Review

"Spy Game" - der vielfach zu hochgelobte 2002er Sommerstreifen von Tony Scott - ist der absolute Niedergang des Genres der Agenten- und Spionagethriller.

Selten habe ich eine derart lose, sinnentleerte, verkorkste und unplausible erzwungene Zusammenführung verschiedener Storyideen und bemühter Handlungselemente gesehen. Das Drehbuch versucht ständig, alles an weltpolitischen Krisenherden abzudecken, eine pseudohistorische Chronologie der CIA - "Covered Operations" zu erzählen und auch noch eine persönliche, charaktertiefe Entwicklung zu implementieren.

Dies geht also gründlich in die Hose.
Zu aufgesetzt und merklich in den Klischees ihrer Rollen steckend spielen die sonst so begabten Protagonisten Robert Redford, der immerhin einen gewissen natürlichen Charme abseits der Rolle ausstrahlt, und Brad Pitt, der hier praktisch gar nichts zu tun hat und chronisch unterfordert ist;
zu altbacken wirkt der Versuch der gestaffelten und konstruierten Rückblicke, zu unpassend und unlogisch sind viele Wendungen und Ereignisse;
zu selten hat der Film magische inszenatorische oder charakterliche Momente, alle Ansätze verpuffen hier im verquasten Konstrukt der Rahmenstory;
zu unglaubwürdig und schwachsinnig ist Redfords Endaktion und die Storyauflösung, eine klischeehafte Unplausibilitätssammlung sondergleichen;
zu sehr auf "modern" und popculture-like getrimmt ist die gesamte wirre Inszenierung des Films, mit den nervigen, aber offenbar heutzutage nötigen, unpassenden hektischen und ruckelnden Kamerafahrten, Zooms etc.;
zu unklassisch und gezwungen reißerisch und modern ( passend zur Inszenierung, s.o. ) will die Musik von Harry Gregson-Williams sein, der schon weit bessere und passendere Kompositionen vorgelegt hat;
zu... nervig und unmotivierend ist einfach der gesamte Film.

Tony Scott sollte nicht versuchen, sich ( auf der Welle der qualitativ ebenfalls fragwürdigen neueren Ridley Scott - Inszenierungen? ) weiter gezwungen als Stil-Experimenteur vermeintlich zu etablieren, vielmehr täte ihm eine Besinnung auf seine frühere, handwerklich sehr solide Arbeit gut, lieferte er mit den professioneller und stilechter inszenierten ( wenn auch eher klassischer orientierten ) "Crimson Tide", "True Romance" und "The Last Boy Scout" durchaus hervorragende Topfilme ab.

"Spy Game" bleibt der verkorkste Versuch, mit Versatzstücken aus "Das Kartell" und "Scorpio - Der Killer" einen moderneren Spionagefilm zu kreieren.
Der Versuch mißlang, das Ergebnis ist mehr als schwach und der sonstigen Klasse des beteiligten Stabs nicht würdig.

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