Review

Kurze Gruselepisoden, die man in ihrer abstrusen Art teilweise einfach so hinnehmen musste, aber am Ende eine bitterböse Pointe präsentierten, waren das Markenzeichen von „Tales from the Crypt“, der sicherlich populärsten Anthologie im Horrorbereich.
Zwischendurch gab es natürlich immer mal wieder einige Ableger, auch im abendfüllenden Bereich, doch mit Serienformaten hält man sich, wohl auch aus Kostengründen, weitestgehend zurück.
In den USA liefen hingegen sechs Episoden von „Nite Tales“ unter der Regie von Deon Taylor an, nachdem dieser Streifen offenbar einigermaßen Kohle einbrachte, - was im Zuge der eher mittelprächtigen Qualität schon fast ein wenig wundert.

Schon allein, weil als Moderator vor und nach den beiden Geschichten der Poser Flavor Flav eingesetzt wird, der das Zielpublikum mit seinem aufgesetzten Geschwafel kaum beeindrucken dürfte, zumal einige seiner Anpreisungen schlichtweg Quatsch sind und weniger Worte, statt angemessener Mimik deutlich mehr brächten.
Also, Abzug in der B-Note, doch richten wir unser Interesse auf die beiden Geschichten.

Als Erstes geht „Karma“ an den Start. Vier Gangsta-Typen überfallen eine Bank, doch ihr Fluchtwagen macht inmitten des Waldes schlapp und man versucht, die Aktion in einem abgelegenen Haus unter Kontrolle zu bringen. Die Bewohner entpuppen sich jedoch als gnadenlose Moralinstanz…

Die erste Episode ist gekennzeichnet von bemüht wirkender Authentizität um die vier dunkelhäutigen Verbrecher und der krassen Gegenüberstellung einiger Redneck-Klischees.
Das erzeugt zwar zuweilen eine beklemmende Atmosphäre, als das Telefon im Hinterwäldler-Haus nicht funktioniert und die scheinbar unerschrockenen Verbrecher immer kleinlauter werden, da hier andere Regeln herrschen, als jene, die auf coolen Sprüchen und Einschüchterungen basieren.
Doch die Story gestaltet sich nur insoweit spannend, bis die Hinterwäldler ihr wahres Anliegen äußern, was zu groben Handlungslücken, als auch dramaturgisch unausgereift inszenierten Konsequenzen führt. „Wer anderen eine Grube gräbt“ lautet hier das Motto, doch das recht offene Ende des Beitrages kann nicht kaschieren, wie wenig effektiv diverse Szenen zusammengeschustert wurden, was auch für die kleinen Splattereinlagen gilt, die aufgrund visueller Schnörkeleien latent verfremdet erscheinen.
Ein Aha-Effekt bleibt bei all den ominösen Vorkommnissen zunächst völlig aus.

Das ändert sich hingegen mit der zweiten, wesentlich besseren Geschichte „Storm“, da hier das offene Ende vom ersten Teil kurz eingebunden wird und letztlich doch so etwas wie eine zufrieden stellende Kontinuität erfährt.
In einer stürmischen Nacht ziehen ein paar Jugendliche das mystische Ritual um die legendäre „Bloody Mary“ durch, woraufhin ein als Clown verkleideter Typ (Tony Todd) an der Tür klingelt, um mal eben zu telefonieren. Kurz darauf erscheint ein Cop, der bei dem Unwetter sein Funkgerät verloren hat, doch im Haus segnen die jungen Leute nach und nach das Zeitliche…

Hier hat man die Erzählung recht geschickt mit Spannungsmomenten versehen, da nicht von vornherein klar ist, ob sich der Fluch der Bloody Mary bei den „Spielbeteiligten“ erfüllt, oder ob Clown/Cop nicht eventuell ein ganz fieses Spiel anzetteln.
Tony Todd liefert mit der Verkleidung als Clown eine herrlich finstere Vorstellung ab und stiehlt damit sämtlichen Jungdarstellern die Show, welche ohnehin nur als stereotyp gezeichnetes Kanonenfutter dienen.

Die gegenseitigen Verdächtigungen sämtlicher Figuren inmitten eines Hauses, in dem kurzfristig weder Strom noch Handy funktionieren, schürt phasenweise eine klaustrophobische Atmosphäre, welche allenfalls durch die mutlose Darstellung der verschiedenen Ableben unterbrochen wird.
Leider will man dieser Geschichte zum Ende hin auf Biegen und Brechen eine zynische Note verpassen und versaut mit dem Abschlussgag ein wenig die Pointe.

Insgesamt betrachtet bietet „Nite Tales: The Movie“ passable Unterhaltung. Wenn auch der Moderator eher nervt, als eine angemessene Stimmung zu vermitteln, punkten bei beiden Episoden atmosphärische Momente und obgleich Elemente wie Schauwerte und humorvolle Einschübe ein wenig auf der Strecke bleiben, kommt zu keiner Zeit wirklich Langeweile auf.
Das Projekt ist definitiv noch ausbaufähig, doch für Freunde kurzweiligen Episodenhorrors zumindest einen recht vorsichtigen Blick wert.
5,5 von 10

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