Dienstag - Kinotag. Und leider mal wieder nichts im Programm, was einen wirklich interessiert. Doch Moment, was haben wir denn hier? "Brügge sehen... und sterben?" hat einen äußerst vielversprechenden Trailer zu bieten - also doch noch auf ins Kino.
Der vermutlich nicht nur mir bis dato unbekannte Martin McDonagh zeigt uns die beiden Profikiller Ray und Ken, die nach einem vermurksten Auftrag in London von ihrem cholerischen Boss Harry dazu verdonnert werden, im belgischen Brügge unterzutauchen. Ken ist von der mittelalterlichen Kulisse und all den Sehenswürdigkeiten sofort begeistert und würde am liebsten jede Ecke der Stadt erkunden. Der zutiefst gelangweilte Ray beschäftigt sich hingenen lieber damit, "schwules Bier" zu trinken und die einheimische Damenwelt auszukundschaften, wodurch er die schöne Schauspielerin Chloe kennenlernt. Und während dieser beim ersten gemeinsamen Schäferstündchen Chloes eifersüchtigen Ex verprügelt, erhält Ken den Auftrag seinen Partner und Freund umzubringen...
Im Prinzip bekommt man hier einen klassischen Gangsterfilm im Stil von "Snatch" zu sehen: Schräge Typen, haufenweise Flüche und jede Menge pseudo-cooles Gefasel über Waffen, Drogen und Gewalt. Das mag zwar mittlerweile etwas abgedroschen klingen, aber "In Bruges" präsentiert die altbewährten Klischees erfrischend anders. Die malerische Kulisse des Weltkulturerbes wirkt zwar anfangs eher trist, fesselt einen während der Nachtszenen im späteren Verlauf dafür umso mehr. Für mich der erste bedeutende Pluspunkt des Filmes.
Großartig sind außerdem auch die abgedrehten Charaktere: Ein permanent vulgär fluchender Gangsterboss, eine absolut heiße Schauspielerin, die per Drogenverkauf ihre Gage aufpeppt und ein Gnom (*ähem* Zwerg ;-) ) auf Koks und Pferdeberuhigungsmitteln - um nur einige zu nennen. Wie schon erwähnt alles nicht wirklich neu, dennoch äußerst amüsant. Das liegt vor allem daran, dass sich die Protagonisten einen tiefschwarzen Gag nach dem anderen um die Ohren hauen, gern auch weit unter der Gürtellinie. Wer "Hot Fuzz" und "Dänische Delikatessen" mochte, wird hier mit Sicherheit seinen Spaß haben.
Die Schauspieler machen ihre Sache ebenfalls hervorragend. Vor allem das ungleiche Duo Farrel/Gleeson agiert äußerst facettenreich, aber auch die Nebendarsteller verkörpern ihre Rollen glaubhaft. Schade allerdings, dass den Charakteren nicht noch ein wenig mehr Tiefe spendiert wurde. Insbesondere die Geschichte von Ken hätte man durchaus noch etwas ausschmücken können.
Fazit: Wer auf britischen Humor steht, für den ist "Brügge sehen... und sterben?" ein absolultes Muss. Es mag Leute geben, die derlei Filme so langsam satt haben, ich gehöre jedoch definitiv nicht dazu. Mehr davon!
Bleibt zu guter Letzt nur noch, mir diesen Film schleunigst im englischen Original anzusehen, denn da kommen einige der Gags sicherlich noch besser. Achja, und dann noch einen schönen Gruß an denjenigen, der die absolut schwachsinnige deutsche Übersetzung des Titels zu verantworten hat. ;-)