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Kult-Comic voraus und das aus dem hohen Norden! "Werner", der ewige Klempnergeselle, mit der Liebe zum Bier und dem flachen Witz, gehört mit zum erfolgreichsten, was die deutsche Comic-Landschaft, je auf die Beine gestellt hat. Seine Abenteuer, die er größtenteils während der Arbeit erlebt, wurden von einem riesigen Leserstamm mit verfolgt und machten seinen Schöpfer, mit dem Künstlernamen "Brösel", in der ganzen Republik bekannt. 1990 kam nun das erste Leinwandabenteuer der Figur auf die Leinwand. Und es sollte bis jetzt das Beste seiner Filmabenteuer werden, obwohl er nicht ständig präsent ist.

"Werner - Beinhart" erzählt, in Episodenhafter Form, die Geschichte von Brösel und seinem Auftrag, in nur vier Wochen, einen Film, mit seiner Kultfigur Werner, fertigzustellen. Doch nicht nur der Geldgierige Produzent macht ihm das Leben zur Höhle, und damit seine Aufgabe nahezu unerfüllbar, sondern auch verschieden Vorfälle behindern seine Arbeit. Das geht sogar soweit, dass er eines Tages im Krankenhaus liegt. Doch er gibt nicht auf, und verarbeitet seine Jugend in seinen Werner-Strips. Wie man wohl schon ahnen kann, handelt es sich hierbei um eine Vermischung aus einer Rahmenstory mit realen Personen und einigen Zeichentrickepisoden mit Werner. Das die Story dabei keine Bäume ausreist, versteht sich fast von selber, ist aber auch nicht weiter schlimm.

Hauptsächlich kommt es bei "Werner" eh auf den cleveren Zeichentrickspass an und der hat es hier wirklich in sich. Wie schon erwähnt, verarbeitete Brösel sein Jugend in den Werner-Comics und somit erleben wir u.a. mit, wie Werner, mit seinem Chef Röhrich und seinem Kollegen Eckat, bei Frau Hansen eine Heizung reparieren muss, ein riesiges Unheil auf einer Baustelle anrichtet, beim TÜV einen Wurstblinker eintragen lassen will und sich im Krankenhaus einfach nur seine Ruhe sucht. Doch Werner wäre nicht Werner, wenn es in jeder Situation nicht zum überdrehtesten Chaos kommen würde. Der Heizungseinbau entpuppt sich zum Schluss als eine Fäkalüberspülung aller erster Güte, das Chaos aufm Bau endet in einer riesigen Explosion, der Wurstblinker bringt die TÜV-Heinis in die Klapse und das Krankenhaus ertrinkt in einer riesigen Bierflut. Eben alles so, wie man es schon aus den Comics kennt. Dabei bleibt das Ganze aber dennoch stetig komisch, da es hier mitunter so derartig in allem übertrieben wird, dass man einfach nur lachen muss.

Dazu kommt natürlich noch die typische Flachheit der Witze, die, ebenfalls Werner-typisch, hier bis aufs letzte ausgebügelt wird. Die Highlights darunter bilden der berühmte Ruf "Gib mir mal einer Bescheid" - "Bescheid" oder auch "Haun wir uns noch mal ne Stunde aufs Ohr" (Klatsch;)) und natürlich der Daumenkinostreifen "Der springende Punkt"! Dazu "HubschrauBÄR", "BÄRtram oder auch "BÄRbel", die Brösel in Form eines, Überraschung, Bären auf die Leinwand bringt. Flach wie der hohe Norden und wirklich so flach, dass es einfach schon wieder lustig ist.

Des weiteren noch so manch brüllend komischer und dabei herrlich blöder Dialog, wie Brösels Satz, kurz vor seiner Enthauptung,: "Wir trampeln durchs Getreide, wir trampeln durch die Saat, HURRA, wir verblöden, für uns bezahlt der Staat" oder auch so manche Sätze, die schon längst Kultstatus erreicht haben und schon im heutigen Sprachgebrauch anzufinden sind, wie "Ich guck noch mal in die Flasche, wie spät das ist"! Oder "Gas, Wasser, Scheisse"! Viel Flaches wird auch hier geboten, aber dennoch haben Brösels Dialogeinfälle hier einfach noch nen richtigen Schmackes gehabt.

Die einzig wirklich störenden (nicht springenden;)) Punkte sind da vielleicht die Real-Szenen, die mit den Comic-Strips nicht wirklich mithalten können. Die Handlungen um Brösel und seine Versuche, den Film fertig zu stellen, sind mitunter doch unterstes, wenn auch typisch deutsches, Humor-Niveau. Man wollte anscheinend das Niveau der Real-Szenen auf das Niveau der Zeichentricksequenzen bringen und ist daran gescheitert. Denn was auf gezeichneter Ebene brüllend komisch sein kann, dass kann mit realen Darstellern stark scheitern. Zwar gibt es, wie schon bei den Dialogen geschrieben, mitunter auch hier ab und an noch was zum Schmunzeln, doch im Gesamtbild sind diese Szenen eben doch mehr als störend. Aber nun gut!

Brillant dagegen ist die Musikauswahl ausgefallen und die Wahl der Synchronstimmen. Alle hier ausgewählten Musikstücke untermahlen das Geschehen mehr als passend, vor allem der Titelsong von Torfrock geht in die Beine und sorgt für gute Laune. Und Klaus Büchner, der Dünne des Duos "Klaus und Klaus", spricht Werner einfach wunderbar, mit seinem norddeutschen Dialekt! Dazu zwei einprägsame Stimmen für Röhrich und Eckat, die auch eine Glanzleistung in Sachen Synchronisation ablegen. Kurzum, auch in diesem Sektor passt einfach alles!

Fazit: Werners erster Kinoausflug ist ein zum brüllen komisches Stück Kinogeschichte der 90er, dass schon jetzt zu den absoluten Kultfilmen deutscher Komödien gehört! Werners Erlebnisse, mit Röhrich, Eckard, Andy und wie sie alle heißen mögen, sind zwar so flach wie der Norden, aber mindestens genauso komisch. Nur die Rahmenstory mit Brösel und Co. nervt ein wenig. Aber seis drum. Dem positiven Gesamteindruck tut dies keinen Abbruch! Freunde deutscher Komödien und kultigem Comics, sollten sich diesen Spaß jedenfalls nicht entgehen lassen!

Wertung: 8/10 Punkte

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