Der exzentrische Brian Sweeney Fitzcarraldo ist von der Idee besessen, mitten in dem unberührten Amazonas-Dschungel ein großes Opernhaus zu bauen. Von den Ersparnissen seiner Freundin, der Bordell-Besitzerin Molly, kauft Fitzcarraldo einen alten Flussdampfer. Damit will er in ein unerschlossenes Kautschukgebiet schippern, um dort das Geld für den Bau zu erwirtschaften. Kautschuk gilt als das Gold des Urwalds. Um die gefährlichen Stromschnellen einer Flussmündung zu umgehen, entwickelt der Besessene einen atemberaubenden Plan: Hunderte von Indios sollen das riesige Schiff über eine unpassierbare Urwaldhöhe transportieren.
Fitzcarraldo ist eine von fünf Zusammenarbeiten von Kinski und Regisseur Werner Herzog. Wer Herzogs Dokumentation "Mein liebster Feind" gesehen hat, kennt die mehr als schwierigen Hintergrundsbedingungen an denen dieser an Originalschauplätzen in Südamerika gedrehte Streifen beinahe zu scheitern drohte und dessen Fertigstellung nicht nur wegen seines am Rande des kontrollierten Wahnsinns balancierenden Hauptdarstellers. Die Story dazu ist beinahe ebenso fantastisch wie innovativ zugleich. Während andere Männer von Reichtum träumen, hat sich Titelheld Fitzcarraldo in den Kopf gesetzt mitten im unwegsamen Dschungel eine Oper zu errichten, die sein Lieblingsstar Enrico Caruso eröffnen soll.
Allerdings ist so ein Vorhaben nicht leicht, wenn man denn notorisch pleite ist und um den ganzen Irrsinn zu finanzieren, muß man eben Kautschuk Plantage abernten, an die sonst niemand aus gutem Grund herankommt. So startet man eine Reise in einem halblebig zusammengeflickten Kahn mitten durch unerschlossenes Terrain eines feindlichen Indianerstammes, um eine Stelle zu erreichen, an der sich zwei Flüsse beinahe berühren, um den alten Dampfer über Land von einem Fluß zum anderen zu transportieren.
Herzog gelang mit diesem Film durchaus etwas monumentales, was es im deutschen Kino ja leider viel zu selten gibt. Allein die Idee einen Film um einen übereifrigen Opernliebhaber zu drehen, der gegen alle Widerstände eine Oper in den Dschungel setzen will (wer soll die eigentlich besuchen im unzugänglichen nirgendwo), dürfte einige Schwierigkeiten gehabt haben Produzenten zu finden. Dafür gibt es reihenweise schöne Landschaftsbilder und als Höhepunkt natürlich die Reise über Land mit einem riesigen Schiff, gezogen von Indios mit Flaschenzügen, ohne Trickaufnahmen. Diese fällt sehr aufwendig aus und es gelingen dabei einfach tolle Bilder.
Kinski spielt dabei einfach grandios, aber der ganze Film ist beinahe ausscließlich auf ihn als One Man Show ausgelegt. Am Ende scheiter seine Rolle zwar an der Herkules Aufgabe, doch gelingt es ihm eine Operncrew als Gäste zu gewinnen, die dann eben mitten auf dem Amazonas ihre Kunst aufführen, was dann zu einem versöhnlichen Ende führt. Fitzcarraldo ist allerdings auch kein wirklich eingängiger Film, man muß schon beinahe eine Vorliebe für Kinski mitbringen und wer als Lieblingsfilm "The fast and the furios" hat, braucht eigentlich gar nicht erst einschalten. Dennoch ist Fitzcarraldo sicher ein großes deutsches Kinoerzeugnis.
8/10