Review
von Alex Kiensch
Mit Werner hat Comiczeichner Rötger Feldmann eine jener Figuren geschaffen, die sich nur in Extrema einteilen lassen - entweder hasst oder liebt man ihn. Ist für die einen der respektlose Humor, der oft genug unter die Gürtellinie zielt und auch sonst kaum für geistige Höhenschwünge bekannt ist, das Allerletzte, gefällt er durch eben genau diese Eigenschaft den anderen.
Tatsache ist jedoch und das merkt man besonders durch diesen Erstlings-Kinofilm), dass hinter der primitiven Fassade doch eine gewisse Portion Köpfchen steckt. So stellt "Werner - Beinhart!" keinen althergebrachten Kinofilm dar, wie man ihn vielleicht erwartet, sondern spielt gekonnt mit den Ebenen des Films und der Realität, was ihm schon Ansätze von Reflexion über die eigene Entstehung einbringt. Die Mischung aus Real- und Trickfilm erzählt in erster Linie nämlich die Entwicklung des Kinofilms aus den Comics und die Hürden, die sein Zeichner dafür überwinden musste. Die großflächig eingestreuten Zeichentrickepisoden folgen weit weniger einer klaren Geschichte, sondern stellen eher Kompilationen aus verschiedenen "Jugendschwanks" des Autors dar, die anstelle einer nachvollziehbaren Handlung oder Niveaus brachialen Humor der Extraklasse zu bieten haben.
Natürlich zieht sich der Film an Gags wie einem kopfüber in einer überlaufenden Toilette feststeckenden Meister Röhrich hoch, was sicherlich nicht gerade auf anspruchsvolles Kino hindeutet. Aber Verweise auf Komiklegenden wie Buster Keaton, Dick und Doof, Woody Allen und anderen, oder gar die Erwähnung eines Schopenhauer-Zitats am Ende des Films zeigen deutlich, dass sich unter der oft vulgären Oberfläche eine durchaus raffinierte Satire verbirgt, die immer wieder durchblitzt. Trotzdem überwiegt der typische Werner-Humor mit Würstchen als Blinker, explodierenden Gasflaschen, teuflischen Krankenschwestern und dem verwirrten Meister Röhrich, der hilflos ruft: "Eckhart, die Russen sind da!" Nicht zu vergessen das berühmte Fußballspiel am Anfang, bei dem man vor Lachen brüllen muss.
Auch stilistisch bewegt sich "Werner - Beinhart!" auf souveränem Niveau. Der Übergang von Real- zu Zeichentricksequenzen wird mit fortlaufendem Film immer flüssiger, der Comic begeistert vor allem in den Motorradszenen mit rasanten Einstellungen und die Musik des Films tut ihr Übriges, um den Zuschauer bei heiterster Laune zu lassen: Nicht nur das berühmte "Beinhart"-Filmlied, sondern auch der Song, der am Ende bei der Hochzeit in der Kirche von einer betrunkenen Partygesellschaft geschmettert wird, wird so manchem Zuschauer die Lachtränen in die Augen treiben. Insgesamt also ein wunderbarer Film für einen völlig entspannten Abend nach einer anstrengenden Woche: Hirn ausschalten und ablachen!