A Filmmakers Dream… and Nightmare
Werner Herzog über Klaus Kinski… Himmel und Hölle. Genie und Wahnsinn. Dreh und Wahrheit. Freundschaft und Feindschaft. Liebe und Hass. Leben und Tod. Natur und Kunst. Extrem und Leidenschaft. Mit „Mein liebster Feind“ hat Werner Herzog einiges klargestellt und seinem kongenialen Schauspieler ein Denkmal gesetzt - im Positiven wie Negativen…
„Mein liebster Feind“ ist eigentlich das Schlusswort unter Kinski. Und ein bisschen auch unter Herzog. Wieviel die Ausschnitte und Interviews, die Zusammenschnitte und Ausraster, die Collagen und Behind-The-Scenes-Clips, die Statements und Umarmungen, die Beleidigungen und Anekdoten über beide deutsche Filmlegenden im Gesamtbild preisgeben, finde ich sensationell. Das ist mutig und ehrlich. Das ist ungeschönt und verletzlich. Das ist auch mal unerklärlich und konträr. Das darf sich kein Filmfan entgehen lassen! „Mein liebster Feind“ verflucht und vergöttert nicht, es gibt witzige wie schockierende Geschichten. Ein paar Ausschnitte aus den Werken der beiden sind mir etwas zu lang geraten. Ich muss nicht fünf Minuten „Woyzeck“ am Stück nochmal sehen. Dennoch erscheinen selbst die hierin nochmal in einem anderen Licht. Kinski mit seinem aufbrausenden Temperament und riesigen Ego. Herzog mit seiner legendär ruhigen Stimme und dennoch nicht minder großen Ego. „Mein liebster Feind“ sagt viel über die beiden, ihre Freundschaft, ihre Kunst, ihre Persönlichkeiten und ihre Genies. Und auch über Kunst und Künstler und Kollaborationen allgemein. Schizophrenie und Schönheit. Daher hat Herzog hiermit der Filmwelt das Gegenteil eines Bärendienstes erwiesen. Und seinem alten „Freund“ ein verdientes Denkmal gebaut - selbst wenn dieser es liebend gerne aus der Vergangenheit und dem Grab immer wieder einreißt…
Fazit: das beste, wildeste, gegensätzlichere und wahnsinnigste Duo, das der deutsche Film je hatte… Absolut unumgänglich. Essenziell.