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Mit "Equilibrium" ist Regisseur Kurt Wimmer (Ultraviolet) ein ordentlicher SciFi-Streifen mit Anleihen anderer Werke gelungen. Sowhl Darsteller als auch Optik und Inszenierung können hier überzeugen.

Nach dem 3. Weltkrieg beschließt man, dass die Emotionen der Menschen für Gewalt und Tod auf Erden verantwortlich sind. Um einen weiteren Weltkrieg zu verhindern wird die Droge Equilibrium entwickelt, die sämtliche Gefühle eines Menschen auslöscht. Nebenbei werden auch Kunstgegenstände und andere Gefühle auslösende Dinge beseitigt. Da immer wieder Menschen sich weigern, die Droge zu konsumieren und mit Kunst, Büchern oder dergleichen dealen, werden die "Clerics" ins Leben gerufen. Diese sind eine außerordentlich gut ausgebildete Spezialeinheit, deren Auftrag es ist, besagte Dealer und Gefühlsbefürworter zur Strecke zu bringen. Ihr bester Mann dabei ist Clericer John Preston (Christian Bale), der sogar seinen verräterischen Partner Partridge (Sean Bean) sowie seine Frau opfert, als diese die Droge absetzen. Dummerweise vergisst Preston eines Tages, die Droge einzunehmen und die ersten Gefühle werden in ihm wach. Das macht ihn für seinen neuen Partner Brandt (Taye Diggs) mehr als verdächtig...

Das Zugpferd dieses Streifens ist eindeutig Christian Bale (Batman Begins), der eine saubere Performance abgibt. Agiert er emotional zu Beginn noch wie ein Eisberg, so entfaltet er seine schauspielerischen Fähigkeiten erst, als sein Charakter zu fühlen beginnt. Was die Fights angeht, so steht er in Sachen Martial Arts einem gewissen Neo sowie Blade in nichts nach. Mühelos ballert und säbelt er sich durch die Reihen der Gegner. Diese werden u.a. von Taye Diggs (Way of the Gun) dargestellt, der eine passable Leistung erbringt. Sean Bean (007 - Goldeneye) ist zwar nur kurz zu sehen, doch weiß er in seinen Szenen zu überzeugen. Für Emily Watson (Roter Drache) gilt das leider nicht, da mich ihr Charakter irgendwie genervt hat, obwohl er für die Handlung entscheident ist.

Neben "The Matrix" wird in "Equilibrium" zusätzlich noch von "1984", "Uhrwerk Orange", "Blade Runner" und "Fahrenheit 451" kopiert. Jedoch wird nicht allzu stark kopiert und der Film besitzt zudem seinen eigenen Stil. Historisch gesehen weißt der Streifen Parallelen zum Nazi-Reich in Deutschland auf, da nicht nur das Logo der neuen Welt an das Harkenkreuz erinnert, sondern auch "Vater" hitler-like hinter 'nem Podest jede Menge Schwachsinn von sich gibt. Wie Roboter knallen sich hier die Menschen die gefühlsterminierende Droge rein und lauschen brav "Vaters" Anordnungen. Actionmäßig hat "Equilibrium" ebenfalls einiges zu bieten. Die Fights riechen stark nach "The Matrix" und im finalen Schwert-Duell kommt der inzwischen beliebte "Clear-Cut" (so nenne ich es) zum Einsatz, wo ein Mensch sauber durchgeschnitten wird und nur wenige Liter Blut tropfen. Ähnliche "Clear-Cuts" bekam man schon in "Cube", "Resident Evil", "Ghostship", "Underworld", "Final Destination 2" und "13 Geister" serviert. Schön anzuschauen sind sie ja. Die Pistolen-Choreographie der Clerics ist ebenfalls nett anzuschauen, wirkt aber irgendwie unrealistisch. Zum Glück hat man die mittlerweil nervende "Bullet-Time" stecken gelassen. Garniert wird die ganze sauber wirkende Action noch mit Knochenbrüchen, eingeschlagenen Köpfen und ordentlichen Shoot-Outs. Von der Story her bleibt es durchweg spannend und der Film kann mit vielen überraschenden Wendungen überzeugen. Einige davon sind vorhersehbar, andere wiederum nicht. Nervig sind allerdings das ständig kontrollierende Balg Prestons und ein ständig debil grinsender Taye Diggs, dessen Charakter aber in Ordnung geht, obwohl auch er nicht immer logisch handelt. Ebenso kann das Verbrennungs-Ritual nicht wirklich überzeugen, da man sich fragt, was denn dieser rote Fummel soll, wenn er doch eh weggeprutzelt wird. Das wird auch Emily Watsons Figur und "Equilibrium" besitzt glücklicherweise nicht die Klischeehaftigkeit, sie von Preston in letzter Minute retten zu lassen. Somit steigert ihr Tod dessen Motivation noch, das ganze emotionslose Imperium bei den Eiern zu packen. Und das macht er dann auch recht effektiv. Die Locations machen auch mächtig was her, wobei vieles ziemlich steril und geleckt aussieht. Endzeitstimmung kommt hingegen bei den teilweise in Berlin gedrehten Außen- und Fabrikaufnahmen.

"Equilibrium" ist ein kleines SciFi-Juwel, was bei seiner Veröffentlichung leider und zu Unrecht in der Masse untergegangen ist. Ein guter Film mit einem großartigen Christian Bale in Topform. Zudem ist "Equilibrium" um ein vielfaches besser als die beiden "Matrix"-Fortsetzungen, da sich hier die Action der Handlung fügt und nicht umgekehrt. Wenn man nämlich die Story in die Tonne kloppen kann, dann hilft auch die beste Action nix. Nun mag "Equilibrium" nicht umbedingt 100%ig logisch sein, doch das waren SciFi-Filme ja noch nie. Deshalb kann man getrost über die wenigen Schwächen und Logiklöcher hinwegsehen und einen tollen Film genießen, gegen den "Matrix Reloaded" und "Matrix Revolutions" wie ein langweiliges und seelenloses Computerspiel daher kommen!

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