Review

Ok, da habe ich mir mal wieder einen Ittenbach angesehen, denn immerhin war in einigen Reviews zu lesen, dass man es hier mit seinem bisher reifsten und härtesten Werk zu tun habe. Aha. Ok, die Neugier war geweckt!
Also ab in die Videothek und die um 5 Minuten gekürzte Fassung ausgeliehen (eine Uncut Fassung wird es wohl später via Österreich geben). Die erfreulichen Fakten gleich zu erst: dickes Cinemascope Format und schön gefilmte Bilder - der Vorspann läßt tatsächlich auf einen "richtigen" Film hoffen! Doch dann folgt auch gleich die erste Ernüchterung: Hauptdarstellerin Martina Ittenbach hat nichts dazugelernt und schafft es, den anfänglichen Glanz durch völlige Talentfreiheit binnen weniger Minuten verblassen zu lassen! Wie kann man dieser Frau eine Rolle in einem Film geben, der es so offensichtlich versucht ernst genommen zu werden? Aber egal. Ich schaue Martina und ihrem einen Gesichtsausdruck weiter dabei zu, wie sie durch ein bemüht konstruiertes Drehbuch stolpern. Die Geschichte ist eigentlich nicht der Rede wert und trotz einiger falsch gelegter Fährten sehr durchschaubar. Das wäre ja noch zu entschuldigen, wenn Dard Divorce in irgendeiner Form spannend oder mitreißend wäre. Als positives Beispiel möchte ich hier den französischen Thriller À L'intérieur anführen, der mit einem ähnlich gelagerten Setting eindrucksvoll bewiesen hat, dass das Beschränken auf einen Schauplatz mit nur wenigen Personen eine verdammt spannende und intensive Angelegenheit sein kann - auch ohne tiefgründige Story.
Und so sieht sich die frisch geschiedene Nathalie, nach dem mysteriösen Verschwinden ihres Ex-Mannes und ihrer zwei Kinder, in ihrem abgeschiedenen Haus mit zwielichtigen Finstermännern konfrontiert, die mit verschiedenen perversen Vorlieben in Sachen Folter, aber vor allem mit einer jeweils anderen Geschichte aufwarten können.
Hätte ja echt was werden können - ist es aber nicht. Neben den grottigen Schauspielern, der im Verlauf dann doch immer langweiliger und amateurhafter werdenden Kamera- und Schnittarbeit und dem unpassenden und billig wirkenden Score, können nicht einmal die Gewaltszenen überzeugen! Das Make-Up sieht zwar passabel aus, tut aber einfach nicht weh, weil alles so maßlos überzogen ist. Anscheinend hat sich da in Olafs Effekteküche ein Überschuss an Kunstblut angesammelt, welcher kurz vor dem Verfallsdatum noch irgendwie Verwendung finden musste. Da werden dann eben nach einem Schlag auf die Nase kurzerhand zwei Liter des kostbaren roten Saftes in Gesicht und Kulisse verteilt. Die Trash-Krone hat dem ganzen dann aber folgende Szene aufgesetzt: die Tochter kommt in die Küche und findet ihre über und über mit Blut besudelte Mutter mit böse zertrümmerten Gesicht und fragt mit kompletter Ausdruckslosigkeit (ich schwöre - man sieht wie sie sich das Lachen verkneifen muss!): "oh god, mum... what did they do to you?" Worauf sie nur erwidert: "I'm okay." Und gut is. Ehrlich, man muss es gesehen haben um zu glauben, wie emotionslos und zugleich saukomisch diese Szene ist - hammer!! Und auch der Showdown hat mich nochmal so richtig zum Schenkelklopfen gebracht!
Doch leider soll das hier keine Splatterkomödie sein, sondern ein harter und intelligenter Thriller. Thema verfehlt - Note 6.
Man kann nur hoffen, daß Olaf endlich daraus gelernt hat und sein Versprechen hält, den Regiestuhl nur noch als Sitzgelegenheit auf der heimischen Terrasse zu verwenden.
Die 3 Punkte gibts für die unfreiwillige Komik.

Details
Ähnliche Filme