Huch, mal wieder einer dieser Filme bei dem die Bewertung schwer fällt. Als erstes muss ich warnen: Wen das Thema Marketing und Werbung nicht interessiert kann sich getrost den Blick auf "39,90" sparen.
Denn eine eigentliche Handlung im Sinne von "fesselnd" oder "spannend", die gibt es hier nicht. Ebenso wie Beigbeders Buch geht es hier vielmehr um eine Abrechnung mit der Branche. Einen bitter-zynischen Blick auf eine geldgeile Welt, in der nur die neuesten Anzüge, die schärfsten Edelnutten und das beste Koks zählen. Die 08/15 Werbekonzepte werden hier bis ins kleinste auseinandergenommen. Nach wie vor beeindruckend (und ich kenne mich mit der Branche doch ein wenig aus) finde ich, wieviel die Konzepter in ihre Clips legen, das dem Durchschnittszuschauer eines Werbefilms niemals auffallen würde. Die Person, die uns im Clip das Produkt schmackhaft machen soll, muss so gestaltet werden, dass sich jeder mit ihr identifizieren kann (nicht zu alt, nicht zu jung, nicht zu schön, nicht zu hässlich,...), der Packshot ist von immenser Wichtigkeit, etc.. Wie könnte einen solch ein oberflächlicher und nur Oberflächlichkeit produzierender Job nicht ankotzen?
Soviel zur Handlung, denn um kaum mehr als das geht es. Es werden einem Fachbegriffe um die Ohren gehauen dass es nur so scheppert und der Film folgt ästhetisch seinem Thema. Soll heißen: Optisch ist "39,90" von vorne bis hinten ein echtes Brett. Mann merkt dem regisseur seine Erfahrung ("Dobermann") an. Einige Ideen, wie etwa das alternative Ende sind zudem grandios. Doch im gegensatz zum Buch stört die ewig lange Exkursion in eine werbefreie Welt am Ende gehörig. Überhaupt bricht der Film mit dem Buch ab dem 3. Viertel total, und das nicht unbedingt zum besseren. Zudem nerven einige unpassend blöde Szenen, vor allem die des jungen Oktave. Weder bringen sie seiner Figur neue Facetten bei noch haben sie irgendwas mit der (rudimentären) Handlung zu tun.
Wer jedoch einfach mal in grandiose Bilder abtauchen möchte, sich visuell und akustisch berieseln lassen möchte ist hier genau richtig. Insofern ist "99 Francs" nichts weiteres als ein überlanger, perfekter Werbeclip mit einem großartigen Hauptdarsteller. Allerdings verfehlt er damit auch genau seine intention, denn mehr bleibt am Ende nicht hängen. Statt dessen verliert er sich in den Mechanismen die er kritisieren will.
Trotzdem, allein wegen der Bilder fühle ich mich genötigt sieben Punkte zu geben. Auch wenn ich, abgesehen von diesem Bonus, nicht weiß wofür.