Review

Erstkontaktaufregung mal anders, nämlich aus Meisterhand derer von Carl Sagan persönlich.
Der hatte mal ein ganz interessantes Buch zu dem Thema verfaßt, das weder extrem sensationsheischend noch staubtrocken war und Robert Zemeckis kann ja bekanntlich aus fast jedem Thema einen ansehnlichen Film machen.

So geschehen mit "Contact", der das Thema rund um die Auffindung von Aliens, bzw. unsere Auffindung durch sie mal anders anpackt, halbwegs realistisch. Das bedeutet konkret: reichlich Macht- und Kompetenzgezicke, wer denn nun den Daumen draufhalten darf, Einmischung der Kirche, weltliche und moralische Fragen, politische Intrigen, Finanzierungsprobleme und das alles hübsch eingebettet in die Lebensgeschichte der weiblichen Hauptfigur, die, wie so viele junge, emanzipierte und kontroverse Frauen in Hollywoodstreifen Jody Foster spielen darf, weil wir nur ihr so etwas auch abnehmen würden.

Tatsächlich ist das größte Plus dann eben genau dieser Schmutz unter den Fingernägeln, denn gemeinsam mit Mrs.Foster geraten wir in eine Lawine der o.a. Fallstricke, wobei sie doch nur ihren Lebenstraum bestätigt sieht, als sie Signale von Außerirdischen empfängt und gern weiterforschen möchte.
Für Science-Fiction-Fans der härteren Gangart mag das recht dröge und trocken wirken, aber der Film hat trotzdem und gerade mit seinen vielen namhaften Darstellern eine innere Dramatik, die Effektspektakeln meistens zugunsten von Schauwerten abgeht.

Also nicht, daß man jetzt denken müßte, der Film würde nur in schummrigen Labors spielen; nein, Zemeckis zieht das schon prachtvoll auf, in etwa wenn Foster unter der (real existierenden) Ansammlung von riesigen Radioteleskopen in einer absoluten Einöde in Mexiko sitzt und in den Weltraum lauscht, erfaßt einen Ehrfurcht.
Und bei so manchen Entdeckungen, vom Signal zur Botschaft, kribbelt es weiter.
Richtig erschauern kann man, wenn man sieht, wie an der US-Küste ein monströses Ding von Zeit- und Raummaschine erstellt wird, höchstpersönlich befürwortet von einem geschickt in den Film kopierten Bill Clinton. Lauf, Forrest, lauf.

Wer seinen Kopf nicht nur für das Popcorn dabei hat, kann sich auch an den andiskutierten psychologischen, moralischen und religiösen Fragen hochziehen, wenn etwa ein nicht gottgläubiger Mensch die Raumreise eben nicht machen kann (Alle nicht Kirchenmitglieder dürfen an McConaughey gerne mal herumwürgen, der hier, wieder mal freundlich fehlbesetzt einen Kirchenberater mimt.) Als Schmankerl zwischendurch dann solche Intermezzi wie ein äußerst spannender Terroranschlag auf das fast fertige Projekt.

Dennoch: "Contact" funktioniert nicht immer. Man ist zwar bemüht, Foster in einem Zusammenhang zu präsentieren, der Identifikation ermöglicht, doch ist die Gute so sehr einfach auf die Wissenschaft fokussiert, daß ihr jegliche Finesse im Umgang mit den Mächtigen der Welt völlig abgeht, was so manches problematischer erscheinen läßt, als es sein könnte. Darüber hinaus schlägt sie sich (nach "Schweigen der Lämmer") zum zweiten Mal mit einem früh abgetretenen Daddy herum und dem daraus resultierenden Komplex.

Die Reise ins All an sich ist gebührend ausufernd visualisiert, doch hier wäre ein wenig weniger mehr gewesen, die Dramatik, die Leuchtkraft, die Farben, der Ton, alles volle Pulle, als müsse doch noch Bombast her. Dann jedoch fällt die Dramatik in ein tiefes Loch, wenn der Heldin angesichts einer fernen Milchstraße (oder was weiß ich) das jaulende Elend kommt, ehe ihr die Aliens (die wir ja nun endlich mal sehen wollen) in einer nachgestellten Umgebung mit einer ihr bekannten Person kommen, weil keiner erschreckt werden soll.
Was soll ich sagen: es ist Daddy!
Das ist dann zwar die Quadratur des Kreises in der Filmlogik, aber dennoch dürften alle SF-Fans jetzt aufheulen.
Immerhin kommt uns dann das Drehbuch noch mit einem runden Abschluß, der vieles für ein Weiterspinnen der Geschichte offen läßt.

Dennoch mag ich den Film ausgesprochen gern, weil er eben erfreulich anders ist und jedem seine eigene Meinung läßt. Allerdings wagt er nicht den letzten Schritt, eine Vision contra bestehende Zustände zu gehen. Die Kirche, die Nasa und die Regierungen brauchen sich also nicht aufzuregen. Schade eigentlich (8/10)

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