

Die werden nur blöderweise von einer handvoll Ersatzbankterroristen mit denkbar beschissenem Glück überrumpelt, deren einziger Überlebende sich bei der Flucht selbst mit der lazarischen Chemiesuppe ansteckt: da nützen weder Selbstamputation noch Kreimeren was, der Scheiß liegt in der Luft und per Brieftaube wird die neue Seuche den umherschwirrenden Touries - darunter unsere Protagonistinnen - direkt in die naiv grinsende Fresse eingehackt. Infolge dessen müssen sich ein voneinander genervter Paar, ein Haufen Collegebitches auf Bustour und ein Soldatentrio auf Fronturlaub nicht nur der lebenden Toten, sondern auch einer Schar Söldner erwehren, die die ganzen Vorfall vertuschen sollen. 

"Einmal Clusterfuck alls Italia bitte! " ist eine folgenschwere Bestellung, die man nicht leichtfertig abgeben sollte: das Gericht wird traditionell von drei Köchen gleichzeitig zubereitet und mit einer deftigen Kelle aus dem "Leck mich am Arsch" - Kessel serviert und man kennt ja die landläufigen Meinung über viele Köche bei der Breizubereitung. Wobei das hier immerhin kein Einheitsbrei ist: "Zombie 3" vereint Fulcis Spannung mit Mattei Action und Fragassos Sinn für Absurdität. Und auch, wenn man für jene Momente durch ein Meer aus Latexfetzen, Himbeersirup und Minzlikör warten muss, so lohnt es sich, denn dazwischen warten ansehnliche Dschungelkulissen in grün-roter, den Tode selbst ankündender Beleuchtung und Nebel und Dunkelheit lassen den Dschungel spürbar werden. Oder wirken manchmal wie Pogo-Björns Kifferbude, wenn die Kamera sich allzu sehr auf die apokalyptischen Unordnung der zerlegten Philippinen zeigt. Meistens bekommt man es aber doch mit einer angenehmen Gruselatmosphäre zu tun, vor allem, wenn gerade mal nichts über das Bild schlabbert: da bekommen mit unter die Nacht und Nebel - Belagerungsszenen aus "Woodoo - Schreckensinsel der Zombies" ein Kosten-günstiges Update und geben dem Fulci Fan noch einen Hauch von Kunstanspruch, an den man sich klammern kann.

Die mattei'schen Einlagen sind da wesentlich unapologetischer, denn hier kloppen sich Lebende und Untote in einer Art über den Schirm, die am ehesten noch zwischen Spencer/Hill - Prügelei und bekifftem Volkstanz. Wie üblich in so gut wie JEDER Arbeitskonstellation, in die er involviert ist, schießt hier Claudia Fragassos den verseuchten Vogel ab und gibt uns neben diversen charmanten Anspielungen auf Filme wie "The Warriors" (hier in Form von DJ "Blue Eye") und seine Variante einer "Alien" - artigen Chestburster-Blitzschwangerschaft das traditionelle Was zu Fick?! - Ende, dass Filme unter seiner Mitwirkung einfach haben müssen.

Erwähnte ich bereits, dass es gratis zum Film eine pseudogrüne Ökobelehrung über die Umweltzerstörung gibt? Dafür, dass man dem italienischen Genrekino gerne immer mal wieder das braune Hemd überstülpen wollte gibt sich "Zombie 3" total rot - grün, nicht nur in der Farbgebung der diversen eiternden und blutenden Wunden, sondern auch im Sinne der Ideologie, die man hier direkt aus Romeros "Crazies" extrahiert und das eigene Werk darin getränkt hat. In diesem Sinne, liebe Kinder: Recycelt brav, kauft lokale Lebensmittel und benutzt um Himmels Willen Seife statt mit Deo das Ozonloch weiter aufzureißen, sonst kommt der Zombie und beißt euch eure selbstsüchtige kleinen Ärsche ab! Und wenn nicht jetzt, dann beim Planschen im knöcheltiefen Chemoteich eures dekadenten All inclusive - Hotels, aus dem ihr entweder mutiert oder in Fetzen UND mutiert rauskommt - oder gelegentlich auch kerngesund, die Regeln für das verwässert Virus sind da sehr inkonsistent. 

Ob man damit jetzt Leuten umwelttechnisch ins Gewissen reden oder seine Kumpels die unliebsamen Spätfolgen einer vielversprechend beginnenden Horrorfilmkarriere vor Augen führen will - der Film taugt zu keinem beider genannter Vorhaben. Als reiner Unterhaltungsfilm waltet hier allerdings die Kurzweil und daher hält sich die Zeitverschwendung in angenehmen, unterhaltsamen Grenzen. Die Endzeit des italienischen Kinos wurde Fans zufolge zwar schon lange vor "Zombie 3" eingeläutet, aber in dem Fall muss ich sagen: Süßer Die Glocken nie klingen. 


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