Review

Das ist er nun: lange angekündigt, in der Versenkung verschwunden, nur begrenzt in Kinos gezeigt (bei uns gar nicht), liegt nun endlich Kurt Wimmers "Equilibrium" auf DVD vor.
Mit großer Erwartung freute ich mich auf den Film, als Fan von Christian Bale erfuhr ich von diesem Projekt schon früh, und die Zeit von da an bis jetzt zog sich.
Im Internet fand man ab und zu nur ein paar wenige Screenshots des Films, die auch nicht wirklich was über die Wirkung und den Inhalt aussagten.
Bis zum Erscheinen von "Equilibrium" drehte Christian Bale zwei weitere Filme, und man fragte sich, wann man den endlich mit ihm rechen darf.
Nun habe ich ihn gesehen und muß ehrlich sagen, dass er genau meinen Erwartungen entsprach.

Im Grunde mag ich keine Action oder SciFi Streifen, da sie meistens kaum was mit dem echten Leben gemeinsam haben.
Doch "Equilibrium" vereint nett anzuschauende Actionsequenzen mit einer intelligenten und absolut authentischen Story.

Es geht um die neue Gesellschaft, die nach einem 3. Weltkrieg entstanden ist. Das System stellt die Bürger mit einer Droge namens "Librium" ruhig, alle möglichen Gefühle sei es Hass, Liebe, Freude oder Ärger werden ausgeblendet. Damit soll verhindert werden, dass ein neuer Krieg entsteht, auch nur der kleinste Konflikt, das minimalste Hassgefühl soll unterdrückt werden.
Die Polizei ist durch eine Eliteeinheit, die sich "Clericks" nennen, ersetzt worden. Ihre Aufgabe ist es, alle persönlichen Dinge, alle Sachen, die irgendwie Gefühle erzeugen, wie Musik, Bücher etc.., zu finden und zu zerstören.
John Preston (Christian Bale) ist der Beste und der erfahrenste unter den Clericks. Seit seine Frau durch das Regime ums Leben gekommen ist, fühlt er nichts mehr.
Ausdruckslos erfüllt er seine Aufgaben, selbst vor Mord an einem Kollegen schreckt er nicht zurück.
Doch als ihm eines Tages eine Ration Librium kaputtgeht, häufen sich die Umstände, die ihn daran hindern, eine Ersatzration zu nehmen. Somit werden wieder Gefühle ihn ihm wach, sein altes Ich erwacht und Preston sieht sich alleine einem ebenso übermächtigen wie skrupellosem Regime gegenüber....

"Equilibrium" legt dem Zuschauer ein Machtregime zugrunde, dass dem Nazistaat in nichts nachsteht. Die eigene Entscheidungskraft wird unterdrückt und manipuliert, all das unter dem Mantel des guten Vorsatzes, doch damit Gutes zu tun, einen neuen Krieg zu verhindern.
Die Menschen, selbst die Kinder (widergespiegelt durch Prestons Sohn) sind hartgesottene, kalte Zombies, die wirken, als wären sie "Kinder des Zorns" entsprungen.
Die Umwelt ist grau, die Welt ist eintönig.

"Equilibrium" schafft es, die Kritik an einem totalitären Staat leise und elegant zu vermitteln. Die Protagonisten entkräften selbst die Stützen des Systems:
Preston erklärt seinem Kollegen, dass mittels der Droge ein Krieg verhindert werden soll und Mord und Totschlag unterdrückt wird. Worauf dieser erwidert : "Und was ist das, was wir machen?"
Kurz und knapp, in einem Satz die Theorie der scheinbar vorbeugenden Methoden in Frage gestellt.
Dem Zuschauer wird schnell klar, das dieser Film nicht nur als Actionfilm, sondern auch als ,wie es im Making Of beschrieben ist, als "Moral Play" funktioniert, sozusagen als gesellschaftskritische Mär.
Dieser Aspekt des Films überwiegt klar, was ihn auch so besonders macht. Doch wird er auch noch gewürzt durch ein paar nette Kämpfe, die aus der Reihe fallen. Denn die üblichen Ballereien werden abgelöst durch Fechtkämpfe mit Pistolen, die sehr gut choreographiert sind. Diese Fights wirken sehr elegant, die Darsteller lösen diese durchaus nicht einfache Aufgabe mit Bravour. Besonders Christian Bale, der als Protagonist die meisten davon bestreiten muß.
Der Film ist wider meiner Erwartungen sehr brutal, einige nette Effekte wie zum Beispiel die Szene in der Taye Diggs buchstäblich das Gesicht verliert geben dem Film den richtigen Schliff. Auch die Schießereien wie die Exekution einiger Revolutionäre sind blutrünstig gestaltet und die Sinnlosigkeit dieser Methoden und seiner Schöpfer wird auf unter die Haut gehende Art und Weise gezeigt.
Die richtige Portion Gewalt ist hier nützlich, da man sehen soll, dass man gegen solche Ungerechtigkeit nur mit harten Bandagen ankommt, dass man Mut haben muß, wie Preston, der ja quasi sein Leben für die anderen riskiert.

Die Sets sind stilecht sehr kalt gehalten, die meisten dieser Szenen sind in Berlin gedreht worden, da es dort, wie Regisseur Kurt Wimmer sagte, die meisten echt unpersönlich wirkenden kalten Gebäude gibt, die "die Menschen wie Ameisen erscheinen lassen.

Die Schauspieler neben Christian Bale sind nicht besonders erwähnenswert, denn dieser Film ist eine One Man Show. Mit ihm steht und fällt die Wirkung des Films, da die Trauer, die Kälte und die echten Gefühle sich abwechseln und es ihm überlassen ist, die Entwicklung vom Elitesoldaten zum fühlenden Menschen alleine zu zeigen. Dieser Aufgabe stellt er sich und löst sie glänzend.
Mit der Mimik, die ihn in "American Psycho" ganz groß gemacht hat, macht er deutlich, dass aus warmherzigen Familienvätern auch Killer werden können. Sein Gesicht ist wie versteinert nur ab und zu entgleist ihm die Mimik zu einem Lächeln.
Ihm nimmt man auch ab,. dass er am Anfang die Morde an Revolutionären mit Überzeugung erledigt und dass er seine großen Reden vor dem "Vater", wie sich die Hitler ähnliche Instanz hier nennt, selbst glaubt und überzeugt davon ist, dass er im Sinne aller handelt.
Doch neben diesem Talent, absolute Coolness zu verkörpern, zeigt Christian Bale auch die warmherzige Seite Prestons die sich in der Szene mit dem Hundewelpen gefühlvoll entlädt, und er bereit ist, sein Leben für das Tier zu opfern. Großartig auch, wie er den Regen über der Stadt absolut gebannt verfolgt und in Tränen ausbricht, nachdem sein "love interest" ,verköpert von Emily Watson, die nach "Metroland" wieder neben Bale zu sehen ist, exekutiert worden ist.
Bale und seine Filme sind und bleiben vermutlich immer Geheimtipps, da er zwar die größte Internetfangemeinde (die "Baleheads") aller Schauspieler hat, doch in seiner Art, die erfrischend natürlich und normal ist, nicht in das zu vermarktene Image eines typischen Hollywoodarschlochs passt. Seine Leistungen in Spielbergs "Empire of the Sun", "All the little Animals" (Bales beste Leistung, absolut beeindruckende und anrührende Darstellung des behinderten Bobby) und "Swing Kids" sind allesamt außergewöhnlich. Durch "American Psycho" kam er zu einem gewissen Bekanntheitsgrad, doch den Kult, den ein Brad Pitt genießt, wird er wohl nicht genießen können.
Doch seine Karriere ist bis jetzt durchzogen von großen Taten und wird sich demnächst mit "The Mechanist", einem Horrorthriller, fortsetzen.

"Equilibrium" ist einer der besten Balefilme, und insgesamt auch ein guter, unterhaltsamer Streifen.
Hat durch die Verwirklichung dieser Story (gefühlslose Welt, Ausbruck, Wiedererlangung der Menschlichkeit) und durch Christian Bale als monumentale Figur die Chance, ein Klassiker wie "Metropolis" zu werden.

Der Film ist außerdem eine traurige Parabel auf unsere momentane Gesellschaft, die auch unpersönlich, egoistisch und selbsüchtig, verlogen wie lächerlich zugleich, an mir vorrüberzieht. Doch diesen Ausbruch, den Preston im Film unternimmt, läßt Hoffnung aufkeimen.
Somit nimmt der Film für mich persönlich eine eigene Stellung ein, er spricht mir aus der Seele.

8/10 Punkte.

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