"Spy Game" schmeckt an allen Ecken und Enden nach gewolltem Stilmix, nach künstlich aufgepumpt und bei genauer Hinsicht ohne Inhalt.
Dazu hat man die Stars zweier Generationen gepaart, Redford für die älteren, Pitt für die jüngeren, die sich hier als CIA-Mentor und Jungagent die Bälle zuspielen. Das klingt tatsächlich nach einer reizvollen Kombination, nur leider sitzt auf dem Regiestuhl Tony Scott und der kann so gar nicht aus seiner Haut.
Und so sieht das Ergebnis dann auch wie der neueste Top Gun-Klon im Technoland aus.
Aber von vorn: es ist Redfords letzter Tag bei der CIA, als sein jugendlicher Spezi in good old China auffliegt und eingekastelt wird. Wie die Chinesen nun mal so fies sind, soll er auch stande pede hingerichtet werden. Grund genug für einen filmlangen Rückblick auf die Beziehung zweier Männer.
Natürlich bastelt Redford nebenbei noch an der Angelegenheit herum, bemüht sich, daß der Fall nicht vertuscht der Agent nicht aufgegeben werden kann, aber das geschieht mehr in Inserts, während das Hauptaugenmerk auf den Vergangenheitsepisoden liegt.
Womit wir auch schon bei der eklatanten Schwäche des Films wären, denn Scotts Bilder liefern zwar wieder mal bewährte Ästhetik, aber sie forcieren keinen Plot, wo keiner ist. Redford wird dabei betont mysteriös gezeichnet, während Pitt ein absolutes Chiffre bleibt.
Die Vietnam-Kennenlernen-Episode samt Killer-Anschlag durch Pitt ist formal gesehen plattestes Optikkino ohne Hintergrund. Der zweite Rückblick führt nach Ost-Berlin, wo ein Funktionär eigentlich in den Osten geschmuggelt werden soll, bis der Plan platzt und Pitt zum ersten Mal mit seinem Gerechtigkeitssinn hadern muß. Bis auf diesen Ansatzpunkt bleibt auch diese Episode vollkommen an der Oberfläche, liefert zwar ein paar dramatische Bilder, aber wenig mehr.
Später verlagert sich das Geschehen in den 80ern auch noch nach Beirut, wo man sich etwas mehr Zeit läßt, einen Mordanschlag weiter ausarbeitet, eine Frauengeschichte hinzufügt und das Spiel etwas doppelbödiger macht. Dennoch ist Scotts Film auch hier nur plakativ: keine Kritik an der CIA, keine Einbindung in den historischen Hintergrund, einfach nur ein sperriger Pitt und ein wortkarger Redford.
Der puzzelt sich in der Gegenwart dann noch einen windigen Plan zusammen, mit deren Hilfe er mittels militärischem Eingreiftrupp ein chinesisches Gefängnis stürmen läßt.
Leider hätten wir genau diesen Fall etwas genauer ausgebreitet gehabt, denn in all den Szenen, in denen der bereits zum Alteisen gelegte CIA-Veteran mit allen Winkelzügen sich bemüht, im Spiel zu bleiben, ist tatsächlich den ganzen Film wert.
So kann man auch problemlos Pitts Wert für diesen Film erkennen: es gibt nämlich keinen, da außerhalb der Beirutepisode auch jeder beliebige andere Schauspieler den Part erfüllen könnte, der arg blaß bleibt und keinerlei Emotionen erweckt.
Aber das ist auch nicht nötig, wenn man den üblichen Look von Scotts Film betrachtet, der unpassenderweise Szenen in der DDR mit computergesteuerten Reißschwenks verbindet, was überhaupt nicht passen will. Es werden reichlich Filter eingesetzt, damit das Licht immer passend fällt, aber damit hat es sich dann auch. Erzählerisch kann der Film nichts bieten, zumindest kein Figureninteresse.
Was bleibt, ist ein seelenloses Actionprodukt, das vordergründig bemüht ist, über ein Verhältnis zweier Menschen zu berichten, die gar keine Beziehung zueinander haben und deswegen auch keine Brücke zu uns schlagen können. Zwar kommt da und dort Spannung auf, aber wenn die ständigen Rückblenden der eigentlichen Handlung nichts bringen, außer sie aufzuhalten, nützt der beste Kniff am Schluß wenig. Schnell vergessen! (5/10)