Sichtlich überambitioniert versucht Regisseur Umberto Lenzi („Großangriff der Zombies“, „Die Rache der Kannibalen“) mit dieser italienischen Produktion den 2. Weltkrieg in einem epischen Maßstab zu erzählen, scheitert dabei aber kläglich.
Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht und einfach mal anderthalb Stunden kreuz und quer durch ein Halbes Dutzend Figuren von Deutschen, Briten und Amerikanern zu schalten, macht noch keinen guten Kriegsfilm aus. Vor allem dann nicht, wenn die strenge Unterteilung eines jeden Kapitels keine Verbindung zum nächsten zulässt und die einzelnen Stränge sich kaum berühren.
Ganz großes Kino war wohl geplant und ganz laue Unterhaltung ist daraus geworden. War im O-Ton als begleitender Erzähler zwecks Übersichtlichkeit immerhin Orson Welles verpflichtet worden und darf in einer Nebenrolle sogar der alte Henry Fonda („Spiel’ mir das Lied vom Tod“, „Mein Name ist Nobody“) traurig und unmotiviert von besseren Zeiten der italienischen Filmbranche träumen. Für Handfestes sind derweil unter anderem Stacy Keach („Roadgames“, „Mike Hammer“), Giuliano Gemma („Tampeko - Ein Dollar hat zwei Seiten“, „Der Tod ritt Dienstags“) und Helmut Berger („DieRomantische Engländerin“, „Der Tollwütige“) zuständig.
Unrhythmisch, spannungsarm und tendenziell natürlich auch antideutsch schleppt Lenzi seine Protagonisten durch diverse Szenarien, die der 2. Weltkrieg vermeintlich so bereithielt, bemüht sich anhand von Archivaufnahmen, teils noch in schwarzweiß, um Authentizität, berührt den Zuschauer dabei jedoch wenig bis gar nicht, was vor wohl vor allem daran liegt, dass die Kernfiguren alle beliebige, oberflächliche Stereotypen ohne Weiterentwicklung während des Krieges bleiben. Von Kommandounternehmen hinter den feindlichen Linien auf Kreta über Partisanenkämpfe auf deutsche Züge in Griechenland bis hin zum entscheidenden Afrikafeldzug wird alles angerissen und mehr. Natürlich bekommt abseits der Kriegsschauplätze auch die diabolische SS ihr Fett weg, als ein liebeshungriger General einer Jüdin für sexuelle Gefälligkeiten verspricht, sie zu beschützen, was sie wiederum nicht gutheißen kann, weil ihr Ehemann an der Front kämpft. Daneben hat dann Henry Fonda noch Probleme mit seinem Nachwuchs, schmeißt der Sohn doch das Studium und meldet sich freiwillig um seinen hochdekorierten Papa zu imponieren. Na wunderbar...
Dass in der Eingangsszene, die noch vor dem Krieg stattfindet, eine Handvoll der Beteiligten beim Essen zusammenfindet und Medaillen austauschen, spielt keine Rolle, weil sie sich für den Rest des Films nicht wiedersehen werden und selbst die Überschneidungen arg konstruiert werden, dann aber nicht einmal etwas Sinnvolles zustande bringen.
Das Schicksal aller nun vor dem Hintergrund des 2. Weltkriegs zu erzählen, scheitert schon daran, dass keine Figur von Interesse ist und sie erschwerend dazu auch nicht so viel Nennenswertes erleben.
Die Action ist leider extrem unspektakulär inszeniert und häuft sich auch erst zum Schluss. Bis dahin regieren höchstens einzelne Feuergefechte und zu viele Klischees, die vor allem die deutsche Seite in kein gutes Licht rücken, aber meist auch nicht so übertrieben werden, dass sie unbedingt weh tun.
Unauffällig und wacker schlagen sich die bekannteren Gesichter dieser Produktion, müssen langatmige Ausfälle (u.a. der geschiedene Gemma an Weihnachten zu Hause bei seinen beiden Töchtern oder Fondas peinliches Telefonat mit seinem Sohn) in Kauf nehmen, bevor es dann wieder zur Front geht und noch mehr erzählt wird. Einzelne Aktionen, wie die Sprengungen von Radiosendern, Treibstofflagern oder Zügen sind solide, bisweilen natürlich auch wieder mit Modellen, umgesetzt. Da die Farbqualität der Bilder öfter schwankt, dürfte man sich hier und da auch Szenen aus verwandten Produktionen oder dem Archiv ausgeliehen haben.
Ganz erfreulich ist zum Showdown, wenn man das denn so bezeichnen darf, die stattliche Ausstattung von Panzern, beräderten Fahrzeugen und das umfangreiche Waffenarsenal, das Lenzi am Ende dann zur Verfügung gestellt wird, ohne dass er die nötigen finanziellen Mittel hat daraus noch ein richtiges Kriegsspektakel zu machen. Zwar siechen dann auch noch ein paar Beteiligte dahin und gibt es Zeit für pyrotechnische Intermezzos, doch durch die Langatmigkeit des vorangegangenen Hauptteils wirkt sich dieser Schlussspurt auch nicht mehr positiv auf das Empfinden des Zuschauers aus.
Das Grundkonzept war also nicht schlecht. Nur wenn ansonsten ein breites Desinteresse vorherrscht, kann man keinen Blumentopf gewinnen. Dabei ist die deutsche Fassung schon auf 90 Minuten gekürzt, weil um Handlungsszenen erleichtert und geht gefühlt immer noch viel zu lang. Somit hat auch „Die große Offensive“ mit dem Problem vieler italienischer Kriegsfilme zu kämpfen, dass für spektakuläre Kriegsscharmützel nie das Geld dagewesen ist und man sich reichlich improvisierend damit zufrieden geben musste, was vorhanden war. Die günstige Verpflichtung bekannter Gesichter war natürlich nur Blendwerk.
Fazit:
Gute italienische Kriegsfilme sind rar und zwar vor allem dann, wenn sie den 2. Weltkrieg behandeln. „Die große Offensive“ ordnet sich im unteren Mittelmaß ein, wo sich die meisten artverwandten Produktionen auch herumtreiben. Umberto Lenzis Versuch das Kriegsszenario in epischen Ausmaßen zu erzählen, scheitert nicht nur an seiner unspektakulären, monotonen Inszenierung, sondern auch an dem langatmigen, zähen Drehbuch, das lediglich bekannte Standards brav der Reihe nach abhandelt und je nach Belieben die Handlungsstränge aufnimmt oder fallen lässt. Da konnten auch die vielen bekannten Gesichter offenbar nicht mehr motiviert werden.