Review

Schauen wir doch einmal, was dieser fast 87-minütige Ittenbach so an gemeinen Splattereffekten bereithält: Faustschläge ins Gesicht mit gebrochener Nase, abgetrennte Finger und Zehen, Glassplitter in Hals und Gesicht, ein Großkaliber-Gewehr zerfetzt diverse Köpfe, Messer landen in Augen, Gesicht, Brust, ein Fuß wird gebrochen, ein Genital angeschnitten, ein Ellenbogenknochen mit dem Hammer bearbeitet und eine Spritze ins Auge gestochen.
Ach, und nicht zu vergessen, die minutenlang andauernde Aufräumaktion mit Zerkleinern einer Leiche in der Badewanne.
Von diesen reichlich vorhandenen Gewaltausbrüchen lebt der Streifen, täuscht aber gleichermaßen über einige Defizite hinweg.

Die liegen unter anderem in der nicht dummen, aber mit zu vielen Unwahrscheinlichkeiten durchzogenen Geschichte: Die allein erziehende Nathalie (Martina Ittenbach) lebt getrennt von ihrem Mann Tim (Barrett Jones) in der Einöde mit ihren beiden Kindern.
Der Scheidungskrieg läuft, doch eines Tages taucht Tim schwer verletzt auf und stirbt. Nachdem Nathalie die Cops ruft, ist die Leiche verschwunden, doch kurz darauf tauchen Gangster bei ihr auf, die Koffer mit Geld und Drogen bei ihr wähnen.

Auch wenn der Hauptfigur zum überaus geschwätzigen Einstieg ein Off-Kommentar gegönnt wird, reicht die Vorlaufzeit nicht aus, um mit ihr richtig warm zu werden.
Das liegt einerseits an der einfältig schwachen Darstellung durch Ittenbachs Ehefrau, allerdings auch an der seelenlosen Art, ihre Scheidungsgeschichte zu präsentieren, woraufhin sich im Anschluss das Mitleid während diverser Folterszenen ein wenig in Grenzen hält.

Was im ersten Moment recht clever konzipiert erscheint, entpuppt sich leider rasch als schwach ausgearbeitetes Konstrukt. Nicht nur, dass die Übeltäter wie auf die Sekunde genau abgestimmt erst nacheinander in Erscheinung treten, auch ihre Vorgehensweisen erscheinen arg zweifelhaft. Da wird gar nicht erst hinterfragt, sondern ein erklärender, durchaus für Abwechslung sorgender, Flashback nach dem anderen gebracht, verschiedene Versionen eines Sachverhalts geschildert, doch spätestens nach der fünften Schilderung erhärtet sich der Eindruck, dass lediglich ein paar Splattereffekte mehr untergebracht werden sollen, anstatt einer an sich okayen Story etwas Hintersinniges zu verleihen.

Wobei innerhalb der Inszenierung nicht allzu viel zu bemängeln ist. Neben einigen schwachen Darstellerleistungen, ist dies allenfalls eine etwas zu statische Kameraführung, die zu selten variable Perspektiven liefert, ansonsten jedoch immer auf Höhe des Geschehens ist und besonders während der Gewaltszenen nie voll draufhält, so dass die manchmal etwas harten Momente ein wenig abgeschwächt wirken.
Routiniert erscheinen indes Sequenzen wie ein Telefonat im Split Screen mit schön weichen Überblendungen oder eben jene Szene, als ein Nackter die Leiche zerstückelt, da hier besonders dezent auf die wirkungsvolle Belichtung Wert gelegt wurde.
Positiv zu erwähnen ist letztlich noch der Einschub leicht schwarzhumoriger Momente, etwa als lustige Songs während der Metzeleien im Hintergrund laufen oder ein S/M-Szenario mit Ketten und Leder für makabere One-Liner sorgt.

Der verschachtelte Gangster-Krimi ist Ittenbachs Ding ergo nicht so recht. Kleine überraschende Twists sind zwar vorhanden, wirken aber schlicht zu hanebüchen, um im Gesamtbild vollends zu überzeugen.
Dafür müssen (erneut) die versiert ausgearbeiteten Splattereffekte herhalten, wovon es wahrlich viele gibt.
Und unterhaltsam ist er spätestens mit Einsatz der Folterszenen, das Timing stimmt und Spannung ist durchaus vorhanden, - man mag darüber hinwegsehen, wie viel Schmerz (persisch „Dard“) jemand erträgt, bevor er auch nur ansatzweise ohnmächtig wird.
Akribische Gorehounds sollten allerdings um alle bisher in Deutschland erschienen Fassungen einen Bogen machen, da fehlen rund vier Minuten…
6,5 von 10

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