1963 war das ZDF (zweites deutsches Fernsehen) noch ganz neu: bis dahin gab es in Deutschland nur ein einziges Programm. Farbe gab es noch nicht, das Schwarzweißbild hatte 625 Zeilen, die Ausstrahlung begann spätnachmittags und endete gegen Mitternacht - danach wurde nur noch die Nationalhymne und ein Testbild gesendet. Werbeunterbrechungen gab es auch noch nicht, geworben wurde ausschließlich in ein bis zwei halbstündigen Sendungen pro Werktag (der Sonntag war gänzlich werbefrei) zu festen Zeiten.
Man muß sich dieses Umfeld bewußt machen, um zu verstehen, welchen Stellenwert eine Fernsehserie damals hatte: "Meine Frau Susanne" war die allererste Serie überhaupt im ZDF! Konzipiert wurde sie für die allerbreiteste Masse, und folglich auf niedrigstem Anspruchsniveau: Herr Meier und Frau Müller von nebenan sollten sich damit identifizieren können, sämtliche zeitgenössischen Klischees wurden dafür fleißigst bemüht, und strikt jugendfrei (nach den damals noch sehr strengen Maßstäben) mußte eine Serie für das Vorabendprogramm selbstverständlich auch sein. Das Ergebnis lässt sich sehr kurz beschreiben: bieder - bis hin zur Peinlichkeit. Gelacht habe ich über diese "Komödie" nur sehr ausnahmsweise.
Warum schaut man so etwas 56 Jahre später überhaupt noch an? Mein Hauptmotiv war die Hauptdarstellerin Heidelinde Weis, die ich für ihre brilliante Schauspielkunst in späteren Rollen bis heute hoch verehre. In "Meine Frau Susanne" zeigt sie sich zwar optisch betörend als wirklich süßes, junges Blondinchen; aber die Drehbücher waren leider so einfältig und Erik Odes (jawohl, der spätere Fernsehkommissar) Regie so bieder, dass das Talent dieser Ausnahme-Schauspielerin hier kaum gefordert wurde. Zudem war sie damals auch wirklich noch sehr jung; die Serie war schon Jahre vor dem ZDF-Start (ursprünglich für das geplante, aber an rechtlichen Problemen gescheiterte "Adenauer-Fernsehen") gedreht worden. Ein bißchen markanter konnte sich Claus Biederstaedt als damals schon fest etablierter Darsteller an ihrer Seite präsentieren, ebenso diverse Schauspieler in Nebenrollen. Handwerklich war das alles schon sehr solide - aber das Grundkonzept doch arg "brav".
Bleibt der kulturhistorische Aspekt: der Wohnblock-Muff der sich damals natürlich sehr modern wähnenden Großstadt-Neubauten, der Straßenverkehr mit Autos, die man heute nur noch im Museum sieht, die noch strikt verteilten Gechlechtsrollen nicht nur im Erwerbsleben. Der damals eingefangene Zeitgeist ist heute das Attraktivste an der Serie.
Zur Ehrenrettung des damaligen Fernsehens muß gesagt werden: "Meine Frau Susanne" bewegte sich damals am absolut unteren Rand des Anspruchsniveaus. In den heutigen Programmen würde diese Serie - auf gleichem Level modern in Szene gesetzt - schon zu den besseren gehören. Trotzdem reicht es mir nur für ein "knapp unter Durchschnitt". Und konsequenterweise schaue ich heute auch kaum jemals noch Fernsehen, obwohl ich - im Gegensatz zu damals - auch als Nichtkonsument die Gebühr zahlen muß.