Review

Ein Unbekannter rennt panisch durch einen Wald. Irgendetwas, irgendjemand scheint hinter ihm her zu sein. Kurz bevor er das rettende Zeltlager erreicht, segnet ihn das Zeitliche.
Geraume Zeit später: Zwei Pärchen fahren zum Relaxen mit dem VW-Bus und einer Palette Bier im Gepäck ins Grüne und landen in dem Wald, in dem sich die Anfangsszene ereignet hat. Tiefer und tiefer dringen sie in den Forst vor. Dass sie irgendwann auf ein verwüstetes Zelt stoßen, beunruhigt sie zwar, veranlasst sie aber noch nicht den Trip abzublasen. Als am Morgen nach der ersten Nacht, die von seltsamen Geräuschen aus dem Unterholz begleitet wurde, die fremde Katsy vor ihren Zelten hockt, ist die Verwirrung aber enorm. Sie erzählt, dass sie mit ihrem Freund unterwegs war, dieser jedoch plötzlich verschwand und nicht mehr auftauchte. Katsy wird von allen Beteiligten freundlich aufgenommen. Als allerdings beim Baden im See auch von ihrer Gruppe jemand spurlos verschwindet, werden die Verdächtigungen gegen Katsy immer lauter…

Mein Gott, wie oft gab’s das in letzter Zeit bitte: Städter, die aufs Land, ins Grüne oder in den Wald fahren, um dort von irgendwelchen Kreaturen, Hinterwäldlern oder Wahnsinnigen gekielholt zu werden. Eine durchzechte Nacht, in der alle miteinander rummachen, dann kommt irgendeinem etwas komisch vor, dann haben die Handys keinen Empfang… Oh Mann, die Story hat echt sooo einen Bart! Mir fallen da auf Anhieb „Eden Lake”, „Descent“, „Severance“, „Gnaw” und „Shrooms“ ein, die nach diesem oder ähnlichem Muster funktionieren, doch es dürften mit Sicherheit noch ein paar Titel mehr gewesen sein. Egal!

Mit DEAD WOOD erreicht uns ein Film (wieder ein englischer!), der die Regeln des (Im-)Waldsterbens wie aus dem Effeff beherrscht. Spannung, Atmosphäre… hier stimmt weitläufig einfach alles. Es gibt mal mehr, mal weniger vorhersehbare Schockmomente und mit Urängsten wird hier gespielt als wären es Legosteine.
Was DEAD WOOD besonders gut macht: er zeigt das Grauen nicht! Er zeigt kein Monster und keinen Killer. Es raschelt, knistert und knarzt aus dem Wald heraus, die Ursache bekommt man erst sehr, sehr spät zu Gesicht, was der Fantasie des Zuschauers genug Spielraum gibt, um Amok zu laufen und sich selbst zu zerfleischen. Geistert da noch jemand anderes im Wald rum? Vielleicht Katsys Freund, der Psycho-Killer? Oder ist doch sie die Wurzel allen Übels? Oder vielleicht doch Trolle? Oder vielleicht leiden alle unter einer Art Zivilisationskoller und halluzinieren!? Ich weiß doch auch nicht, Mensch… WAHHH ! ! !
Ganz hält es der Streifen leider nicht aus, uns im Dunkeln schwitzen zu lassen, ergo: eine finale Auflösung wird geliefert. Bleibt aber die Frage, ob sich der Thrill nicht nachhaltiger und unbarmherziger ohne sie ins Hirn des Zuschauers gebrannt hätte. Nicht dass die Auflösung schlecht wäre. Die stark bedrohliche Stimmung, die zuvor geherrscht hat, geht aber mit ihr deutlich flöten. Was sehr schade ist, kam die Atmosphäre von der Intensität her doch glatt den guten Stellen von „Blair Witch“ nahe.

Schade auch, dass es sich bei DEAD WOOD um ein relativ billig runter gekurbeltes Filmchen handelt. Etwas mehr Budget, eine etwas schmuckere Optik und bessere Schauspieler hätten dem Resultat bestimmt gut getan.

Fazit:
Ja ja ja, ich hab’s begriffen! Im Wald ist es unheimlich und noch viel unheimlicher, wenn es dunkel ist. DEAD WOOD ist solange unheimlich bis das Licht angeht und man sieht, was gespielt wird. Bis dahin hat er aber durchaus seine starken Momente und kommt in etwa einem „Blair Witch Project“ (ich fand den im Kino wirklich gruselig, vor allem diese Szene am Schluss in dem Haus – uuuh!) ohne diesen ganzen pseudo-dokumentarischen Stil gleich.
Das Ergebnis weiß dennoch zu überzeugen, überrascht durch Individualität und ist gar nicht mal so kurzweilig, wie man auf den ersten Blick meinen könnte. Trotzdem: Mit einer etwas schmuckeren Aufmachung, wäre wahrscheinlich mehr drin gewesen und der Vergleich zu „Descent“ und „Eden Lake“ wäre noch zwingender.

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