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Endlich wird ein wenig Klarheit in die Geschichte gebracht, warum man manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht.
Denn dieser britische Horrorbeitrag hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Zuschauer mit einer unheimlichen Atmosphäre in seinen Bann zu ziehen und schlicht auf die Blair-Witch-Schiene zu setzen: Hier werden Leute nicht abgemurkst, sie verschwinden einfach.

Bis das eintrifft, dauert es allerdings einmal wieder recht lang. Denn Webb, Larri, Milk und Jess benötigen mit ihrem VW-Bus einige Zeit von der Stadt bis zum Wald, dann noch mal eine Weile bis das Camp steht und eine weitere Spanne, bis Zwischenmenschliches – ein Paar ist bereits zusammen, das zweite nähert sich vorsichtig an – ausgiebig breit getreten wird.
Erst als die Asiatin Ketsy völlig verstört zur Gruppe kommt und vom Verschwinden ihres Freundes berichtet, beginnt sich die Schlinge enger zu ziehen und die dunklen Mächte auf den Plan zu rufen.

Natürlich wähnt man sich zu Anfang inmitten eines handelsüblichen Slashers, auch wenn die obligatorische Tankstelle fehlt und stattdessen ein Reh angefahren wird.
Doch aus der beinahe sinnlich dargestellten Inhaltslosigkeit mit ein paar gefälligen Songs im Hintergrund, entwickelt sich tatsächlich eine kaum greifbare Stimmung, schwankend zwischen „Long Weekend“ und dem oben erwähnten „Blair Witch Projekt“.
Man spürt vermehrt, dass hier etwas gewaltig nicht stimmt, da verlassene Camps, alte Autos und plötzlich auftretende Insektenschwärme erst den Beginn des Schauderns ausmachen.

Der Fokus liegt im Verlauf bei den undefinierbaren Geräuschen, dem Rascheln, sich wie von Geisterhand bewegender Sträucher im Zusammenspiel mit der finsteren Nacht und den matten Schein einiger Taschenlampen.
Nachdem bereits zwei aus der Gruppe spurlos verschwunden sind und die übrigen ein wenig ziellos durchs Grün irren, gegen Ende noch eine Hütte im Nirgendwo finden, bahnt sich allmählich an, wer oder was hinter all dem steckt und mit welchem Ziel gehandelt wird:
Verschroben, fantasievoll, wenn auch ein wenig undurchsichtig im Gesamtbild erscheinen die Beweggründe des Bösen.

Somit kommt man komplett ohne Bluteffekte aus, spart ebenfalls an CGI und bringt lediglich zum Showdown ein, zwei Schockeffekte, die durchaus ankommen.
Hier steht das Mysterium des Waldes im Vordergrund, lange Zeit nicht personifiziert und minimal angedeutet, bringt gerade das die Wirkung bezüglich einigen Gruselns.
Dass die Darsteller bei alledem gerade so passabel agieren und die Figurenzeichnung nicht allzu groß geschrieben wird, ist genauso verzeihlich wie irrationales Verhalten einiger Personen gerade zum Ende hin.

Dafür erhält man einen gefälligen Beitrag, der mit einfachen Mitteln erfolgreich auf eine bedrohliche Atmosphäre setzt und aufgrund ordentlicher Inszenierung trotz schmalen Budgets zumindest ab der zweiten Hälfte recht gut unterhält.
Schließlich muss das Böse nicht grundlegend wie die Axt im Walde vorgehen…
Knapp
7 von 10

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