Obwohl Regisseur Alfred Vohrer 1959 einen weiteren Spielfilm mit dem gleichen schlagkräftigen Titel gemacht hat und hierbei sicherlich auch eine Anpeilung beabsichtigt war, unterscheiden sich beide Projekte stark. Nicht nur dass die frühere Verfilmung auf einem Roman von Walter Ebert basiert und die spätere nach einer Kurzgeschichte von Herbert Reinecker entstanden sein soll, auch die Handlungen selber gehen auseinander und sprechen noch nicht einmal wirklich die gleichen Themen an. Bei einem direkten Vergleich merkt man sicherlich am deutlichsten, wie stark sich der Anspruch des Publikums sowie seiner Macher geändert hat. Ende der 50er stand man noch auf Kitsch und Halbstarkenromantik: Der Erste ist ein Krimidrama um einen Primaner aus gutem Hause, der unverstanden von Lehrern und Eltern auf die schiefe Bahn gerät und durch einen Arzt und die Liebe zu einem Waisenmädchen wieder auf den rechten Pfad gebracht wird.
Auch dort schon etwas angereichert und gewürzt, aber durchaus noch für die Geschichte dienend; in den 70ern durfte es dann schon in allen Belangen eine deftigere Note haben. Also knapper Aufbau, dann die Konzentration auf Sex und Gewalt. „Ein Film in der Sprache der Jugend von heute.“
Hierbei haben die Pennäler ausser Flausen auch nichts im Kopf, der Film zeigt auch mehrere Schicksale auf, aber schert sich rein gar nicht um die Hintergründe. Es ist kein Problemfilm, wie er gerne weissmachen will; nicht dafür da um zumindest etwas die Finger auf offene Wunden zu legen, sondern bloss produziert, um mit seiner reisserischen Aufmachung die Zuschauer ins Schmuddelkino zu locken.
Es wird jeder der drei Geschichten knapp 25 - 30min zugestanden und allein der jeweilige Vorgang bebildert; nur die Wirkung, nie die Ursache. „Spannend und hart, nach authentischen Fällen gedreht.“
Ist es schon nicht spannend, aber zumindest aus zeitgenössichen Gründen im Nachhinein interessant, so ist bei der Umsetzung dann gleich gar nichts authentisch. Ausser wenn man davon ausgeht, dass die Schulmädchenreporte wirklich wahres Leben darstellen [ Nein, sie tun es nicht ].
So sehen die Lehrer hier genauso alt aus wie ihre Schüler, welche mit 18 auch schon einen stattlichen Schnurrbart aufweisen; auch den Mädchen muss man bescheinigen, dass sie für ihre vermeintliche Jugendlichkeit sicherlich schon einiges im Leben erlebt und durchgemacht haben.
Folge 1 startet direkt mit einer Beerdigung und schliesst auch damit, Gott hat es gegeben und Gott hat es genommen. Was denn überhaupt wird in der Rahmenhandlung erzählt, „der fesselnde Bericht über Jugendliche, die in den Strudel der Kriminalität geraten.“
Wobei bezeichnend das Läuten der klagenden Kirchturmglocke mit dem Bimmeln der Schulklingel abgelöst wird. Kunstlehrer Melzer [ Felix Franchy ] nimmt in seinem abwechselnd autoritären / demokratischen Führungsstil unaufmerksamen Schülern ihre Pornographie weg und gibt ihnen dafür Masturbationstipps. Sowieso entspricht die sexuelle Komponente im Klassenzimmer schon mehr als einem verbalen Vorspiel, mittlerweile war man halt durch diverse Reports aufgeklärt.
Schülerin Sabine will dies beweisen und ihrem angebetenen, aber verbotenen Schwarm nach der Stunde auch ihre Bilder zeigen, die natürlich alles Aktzeichnungen sind. „Vielleicht schauen Sie sich auch mal meine anderen Sachen an“ haucht sie, und nestelt an ihrem Pullover herum, wobei prompt ein Knopf abfällt und damit das halbe Oberteil gleich mit. „Das Handwerkliche beherrschen Sie ja schon, wie ich sehe“, aber dennoch reizt ihn der Blick von den Schulterknochen bis zum Bauchnabel nicht besonders.
Dafür ist der geneigte Zuschauer durch den Einblick schon einmal angefixt; das Prinzip der Individualisierung des Unterrichts durch größere Vielfalt und Spontanität wird auch schnell bedeutender: Sabine lädt ihn erst zu sich nach Hause und als das nicht zieht noch auf eine Veranstaltung mit einem Künstler ein; Unterrichtsverhalten muss sich variabel entsprechend der jeweiligen Lerninhalte, -ziele, Ausbildungssituationen und Organisationsstruktur einstellen können.
Aus dem Schäferstündchen wird aber nichts, da drei Mitschüler von Sabine eifersüchtig sind, nicht auf normalen Wege zum Schuss kommen und dies mit Narkosetropfen im Cognac versuchen. Eine Schnapsidee sozusagen, und ausser „aus Zynismus und Unerfahrenheit begehen Sie die schweren, grausamen Straftaten“ hat man auch keinerlei Anhaltspunkte für die Absichten und Motive der Delinquenten.
Das Ende geht dann sehr huschhusch, vielleicht waren die 25min um oder die Ideen der Autoren; aber zumindest war Sabine mittlerweile ein zweites Mal nackt, es fand eine Autojagd sowie eine Explosion statt und tot ist auch jemand. Schliesslich muss man ja zur Beerdigung zurückgelangen. Wer hierbei noch nicht mitbekommen hat, dass es sich bei dem Film um einen Dreiteiler handelt, steht erstmal mit vollkommen leeren Händen da. Man hat kaum die Namen der drei Täter im Kopf noch weiss man genau was geschehen ist und ausser den durch einen Sprecher vorgetragenen Haftstrafen ist auch alles andere unklar. Ist Melzer nicht mal aufgefallen, dass ein persönlicher Kontakt zur anbiedernden Sabine seine Karriere als Studienrat nicht gerade förderlich ist ? Wie kam die Straftat – ein Teilaspekt wird nicht mal gezeigt – denn nun genau ans Tageslicht ? Sicherlich war die spätere Vertuschung sehr dilletantisch, nur sonst hätte man die Actionszenen nicht gehabt. Aber warum hat sich das Trio entzweit, wenn sie doch alle bis zum Hals drinsteckten ?
Folge 2 hat nicht nur die besseren Erklärungen parat, sondern weist auch eine richtige Geschichte auf, die sich mit einigen Wendungen und mehreren Parteien vor allem in Bezug auf das Drehbuch wesentlich mehr Mühe gibt. Auch wenn man hier skripttechnisch noch lange nicht das vollständige staatliche Curriculum anbietet. Auch die Regie Vohrers ändert sich nicht; das Geschehen ist immer noch so unattraktiv wie zuvor eingefangen, was nicht nur an der tristen, nasskalten Landschaft Deutschlands liegt. Ausserdem findet das Verbrechen hier wirklich nach Schulschluss statt und hat gar nichts mit irgendwelchen Nöten Heranwachsender zu tun; wenn man einmal von der sexuellen Leidenschaft auf die eigene Tante absieht. Ulrich [ Achim Neumann ] hat es nämlich auf Frau Gregor abgesehen, die mit seinem Onkel, einem Bankdirektor verheiratet ist. Zweigleisig fährt er auch noch, zumindest macht sich seine Mitschülerin Betty beträchtliche Hoffnungen auf ihn. Als Ulrich für seinen schuldenträchtigen Onkel die Entführung seiner Frau vortäuschen soll und man so „legal“ an 5 Millionen herankommen will, wird Betty unfreiwillig mithineingezogen. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Sicherlich ist der Ausgang des Geschehens kein Grund, um schlaflose Nächte und abgeknabberte Fingernägel zu kriegen, aber hier passiert mal etwas; auch wenn es sich nun noch mehr um einen puren Kolportagekrimi handelt. Dadurch fehlt es aber auch immens an Action und Erotik.
Frau Gregor ist zwar zweimal nackt, aber ohne full frontal nudity und das Liebesspiel zwischen ihr und dem Jungspund heizt auch so nicht die Atmosphäre an; zugute kommen tut der Episode dann wirklich allein der Verbrechensplot. Und wie man sieht, macht die kriminelle Natur keinen Halt vor der Schickimicki – Gesellschaft; da nützen eine noble Privatschule samt eigenem Zimmer, Römischen Bad im Haus, langjährigen Erfahrungen in der pädagogischen Arbeit und individuelle Beschulung auch nichts.
Am Ende steht übrigens die wahre Liebe. Neue Wege hin zum Ziel.
Folge 3 beweist dann eindeutig, dass das Beste zum Schluss kommt und aller guten Dinge Drei sind. Hierbei startet man wieder mit Glockengeläut, vielleicht ist es auch die gleiche wie zu Beginn; die Missetaten finden wahrscheinlich alle zur gleichen Zeit überall im Lande statt.
Diesmal wird sogar die Stadt, in der das Geschehen stattfindet genau klassifiziert; zumindest weisen die Fahrzeugkennzeichen PA auf Kreis Passau in Bayern hin.
Nun kommt auch endlich die langersehnte Motorradgang ins Blickfeld, die auch solange martialisch wirkt, bis die übliche 70er Jahre Bumsmusik anfängt; dafür legt im Gegenzug auch sofort die Action los: Die Motorradbande hat nämlich auf ihren destruktiven Feldzügen durch die Schneelandschaft einen ebenfalls motorisierten Verfolger an den Fersen. Welcher durch seine Kleidung komplett in rot zwar auffallen sollte wie ein bunter Hund, aber trotzdem einen nach den anderen der lokalen Killers on Wheels fertig macht. Er holt sie mit einer Eisenkette von ihrem Gefährt, dann gibts den gefürchteten Karateschlag aus dem Easternkino und die halb Bewusstlosen werden mit Handschellen an ihren Maschinen gekettet.
Die Polizei freut es. Den Zuschauer ebenso, da hier endlich mal eine ganze Menge im Gange ist und sich in den ersten 2/3 der zugegeben begrenzten Laufzeit die Verfolgungsjagden und Stunts häufen.
Wenn man auf dem trüben Bildmaterial noch genau sehen würde, was wann wo passiert, wäre es sogar noch einen Tick besser; aber auch so bringt der Schwung viel frischen Wind in die milieugeschädigte Angelegenheit.
Was genau passiert ist total Banane und dass sich hinter dem roten Blitz ausgerechnet Chefstewart Victor befindet – Sascha Hehn, für alle die Das Traumschiff nicht verfolgt haben – stört auch nicht weiter; aus dem Setting hätte man sogar einen ganzen Film machen können. Und es vielleicht auch besser machen sollen, wenn man sich die Vorgänger ansieht. Aber auch hier ist nach einer halben Stunde Schluss; die narrative Erklärung erfolgt übrigens erst hintendran in Form einer Rückblende. Und die Darsteller sind hier mit grossen Abstand am Übelsten, was wirklich eine Kunst ist.
Nützliche Adressen für Politologen / Sozialwissenschaftler werden in der Episode natürlich erst gar nicht geboten, aber derartiges Deutungsmaterial findet man auch in den anderen sowieso nur mit dem Brennglas. Hat sicherlich auch keiner erwartet. Genausowenig wie, dass dies ein wirklich guter Film ist.