Review

Die Zukunft: Emotionen sind verboten und werden mit dem Tode bestraft, da diese als Ursprung allen Übels und als Auslöser für die Weltkriege angesehen werden. Die Einnahme der emotionshemmenden Droge "Librium" ist daher Pflicht.
Jeder, der sich der Einnahme dieser Droge widersetzt und den Anschein erweckt Emotionen zu haben, wird als "Sinnestäter" von den obersten Polizeibeamten, den "Klerikern" gejagt.
John Preston, die Hauptfigur in diesem düsteren, post-apokalyptischen Action-Reißer, ist einer der besten Kleriker.
Als er eines Tages unabsichtlich seine Dosis Librium nicht einnimmt und, wie jeden Tag, mit der sinnlosen Vernichtung menschlichen Lebens konfrontiert wird, beginnen Gefühle in ihm zu sprießen. Da ihm diese Sinneserweiterung sehr zusagt, beschließt er das Librium ganz abzusetzen.
Doch nach und nach werden seine emotionalen Anwandlungen immer offensichtlicher, wodurch er schnell ins Fadenkreuz der Obrigkeit und der übrigen Kleriker gerät ...

Ohhh Mann, gleich vorweg, EQUILIBRIUM ist einerseits ein optisch unglaublich versierter und edelst herausgeputzter Big-Budget-Hochglanz-Actioner,
andererseits aber Hirnfolter sondergleichen und ein eine einzige Ansammlung an Dämlichkeiten.

Ich geb' euch mal ein paar Beispiele:
In dieser Zukunft soll ja eigentlich der Normalzustand einer gefühllosen und absolut stumpfen Gesellschaft vorherrschen. Allerdings stehen in diesem Film ständiges Misstrauen und die Angst erwischt zu werden an der Tagesordnung ... Ihr seht hoffentlich, auf was ich hinaus will: das sind doch eindeutig Gefühle, oder nicht!?
Für die Amis gibt es diesem Film zufolge anscheinend keine anderen Emotionen außer "lachen und weinen", hmm.
Doch wenn man anfängt ernsthaft über das Thema des Films, nämlich Gefühllosigkeit als mögliches Utopia, nachzudenken, tun sich wahre Abgründe auf: Wie soll das mit der Fortpflanzung laufen, wenn keiner mehr etwas fühlen kann? Ich hab' außerdem mal gehört, dass Säuglinge eingehen oder zumindest schwere Traumata erleiden, wenn sie in den ersten Tagen ihres Lebens keine menschliche Nähe empfangen können ... Außerdem: Auf welche Motivation lässt sich dann das ganze alltägliche Handeln zurückschließen? Wie weiß man, wann man müde oder hungrig ist, oder wann man auf's Klo gehen muss?

Ich weiß, ich übertreibe maßlos und nehm das alles viel zu ernst. Außerdem ist meine Argumentation auch mehr als lückenhaft und beruht auf völlig an den Haaren herbeigezogenen Vermutungen.
Bei hollywoodischer Blockbuster-Kacke darf man einfach keine Fragen stellen. Da macht man es sich einfach im Kinosessel bequem und mampft am besten so viel Popcorn bis der Hirntod einsetzt, gell!?

Aber egal. Trotz eben lang und breit ausgeführter storytechnischer Mängel, ist EQUILIBRIUM dennoch eine Augenweide.
Die Sets, Kostüme und SFX sind alle 1a, wirken wie der gesamte Film sündhaft teuer und lassen auch durchaus die beabsichtigte karge und stumpfe Zukunftsatmosphäre rüberschwappen.
Die Actionsequenzen sind maßlos überzeichnet, comichaft, aufgestylet bis zum Gehtnichtmehr und erinnern stark an "Matrix". Hochglanz-Shoot-Outs, nette Kung Fu-Einlagen und gegen Ende sogar zackige Katana-Action stehen hier also auf dem Speiseplan.
Der Showdown ist dann wieder unheimlich Kacke: unser Held schießt lediglich ein paar Bildschirme kaputt und schon explodiert die ganze Stadt, und ist das Terror-Regime gestürzt. Supi!

Uff ... so, jetzt hab' ich keinen Bock mehr.
Mein Fazit:
EQUILIBRIUM ist und bleibt ziemlich seichtes, phasenweise auch mächtig dämliches Big Budget-Kino, insgesamt unterhält er aber trotzdem. Die vielen Ungereimtheiten, die schwachen Dialoge und erzähltechnischen Mängel halten nämlich genauso bei Laune, wie die bombastische, sehr gekonnt in Szene gesetzte Action und die schicke Optik.
Insgesamt also auf irgende seltsame, unerklärliche Weise doch sehenswert.

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