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Mit einigen bekannten Namen und kleinem Budget avancierte „In Bruges“ 2008 zum Geheimtipp, was auch daran liegen könnte, dass er quasi aus dem Nichts kam.
Es geht um die britischen Gangster Ray (Colin Farrell) und Ken (Brendan Gleeson), die in Brügge untertauchen müssen, nachdem Ray bei einem Mordauftrag nicht nur den anvisierten Priester, sondern zusätzlich noch einen Jungen erschoss. Der Gangster als Tourist wider Willen, das ist durchaus mal ne nette Idee, zumal Ray in herrlich übertriebener Art gegen Brügge revoltiert, er hasst die Stadt schon bevor die beiden überhaupt dort ankommen, wie „In Bruges“ in seiner amüsanten Eingangssequenz zeigt.
Das Duo soll sich also ruhig verhalten und abwarten bis ihr Boss Harry (Ralph Fiennes) mit neuen Instruktionen anruft. Bald bekommt Ken den Anruf: Er soll Ray exekutieren, da das Töten eines Kindes gegen Harrys Kodex verstößt...

„In Bruges“ ist vor allem in der ersten Hälfte eine nette kleine Komödie, die vor allem von den Dialogen und der Art, wie sie vorgetragen werden, lebt – allein deshalb ist ein Anschauen im O-Ton Pflicht. Gerade Ray, der ohne Rücksicht auf Verluste über Festlandeuropa im Allgemeinen und Brügge im Speziellen herzieht, sorgt immer wieder für Amüsement, denn selbst beim Date mit einer Einheimischen kann er nicht anders als ihre Heimatstadt zu beleidigen. Der Humor ist schwarz, die meisten Pointen sitzen, ohne dass man einfach nur auf den Tarantino-Zug aufspringen würde.
Auch die Besetzung trägt ihren Teil dazu bei, dass die Komik von „In Bruges“ funktioniert. Gerade Colin Farrell als mauliger, dauernervöser Gauner mit Heimatfixierung ist ein echtes Highlight, doch mit dem ruhig-optimistischen Brendan Gleeson hat einen wunderbar ausbalancierten Partner abbekommen. Herrlich auch Ralph Fiennes als unglaublich kalter Gangsterboss, dessen telefonische Präsenz allein für Angst und Schrecken sorgt – so fies hat man Fiennes selten gesehen. Dagegen verblasst der Rest der Besetzung, auch die weibliche Hauptrolle hat kaum etwas zu vermelden.

Das wäre jetzt ja eine gute Vorraussetzung für ein echtes Kleinod, aber den Status erreicht „In Bruges“ leider nicht. Sobald die Katze einmal aus dem Sack ist, wird der Film zunehmend uninteressanter, denn es wird klar, dass Ken seinen Freund Ray nicht einfach so erledigen kann. Das obligatorische Hin und Her zwischen freundschaftlicher Loyalität und Zwang zur Pflichterfüllung entpuppt sich dann aber als weniger komplex als angenommen, schließlich führt ein Nebenstrang um einen kleinwüchsigen Schauspieler dann noch zu weiteren Verwirrungen, doch die Bedeutung des Subplots wird erst am Ende klar.
Von daher wirken viele Nebenszenen einfach sinnlos, zumal das finale Zusammenlaufen verschiedener Fäden auch nur bedingt die vorige Planlosigkeit des Films entschädigt. Zudem vernachlässigt „In Bruges“ seinen Witz gegen Ende für ein paar groteske Blutszenen, die jedoch teilweise einfach nicht den rechten Ton des Films treffen. Tatsächlich wirkt „In Bruges“ über weite Strecken so als hätten die Macher nach der stilvollen ersten Hälfte nicht mehr genau gewusst, wie das Ganze denn nun enden soll.

Aufgrund des großartigen Darstellertrios und der amüsanten ersten Hälfte ist „In Bruges“ wirklich ein ganz netter Film, doch das täuscht nur teilweise darüber hinweg, dass der Film mit zunehmendem Verlauf uninteressanter und leider auch unlustiger wird – nach dem klasse Einstieg etwas enttäuschend.

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