Nach einem misslungenen Auftrag setzen sich die beiden Auftragskiller Ken und Ray aus England ins belgische Brügge ab. Ihr Auftraggeber Harry, selbst ein bekennender Fan der Stadt, hat diesen Ort allerdings nicht ohne Grund ausgewählt.
Allzu viel sollte man im Vorhinein nicht über die Geschichte verraten, wobei die Wendungen nicht markerschütternd sind, doch immer wieder ausreichen, um diesen kleinen, doch feinen Film zu einer kurzweiligen und überaus unterhaltsamen Angelegenheit zu machen.
Um das mal klarzustellen: Brügge ist durchaus sehenswert. Und wer schon mal da war, dürfte diverse Plätze wiedererkennen. Geschrieben und inszeniert von Martin McDonagh wurde diese Mischung aus Thriller, Drama und schwarzer Komödie an Originalschauplätzen gedreht, was dem Film nicht nur eine gewisse Authentizität verleiht, sondern auch einige schöne Aufnahmen dieser belgischen Stadt preisgibt. Dabei dient der im mittelalterlichen Gewand auftretende Ort als Ziel für Spott und Hohn seitens Ray, ebenso wie Ken seine Begeisterung für diesen ausdrückt.
So hübsch die Kulisse auch ist, Herz dieses Films sind die Figuren. Sie sind im Kern in übersichtlicher Anzahl vertreten, auf diese Weise bekommen alle auch genug Szenen und Charakterisierung. An jedem Aufeinandertreffen wächst das Szenario und auch visuell nimmt man sich dem an, besieht man sich beispielsweise das Gespräch zwischen Ken und Harry im Außenbereich der Bar mit all den Unschärfen in der Tiefe. Es sind die Figuren, ihre Beziehung zueinander und die Dialoge, die „In Bruges“ ausmachen.
Dabei bricht sich der Humor, ausformuliert in sarkastischen Bemerkungen über Ort oder Situation, immer wieder Bahn. Doch liegt eine weitere Stärke des Skripts darin, dies auf natürliche Art mit einer den ganzen Film untermauernden Melancholie zu versehen. Immer spürbar schleicht sich dieser Ton mit durch das Konstrukt und so schafft es McDonagh zwischendurch und besonders gegen Ende auch zu manch emotionalem Einschlag. Die Mischung macht's und hier gelingt sie in bemerkenswert gutem Maße.
Anteil an dem Gelingen hat auch das Ensemble. Brendan Gleeson und Colin Farrell liefern eine superbe Vorstellung als gegensätzliches, aber doch auf gewisser Ebene harmonisierendes Killerpärchen ab. Ralph Fiennes bricht etwas mit dieser Art, ist mit seiner Agenda und in seiner bedrohlichen Art aber eine durchaus atmosphärische Ergänzung der Truppe. Die Damen, wenn auch mit Clémence Poésy und Thekla Reuten gut besetzt, stehen da etwas im Hintergrund, vermögen jedoch einen abrundenden Beitrag zu leisten.
Musikalisch liefert Carter Burwell einen hörenswerten Score ab, atmosphärisch und melodisch unterstreicht er den trotz allem Witz herrschenden Grundton ausgezeichnet und auch die Kameraarbeit von Eigil Bryld bietet, wenn insgesamt auch eher auf Übersicht bedacht, manch schöne Einstellung.
„In Bruges“ ist ein feines Stück Film mit schwarzem Witz, aber einem ebenso melancholischen Unterbau und zwei famosen Hauptdarstellern. McDonaghs Langfilmdebüt ist mehr als gelungen und bietet über die gesamte Laufzeit einen sehenswerten Genremix. Und ein Besuch in Brügge lohnt sich sowieso.