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Ein weniger erfolgreicher Gebrauchtwagenhändler, gespielt von Jason Statham, erhält von einer guten Bekannten einen Tipp, dass eine Londoner Bank ihre Alarmanlage für mehrere Tage abschalten muss und plant prompt zusammen mit zwei Kleinganoven und zwei Profis einen Bankraub, bei dem die Einbrecher den Inhalt der Schließfächer im Tresorraum plündern. Doch der Einbruch hat Folgen: Nun werden sie von der Regierung gejagt, weil in den Schließfächern Sexfotos von Prinzessin Margaret und einigen weiteren hochrangigen Personen waren und auch die Londoner Unterwelt wird auf den Plan gerufen, zum Einen, weil man die Fotos haben will, zum Anderen, weil ein Notizbuch eines Gangsterbosses mit einigen belastenden Inhalten in einem anderen Schließfach war. 

Roger Donaldson hat in seiner Karriere mittlerweile so ziemlich alle Genres bedient und qualitativ stark schwankende Ware abgeliefert. Vom Tom-Cruise-Kitsch “Cocktail“, über den Abenteuerfilm “Die Bounty“, den Horrorfilm “Species“, den Katastrophenfilm “Dante`s Peak“, den Polit-Thriller “Thirteen Days“, bis hin zum Cop-Thriller “Der Einsatz“ war so ziemlich alles dabei und nun versucht sich Donaldson also an einem Gangster-Thriller nach wahrer Begebenheit und liefert dabei die vielleicht beste Arbeit seiner Karriere ab. 

Zunächst einmal wäre die Authentizität der Geschichte lobend zu erwähnen, so werden die Ereignisse im Groben und Ganzen realistisch wiedergegeben und die wichtigsten Fakten sind durchaus vorhanden, so ist der Film auf jeden Fall interessant geraten und unterhält daher durchaus gut. Verschachtelt sind die Geschehnisse ebenfalls sehr gut, so sind die Wendungen allesamt nicht kalkulierbar und das Handlungskonstrukt ist ausgeklügelt genug, um den Zuschauer ständig bei der Stange zu halten, ohne, dass Donaldson in den Intrigen und Interessenskonflikten um diverse Fotos und Notizbücher auch nur für einen Moment den Überblick verlieren würde. Zudem wird es nicht ausgelassen, die Charaktere ordentlich zu konstruieren und auch hier ist eine gewisse Authentizität gegeben, so gibt es hier keinen übercharmanten und genialen Danny-Ocean-Verschnitt, sondern ein paar Hobby-Ganoven, die sich den Raub einfacher vorstellen als er ist und erst zu spät erkennen, dass sie sich in große Gefahr gebracht haben. Und auch wenn die Charaktere, auch die Hauptfigur, leichte Ecken und Kanten haben und daher relativ glaubwürdig geworden sind, sind sie dennoch sympathisch genug gestrickt, dass man sich Zuschauer auf ihre Seite schlägt. Mehr hätte man aus der Begebenheit kaum herausholen können, auch wenn vielleicht der ganz große Plot-Twist fehlt. 

Die Inszenierung von Donaldson passt stimmig zum Grundkonzept. So gibt es keine übertriebenen Action- oder Kampf-Szenen, zwar ein gewisses Maß an Brutalität, aber kein vollkommen überzogenes, eine treffende, aber unauffällige musikalische Unterlegung des Geschehens, sowie ein stringent geführtes Erzähltempo, das einen guten Unterhaltungswert garantiert und keinerlei Längen aufkommen lässt. Darüber hinaus baut Donaldson stellenweise immer mal wieder den einen oder anderen Gag ein, von denen durchaus die meisten zünden, dosiert sie aber gut genug, dass dem Spannungsaufbau nicht geschadet wird. So ergibt sich, verglichen mit den Perlen des Genres, ein kleiner, aber sehr unterhaltsamer und weitestgehend eigenständiger Gangsterfilm, der durchaus eine Empfehlung wert ist. 

Jason Statham kennt man nun schon länger aus der Rolle des charismatischen Action-Helden, der stets im Mittelpunkt des Geschehens steht, wie es in “Transporter“, “Death Race“ oder “Schwerter des Königs“ der Fall war. Umso beachtlicher ist es, hier zu sehen, wie Statham seinen relativ sympathischen, aber doch recht komplexen Charakter rundum überzeugend auf die Leinwand bringt und sich als Charakterdarsteller der Story unterordnet. So gut und vor allem authentisch hat man Statham bisher definitiv noch nicht zu sehen bekommen. Die eher leidlich bekannten Nebendarsteller leisten aber ebenfalls gute Arbeit und tragen zum Gelingen des Films bei. 

Fazit:
“Bank Job“ nutzt seine wahre Begebenheit durchaus, um sich das Interesse des Zuschauers durchgehend zu sichern und präsentiert das Handlungskonstrukt narrativ versiert genug, um den Unterhaltungswert permanent zu steigern. Darüber hinaus beweist Jason Statham, dass er auch als Charakterdarsteller durchaus zu überzeugen weiß. Ein kleiner, aber sehenswerter Gangsterfilm. 

75%

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