2002 kamen mit "Bad Company", "Der Anschlag", "Triple-X", "007 - Stirb an einem anderen Tag", "Die Bourne Identität" und "Spy Game" gleich ein ganzer Schwung an Agenten-Filmen in die Kinos. Während die Einsätze von Brosnan und Diesel in phantastischen Gefilden ausuferten, blieb Ben Afflecks bisher einzige Jack Ryan-Mission auf dem Boden, aber von der Handlung her immer noch ein wenig unglaubwürdig. Chris Rock orientierte sich ohnehin eher in die komödiantische als realistische und spannende Richtung. Den Blumentopf sollte schließlich Matt Damon als CIA-Agent ohne Erinnerung gewinnen, während Pitt und Redford eine ebenso realistische, wenngleich etwas spannungsarmere Geschichte zu erzählen hatten. Eingefangen wurde diese von Regie-Multitalent Tony Scott (True Romance), der hier sein Süppchen allerdings auf Sparflamme kocht.
Ob in Berlin, Beirut oder Vietnam - 30 Jahre lang war Nathan Muir (Robert Redford) für die CIA in den Krisenherden dieser Welt im Einsatz. Nun, 1991, steht er vor seiner Pensionierung. Da erreicht ihn die Nachricht, dass sein Schützling Tom Bishop (Brad Pitt) in China wegen Spionage zum Tode verurteilt worden ist. Während Muir an Bishops Befreiung arbeitet, erinnert er sich an die Missionen mit dem idealistischen "Greenhorn"...
Routiniert wickelt Robert Redford (Sneakers) den Part des Mentors und CIA-Profis ab, da er bereits in den 70ern schon auf derartige Rollen ausgelegt war. Jene Rollen die man Redford damals anbot, bekommt heutzutage Brad Pitt (Kalifornia) zugespielt. Auch er kommt mit seinem Rollencharakter gut zurecht und weiß diesen ins rechte Licht zu rücken. Ein wenig blass bleibt hingegen Catherine McCormack (Braveheart) in ihrer Rolle des Love Interests und möglichen Spions der Gegenseite.
Was Tony Scott eindeutig drauf hat, ist, seine Filme in brillianten Bildern und stylischen Sequenzen zu erzählen. Auch hier schreckt er nicht davor zurück, seinem manchmal etwas zu übertriebenen Stil freien Lauf zu lassen. Visuell ist "Spy Game" damit erste Sahne. Wo es bei der Optik hin und wider auch mal was zu viel werden kann, bekommt an hinsichtlich der Handlung und Action zu wenig geboten. Wer hier auf astrein chorepgraphierte Ballerorgien a'la "True Romance", Last Boy Scout" und "Mann unter Feuer" hofft, der wird mit "Spy Game" leer ausgehen. Mehr siedelt der Film bei T. Scott-Werken wie "Crimson Tide" und der "Staatsfeind Nr.1" an, ohne aber deren Ausnutzung des Spannungspotentials zu haben. Denn während Muirs Versuche Bishops Leben hinter dem Rücken seiner CIA-Vorgesetzten in der filmischen Gegenwart zu retten, so ziehen sich seine Schilderungen vergangener Ereignisse überwiegend uninspiriert und lahm dahin. Der Vietnam-Anfang kommt da noch am besten weg, während die Berlin-Mission nur als so was wie Füllmaterial darstellt und die Rekrutierung Bishops auch zu schnell über die Bühne gezogen wird. Damals war der Kalte Krieg noch ein heißes Eisen und Filme mit US-Spionen im Ostblock gefragt. Heute eher weniger, da man sich aktuellen Geschehnissen zugewendet hat. Aktueller wirds auch etwas mit der Beirut-Story, wo zudem noch eine Liebesgeschichte eingebaut wird, wegen der es zu Bishops China-Verhaftung erst gekommen ist. Einzige spannende Zerreißprobe für die Nerven bleibt da dann auch jener Teil, wo der Attentäter-Doc auf dem Weg zum lokalen Warlord ist, während man schon die schießwütigen Rambo-Rebellen anrücken um Krawall zu machen. Wer nun zuerst beim Warlord aufkreuz, und wer von beiden (Bishop oder Muir) mit seiner Taktik scheitert und wer nicht, bleibt der wirklich einzig spannende Moment im Film. Die anschließende Befreiung Bishops und seiner Liebsten in der 91er-Gegenwart wurde dann recht unspektakulär insziniert, und man fragt sich als Tony-Fan beim Abspann: "Das wars?" Von den Locations her kann sich "Spy Game" ebenfalls sehen lassen, den sowohl die Beirut- als auch Vietnam-Szenen wurden recht eindrucksvoll eingefangen. Lediglich für Berlin musste Budapest als Double herhalten. Der Score geht in Ordnung, auch wenn eben nicht herausragend.
So bleibt Tony Scott mit "Spy Game" weit hinter seinen Möglichkeiten zurück, so, dass nur halbwegs spannende, jedoch actionarme Agenten-Kost zurückbleibt. Netter Backflash-Thriller. Mehr aber nicht.