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Die Diskussion, ob „Die Hard“ ein Weihnachtsfilm ist oder nicht – geschenkt. Ein Fest ist er allemal. Zumindest für viele Freunde des Actionkinos stellt das von John McTiernan inszenierte Werk einen Klassiker dar. In diesem kommt der New Yorker Cop John McClane nach Los Angeles, um seine von ihm getrennt lebende Ehefrau Holly zu besuchen. Die weilt auf einer Weihnachtsfeier im Firmenhochhaus, welches nach Johns eintreffen von einer bewaffneten Gruppe geentert wird. 

Und so nimmt Johns Heldenwerdung ihren Lauf. Untypisch für seine Entstehungszeit mit ihren unkaputtbaren Arnies und Slys ist Hauptfigur John McClane relativ nahbar. Er ist kein Muskelberg, sein Weg durch die oberen Etagen des Nakatomi Plaza sind mit Pein und Blut garniert, John muss einiges einstecken. Er ist einfach ein Typ, der in diese Situation gerät und versucht, durchzukommen. Ok, als Cop kann er mit Waffen umgehen, dennoch wird die Figur nie übermenschlich und bleibt so immer ein Anknüpfungspunkt. Willis verkörpert diesen Typus ansprechend und in seiner Grummeligkeit sympathisch. Und ist seine Figur auch zu einer der bekannten Actionhelden geworden, so steht ihm Alan Rickman auf der anderen Seite in nichts nach. Sein Hans Gruber ist ein charismatischer Schurke, von Rickman famos gespielt, seine Szenen sind immer ein kleines Highlight. Kein lauter und eben dadurch ein so bedrohlicher Bösewicht.

Auch die Nebenrollen sind passend besetzt. Bonnie Bedelia sticht in der einzigen relevanten weiblichen Rolle als Holly heraus, sie kann sich dazu auch darstellerisch in ihren paar Szenen als selbstbewusste Figur gut zwischen den Herren behaupten. Reginald VelJohnson macht als Al Powell einen guten Job mit manchen Buddy-Cop-Elementen, Robert Davi arbeitet beim FBI, Paul Gleason bei der Polizei und selbst Norbert „Vigo“ Grupe kommt hier vor die Linse. Er und seine Schurkengesellen sind angenehm kompromisslos, wenn die Deutschkenntnisse auch manchmal eher erheiternd sind. 

Spaß machen auch die Actionsequenzen. Dabei liefert „Die Hard“ kein Dauerfeuer und lässt immer auch den Blick auf die Parteien drinnen und draußen schweifen, dennoch kracht es immer wieder ganz ordentlich. Feuergefechte und manche Explosion erfreuen das Auge, blutleer ist die Chose ebenfalls nicht. Klassisches Actionkino von damals eben, da gibt es nichts zu meckern. Auch sorgt McTiernan für ein ausgeglichenes Tempo, ohne zu hetzen erhält er den Fluss aufrecht. Gefilmt ist das alles gekonnt von Jan de Bont, der immer Übersicht bietet und für Orientierung sorgt. Er etabliert die Handlungsorte nachvollziehbar und verstärkt so die Immersion, wenn man den Figuren durch das Hochhaus folgt. Diese werden durch das Skript immer wieder unaufdringlich charakterisiert, verbal und auch durch Handlungen, ohne dass man in Exposition ertrinkt. „Die Hard“ ist in mehrerlei Hinsicht einfach bemerkenswert effektiv geschrieben und ausgeführt. 
Michael Kamens Score bietet die passende Untermalung, insbesondere die Variationen von Beethovens „Ode an die Freude“ fallen immer wieder auf. Audiovisuell ist „Die Hard“ gekonnt umgesetzt, die eine oder andere inszenatorisch zu kritisierende Kleinigkeit fällt da kaum ins Gewicht. 

„Fists with your toes.“

Was soll man noch großartig über diesen Film schreiben, das nicht schon überall steht? „Die Hard“ ist ein zeitloser Kracher, der sowohl auf der Helden- als auch der Schurkenseite großartige Figuren bietet, bemerkenswert effektiv geschrieben sowie umgesetzt ist und das Genre geformt sowie Nachahmer inspiriert hat. Die gut dosierte und inszenierte Action rundet das Paket mitsamt der gelungenen Kameraarbeit ab - fertig ist der Genreklassiker. 

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