Review

Der brasilianische Actionfilm "Elite Squad" erzählt die Geschichte einer Spezialeinheit der Militärpolizei, die in den Slums von Rio de Janeiro gegen schwer bewaffnete Drogenkartelle und eiskalte Kriminelle vorgeht. Die rabiaten Methoden der BOPE genannten Einsatztruppe unterscheiden sich dabei kaum von denen der Verbrecher, die sie bekämpfen wollen.

Am Beispiel zweier junger Polizisten, die von der alltäglichen Korruption bei der brasilianischen Polizei enttäuscht sind und deshalb die Ausbildung bei der Eliteeinheit unternehmen, zeigt der Film den Sumpf aus Verbrechen und Mithelfern, die dafür sorgen, dass die brutale Bandenkriminalität in Rio niemals beendet werden kann. In harten, authentischen Bildern, mit temporeicher Schnittfolge und unterlegt von einem rockigen Soundtrack, entsteht so ein Action-Thriller, der soziale Brennpunkte vorführt, die staunen lassen. Eine korrupte Polizei, Behörden, die nur an ihrem eigenen Gewinn interessiert sind - und schon mal eine Leiche in ein anderes Revier kutschieren lassen, um nicht selbst arbeiten zu müssen - und Drogenhändler, denen jedes Recht vollkommen egal ist, machen die Slums von Rio zu einem gefährlichen Pflaster, auf dem jederzeit der Tod lauern kann. Ein so rabiat düsteres und realistisch wirkendes Bild von Korruption, Ignoranz und Menschenverachtung hat man noch selten in südamerikanischen Filmen gesehen.

Diese brisante Story wird von überzeugenden Darstellern getragen, die ihre Rollen vielschichtig und sehr menschlich verkörpern. Durch die Montage entstehen starke Kontraste: Der knallharte Anführer der Eliteeinheit verprügelt in einer Szene noch einen Jugendlichen, um von ihm zu erfahren, wo der Boss seines Kartells ist, und in der nächsten kommt er daheim zu seiner Frau und trägt sein kleines Baby auf den Armen. Auf diese Weise nimmt sich der Film viel Zeit für die menschlichen Seiten seiner Hauptfiguren, was sie zu echten Charakteren anstatt genreüblich dünnen Reißbrettfiguren macht, mit deren Schicksal man wirklich mitfiebert.

Leider verspielt "Elite Squad" durch eine streckenweise unbeholfene Inszenierung einiges von diesen Pluspunkten. So wirken die lakonischen Off-Kommentare der Hauptfigur mitunter arg didaktisch, wenn er mehrfach wiederholt, dass für ihn alle Dealer gleich unmoralisch und korrupte Polizisten genauso mies wie die Verbrecher seien. Und auch wenn die ausführliche Darstellung der Elitesoldaten als Menschen mit Hoffnungen, Träumen und Ängsten dem Film sehr viel Atmosphäre und Dichte verleiht, versäumt er es in den Spannungsszenen oft, die Actionschraube wirklich hochzudrehen. So zieht er sich besonders in der zweiten Hälfte immer mehr in die Länge und verliert einen großen Teil seiner bisherigen Spannung.

Die kommt dann im temporeichen Finale wieder, das mit einem offenen Ende verblüfft und die bis dahin fragwürdigen moralischen Standpunkte der brutalen Spezialtruppe plötzlich doch noch einmal in Frage stellt: Wie weit dürfen die Soldaten gehen, wenn sie wirklich noch für Recht und Gesetz eintreten wollen? Dürfen sie ihre gnadenlos gewalttätigen Gegner ebenso erbarmungslos niederstrecken? Diese Fragen bleiben am Ende offen und dürften für einiges Diskussionspotenzial sorgen. So ist "Elite Squad" insgesamt ein unterhaltsamer Actionfilm, der authentische Einblicke in ein korrumpiertes und menschenverachtendes System bietet. Ein zweiter "City of God" ist er freilich nicht geworden.

Details
Ähnliche Filme