Dies ist die Geschichte von Anna Anderson, der Frau, die bis zu ihrem Tod im Jahre 1984 behauptete, Großfürstin "Anastasia" zu sein, das einzig überlebende Kind des russischen Zaren Nikolas II. Für viele wurde die Erzählung ihres Lebens eine der großen Romanzen des zwanzigsten Jahrhunderts: Die Kindheit als Adelige, die Flucht vor dem Henker und der Kampf, den Adelstitel zurück zu gewinnen. Laut den Geschichtsbüchern wurde "Anastasia" im Jahre 1918 zusammen mit ihrer Familie hingerichtet, doch ihr Mysterium lebt bis heute.
Zwei Jahre nach dem Tod der realen Anna Anderson erzählte man deren Geschichte in diesem TV-Zweiteiler noch einmal nach. Ich kann jetzt mangels Detailwissen nicht wirklich sagen inwieweit diese Biographie jetzt den genauen Tatsachen entspricht, aber zumindest in den groben Zügen scheint man sich doch an den realen Ereignissen zu orientieren.
Nach einem mißglückten Selbstmordversuch wird eine Frau aus dem Fluß gefischt, die sich als letzte Überlebende der Romanows ausgibt. Diese waren das letzte Zarengeschlechts Russland und wurden kollektiv von den Bolschewiken erschossen und Russland vom Zarenregime befreit. Diesem Geschehen widmet sich auch der Film die knapp erste halbe Stunde. Die Familie muß fliehen und wird dann in ihrem Versteck gestellt und erschossen (und nebenbei wurden mit Omar Sharif und dem jungen Christian Bale auch die prominentesten Namen entsorgt), bis man anschließend mit der eigentlichen Geschichte der Anna beginnt.
Was sich da abspielt ist allerdings mehr eine biedere Familienchronik als ein historisches Epos. Natürlich gibt es Zweifel an den Aussagen der jungen Frau, Ärzte untersuchen, die ehemalige Dienerschaft wird zur Gegenüberstellung gebeten, Rechtsansprüche werden geltend gemacht. Für Freunde des zügigen Tempos sind die etwa drei Stunden Laufzeit definitiv ungeeignet.
Mittlerweile wurde ja auch real medizinisch nachgewiesen, daß jene Anna nicht zu den Romanows gehörte, was man zum Drehzeitpunkt aber wohl noch nicht wußte. Hier wird dieser Punkt auch bewußt offen gelassen, jeder Zuschauer soll sich hier noch selbst entscheiden, welcher Partei man glauben schenkt Immerhin gestaltete man die Ausstattung und Kostüme recht liebevoll für so eine vergleichsweise geringbudgetierte Produktion, die Story hat auch ihre fesselnden Seiten, allerdings muß man doch eine gehörige Portion Sitzfleisch mitbringen, um die recht langsam erzählte Biographie in einem Rutsch durchzuziehen, zumal man gerne in der Lovestory sogar in soapige Gefilde abrutscht. Einmal sehen reicht für mich da echt aus.
5/10