Keine Emotionen? Iwo - ik freu mir!
Ein echter Peoples Champion, der sich erst über die Zeit im Heimkino und den Filmsammlungen knallhart einen Platz im Pantheon der Sci-Fi-Action freigeschossen hat - „Equilibrium“ ist 00er-DTV-Deluxeware (jaja, ich weiß, kein reiner, weltweiter „DTV“ - dennoch fühlt er sich größtenteils so an!) ohne Fehl und Unterhaltungstadel. Früher Cyberpunk. Erstmals (außerhalb vom Asiakino) Gung Fu. Mit Bale als Oscarpreisträger in Topform in reinster Genreware. Greift sowas wie „Doomsday“ bis „Handmaid's Tale“ voraus, greift auf Huxley, Orwell und Wells zurück. Speist sich auch aus sowas wie „Gattaca“, „Blade Runner“ oder „Dark City“. Eine Gesellschaft ohne Rage und Ekstase. Ein oberflächliches, aber krachend unterhaltsames Potpourri aus Dystopie, Actionballet und Gefühlszwickmühle. Lässt sich sicher auch von rechts und links für fragwürdige bis falsche Zwecke deuten und missbrauchen. Gibt aber genug Ansätze für Diskussionen und eben immer wieder einen grandiosen Heimkinoabend. Ein feines Mediabook war überfällig. „Equilibrium“ rockt damals wie heute. Erzählt wird von einer Gesellschaft, in der Gefühle, Kunst, Eigenständigkeit und Freude verboten sind und mit Drogen unterdrückt werden. Komische Kreise würden „alles Schafe“ kleffen. Und wir folgen nun einem begabten „Cleric“ bei seinem täglich Brot, diese Ordnung aufrecht zu erhalten. Doch natürlich gerät auch er in Konflikte mit Gewissen und Vorgesetzten, Moral und logischem Menschenverstand, Herz und Kopf…
Eine graue Masse
Damals oft als eher suboptimaler und flacher DTV-„Matrix“-Klon abgetan, heute ein kleiner Kultfilm des einst jungen Jahrtausends. Wäre es wirklich Schrott und nur ein Aufguss gewesen, hätte sich Christian Bale dafür nicht hergegeben. Das hätte uns schon damals klar sein müssen. Aber Hauptsache immer erstmal meckern und unfair vergleichen… Ich mag „Equilibrium“ damals wie heute. Sehr sogar. Die Action ist innovativ, kreativ, blutig, pfeilschnell, krachend. Die Welt eine sehr interessante Version bekannter Dystopie von Orwell bis Verne. Und eine Gesellschaft ohne Gefühle und emotionale Ausbrüche zu sehen, wo alle grau in grau aussehen und Ton in Ton sprechen, ist durchaus eine tiefgreifend-traurige Sache. Selbst in einem recht reinen Action-Sci-Fi-Kracher. Heute hätte man aus dem Stoff direkt eine Serie gemacht, wesentlich dramatischer und zäher. Einst reichten zwei knackige, kompakte und krachende Stunden. Gung Fu war geboren. Oder zumindest final in Hollywood und den Videotheken des Westens angekommen. Und bis heute sollten John Wick & Co. eigentlich auch mal „Equilibrium“ danken. Zwischen (zugegeben aufgesetzter) Philosophie und einem Videospiel. Ich bin froh, dass es „Equilibrium“ gibt. Selbst wenn ich mir wie gesagt sehr gut vorstellen kann, dass heutzutage diese „gleichgeschaltete Gesellschaft der Schafe“ sehr leicht aus dubios-dummeren Ecken interpretiert und ausgespielt werden wird.
Fazit: einer der coolsten, kühnsten und kühlsten Actionfilme der 00er - menschlich-moralisch, gesellschaftlich-sozial seiner Zeit voraus. Und Gung Fu, weit vor John Wick. Absoluter Favorit aus DVD-Sammlerzeiten!
P.S.: Und ist das nicht einer der epischsten, choralsten, unterschätztesten Synthiescores ever?!