Review

Brügge sehen und sterben

Vorwort: Auf
diesen Film habe ich mich wirklich gefreut. Der offizielle Trailer ließ
schon vermuten, dass es sich bei "In Bruges", wie der Film im Original
heißt (was durchaus sinnvoller ist, denn der deutsche Titel spoilert
tierisch) um ein Kleinod des Indi-Films handeln würde. Definitiv kein
Mainstream, aber dennoch wird sich jeder unterhalten fühlen können und
übertrifft viele Hollywood-Dramen um einiges.

Inhalt:
Ken (gespielt von einem großartigen Brendan Gleeson, bekannt aus 28
Days later und Harry Potter 4+5) ist ein Profikillerim Auftrag von
Harry (verkörpert durch einen nicht minder großen Ralph Fiennes,
bekannt aus Schindlers Liste und ebenfalls Harry Potter 4+5) .
Eines Tages führt er einen Freund in dieses schmutzige Geschäft ein:
Den hitzköpfigen Iren Ray (dargestellt von Collin Farrell in seiner
bisher mMn besten Rolle, bekannt aus Alexander und S.W.A.T.). Doch
dessen erster Auftrag geht gehörig schief. Deshalb müssen sie,
geschickt von ihrem Chef Harry, nach Brügge fliehen. Ken genießt den
Ausflug, er liebt die Kultur, die Stadt und die lebendige Geschichte in
dieser historischen Stadt. Ray dagegen langweilt sich furchtbar. Bis er
Chloë (gespielt von einer wunderschönen Clémence Poésy, ebenfalls
bekannt aus "Überraschung* Harry Potter 5) kennen lernt. Doch das Idyll
wird unterbrochen durch einen Anruf, der alles verändert und
Geschehnisse einleitet, die in einem großartigen "Showdown" der alten
Schule münden.

Meine Meinung: Wow...
dieser Film hatte alles, was man von einem Film erwartet. Zum einen
wären da die großartigen Charaktere, in die man sich hineinversetzten
MUSS, man kommt gar nicht drum herum. Weiterhin ist die Geschichte zwar
nicht sonderlich spannend, aber liebevoll erzählt und wünscherschon
eingesponnen in den mittelalterlichen Kern der Stadt Brügge. Die
Geschehnisse auf der Leinwand wissen auch zu unterhalten. Man wird zwar
nicht vor spannender Aktion oder bedrückender Angst in den Kinosessel
gepresst, aber man hat immer etwas zu lachen, zu weinen oder zu leiden.
Gerade der Humor in diesem Machwerk war lustig bis böse, intelligent
bis slapstikoesk und mehr als einmal sehr sarkastisch und deckt so die
gesamte Bandbreite ab, so dass jeder irgendwann mal lachen muss.
Schauspielerisch
kann man hier definitiv nicht viel negatives finden. Eine
Starbesetztung par excellence die sich wirklich gegenseitig an die Wand
spielt. Allen vorran der größte Star von allen: Collin Farrell. Man
kann von ihm halten was man will, ich mochte ihn zum Beispiel
eigentlich nie sonderlich, da er in Filmen wie S.W.A.T. einfach immer
viel zu flach wirkte und kein wirkliches Profil entwickeln konnte. Doch
hier beweißt er auch dem letzten Zweifler, dass der Star-Status, den er
mitlerweile inne hat, mehr als verdient. Seine Verzweiflung, sein
innerer Kampf, seine Wut auf sich selbst, die er ständig auf seine ihm
begegnenden Leute und auch auf Brüssel selbst abwälzt, und auch seine
Langweile sind dermaßen glaubhaft, dass man schon fast vergisst, dass
man hier nur einen Film sieht.
Doch auch die "kleineren" Kaliber
zeigen sich von ihrer besten Seite. Brendan Gleeson als der begeisterte
Tourist, der als Ruhepol auf den jungen Ray wirkt ist hier besonders
großartig. Der Verlauf seiner Geschichte ist unglaublich bewegend und
das Ende treibt einem zwangsläufig die Tränen ins Auge, da man sich
doch auf die eine oder andere Weise auf diesen großen, ruhigen und
immer freundlichen Mann verlieben muss.
Einzig Ralph Fiennes wusste
mich nicht 100% zu überzeugen, war seine Rolle doch ein wenig zu
schmierig und zu überböse und skrupelos. Ich hätte mir gewünscht, dass
auch hier ein paar Zweifel am Weg und ein wenig mehr der Familienvater
zur Geltung kommen. Sicher, am Ende tut es dies auf jeden Fall und man
erkennt, dass er lediglich aus seinen festgefahrenen Prinzipien
gehandelt hat, doch ein wenig mehr Zweifel während dem Weg zum Ende
hätten dem Film nicht geschadet.
Die Technik ist auch hier wieder
nichts ausergewöhnliches. Zwar ist das Bild sehr schön und man sieht
viel von der romantischen Stadt sowie einige Close-Ups oder am Ende
eine doch sehr imposante In-Character-Kamerafahrt. Allerdings kommt es
auf die Technik auch gar nicht an, denn hier wird eine Geschichte
erzählt und kein Action-Feuerwerk gezündet. Deshalb nimmt man diesem
Film diese "Versäumnisse" auch nicht übel.
Die Musik dagegen ist
äußerst stimmig. Der Irishe Folk-Song relativ am Ende treibt einem
sogar noch ein wenig mehr die Tränen in die Augen, als die Szenerie
dies sowieso schon tut. Wirklich großartige Songwahl.

Fazit:
Ein Film den man gesehen haben sollte. Sicher nichts, was leben
verändern wird oder was als ganz große Kunst Anerkennung finden wird.
Aber mal bedacht auf die Leistung, die hier Martin McDonagh mit seinem
ersten abendfüllenden Regiewerk, kann man nur beeindruckt sein. Wer
schauspielerische Leistung und wundervolle Bilder zu würdigen weiß und
auch noch eine schöne Geschichte erzählt bekommen möchte, kann bei
diesem Film sorglos zugreifen. Ich fand ihn einfach wundervoll.
Aufgrund des etwas zu schnellen Endes und der schnellen Änderung in der
Meinung von Ray, sowie dem etwas flachen Fiennes gibt es jedoch nur:

9 Punkte

P.S.:
Das Original-Poster im Form einer Briefmarke ist ein wirklich klasse Poster. Das deutsche kann hier nicht
annähernd mithalten. Schade, dass wir hier nicht die selbe kunstvolle
Arbeit bekamen.

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