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Colin Farrell spielt einen jungen Auftragskiller, der nach wie vor im Selbstmitleid versinkt, weil er ein Kind getötet hat und nun zusammen mit seinem älteren Partner, gespielt von Brandon Gleeson, nach einem Auftrag in London, im belgischen Brügge untertauchen soll, wo er sich zu Tode langweilt, während sein Partner gefallen an der mittelalterlich geprägten, flämischen Stadt findet. Während Farrell mit einer jungen Belgierin verabredet ist, erhält sein Kollege schließlich einen Anruf von ihrem Boss, gespielt von Ralph Fiennes, der diesem befiehlt seinen Partner zu töten, wovor dieser jedoch Skrupel bekommt.

Schon der Filmtitel lässt erkennen, dass das flämische Städtchen Brügge wohl keine unbedeutende Rolle in Martin McDonaghs erstem Spielfilm spielen dürfte und die Wahl dieser Kulisse für die rabenschwarze Krimi-Komödie ist sicherlich sehr geschickt. Der malerisch schöne, mittelalterliche Stadtkern, der enorm gut erhalten ist, wird von Donagh aus den verschiedensten Perspektiven hervorragend eingefangen und gibt damit optisch einiges her und erzeugt immer mal wieder kurzfristig eine stilvolle Atmosphäre, die von der unauffälligen Filmmusik untermauert, vom schwarzen Humor aber immer wieder gebrochen wird.

Ein zweites großes Plus, das der Film verbuchen kann, sind seine starken Darsteller. Colin Farrell, der in letzter Zeit in "Cassandras Traum" und "Das Gesetz der Ehre" ganz groß aufspielte, zeigt sich auch hier von seiner besten Seite, sehr spielfreudig und überzeugt vor allem deshalb auf ganzer Linie, weil er seine tragische Figur mimisch exzellent verkörpert, dabei aber auch einige Gags einbringt, ohne seinen Charakter zu einer Gangster-Karikatur abzuwerten, womit er sich seinen Golden Globe redlich verdient hat. Brendan Gleeson spielt ebenfalls hervorragend und stellt die Gefühlsregungen seines Charakters sehr authentisch dar und auch Ralph Fiennes überzeugt als brutaler Gangster-Boss mit seinem kühlen Charisma auf ganzer Linie.

Anfangs ist "Brügge sehen... und sterben?" wegen seines schwarzen britischen Humors, der mitunter sehr amüsanten Dialogen und seiner Stadtaufnahmen sehr unterhaltsam. Ohne seinem Film den nötigen Ernst zu nehmen, mit einem relativ subtilen, komplett klamaukfreien Humor, baut Martin Donagh zudem nach und nach Spannung und Dramatik auf und unterhält damit mit so ziemlich allem, was eine gute Krimi-Komödie braucht. Dabei vertieft der Film durchaus seine Charaktere, gibt den beiden Auftragskillern, die in Brügge ihre Taten reflektieren und sich über ihre Ansichten zu Leben und Tod, zu Schuld und Sühne austauschen, mehrere Facetten, die sie durchaus an Profil gewinnen lassen. Mit der Wendung, dass nun ein Killer den anderen töten soll, werden dann zum einen die zentralen Konflikte vertieft, zum andern wird die Spannung noch weiter vorangetrieben.

Doch ab dann geht so ziemlich alles schief. Die Handlung verirrt sich in immer abstruseren Wendungen, was als Krimi-Komödie begann, driftet allmählich zu einem wirren und zudem auch bei Weitem nicht mehr so amüsanten Thriller-Drama ab, das maßlos enttäuscht. Die Dialoge wirken in der zweiten Hälfte einfach zu überzogen, als dass sie noch belustigen könnten und sind teilweise noch sinnfreier, als Tarantinos typische Nonsens-Gespräche und auch die brutalen Mord-Sequenzen, die zwar rabenschwarz inszeniert werden, aber auch nicht so recht zünden wollen, sind nicht sonderlich amüsant. Die Handlung läuft dabei zunehmend ins Nichts, die anfänglich gut gelungenen Aspekte verlieren sich in fast schon klamaukhaften Zügen, die "Brügge sehen... und sterben?" nun annimmt und das Finale, das eigentlich der Höhepunkt der Spannungskurve sein sollte, ist leider spannungsarm, bis der Film schließlich ein jähes Ende findet, das einen Beigeschmack hinterlässt, der kaum fader sein könnte und dem Film fast aller seiner Ambitionen, über das Mittelmaß hinauszukommen, beraubt.

Fazit:
"Brügge sehen... und sterben?" unterhält in der ersten Hälfte mit seinen facettenreichen Charakteren, dem schwarzen Humor und seinem mustergültigen Spannungsaufbau hervorragend, kippt dann aber in der zweiten Hälfte, in dem das Geschehen immer wirrer und chaotischer wird deutlich ab, bis hin zum vollkommen unbefriedigenden Finale, was auch die durchweg grandiosen Darsteller und die malerischen Aufnahmen von Brügge nicht ganz verhindern können. Sehenswert ist die Krimi-Komödie aber durchaus.

63%

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