Review

Nessie ist immer für ein cineastisches Abenteuer nutzbar, hier dient es jedoch lediglich als Aufhänger für eine kindgerechte Fantasy-Reise, der es völlig an Esprit und peppigen Ideen mangelt. Damit lassen sich weder etwaige Vorurteile gegenüber dem typisch deutschen Fernsehfilm ausräumen, noch kann er mit seiner oberflächlichen Herangehensweise irgendwelche Botschaften vermitteln; er tut zwar nicht weh, das ist aber auch schon alles.

Der Spaß wird bereits durch die nervige Hauptfigur, dem elfjährigen Naseweiß Tim arg gemindert. Der lebt allein mit seiner Mutter, der er heimlich Dates verschaffen will, ihre Steuererklärung anfertigt und auch sonst die Weißheit mit Löffeln gefressen hat.
Bis er eines Tages im Fernsehen seinen totgesagten Vater erblickt und prompt nach Schottland reist, wo dieser seit einiger Zeit dem Wesen von Loch Ness auf der Spur ist.
Doch Tims Reise endet nicht nur bei Dad, der noch überhaupt nichts von einem Sohn ahnt, sondern führt ihn mithilfe des Zwergwesens Oakie in eine Zauberwelt, um den Stein der Druiden vor bösen Leuten zu schützen.

Die Figureneinführung, mit Familienleben, leicht senilem Opa und Forschungsarbeiten in Schottland (die netten Landschaften aus Österreich und der Schweiz werden uns als solche verkauft) fällt noch okay aus, auch wenn wirklich ansprechende Momente kaum vorhanden sind, doch mit Ankunft des Jungen in Schottland geben sich Klischees und Einfalt die szenentechnische Klinke in die Hand.
Vater und Mutter (die reist rasch hinterher) bekriegen sich erst und finden im Verlauf, während ihrer gemeinsamen Suche nach Tim, natürlich wieder zusammen. Der Bösewicht aus dem Forscherteam will an einen sagenumwobenen Schatz und greift zur Knarre, Vater lehnt Sohn erst ab und entdeckt später seine Vatergefühle und am Ende haben wir wieder eine heile Welt, die vor allem den jungen Zuschauern eine Menge Schmu zumutet.

Dabei ist die Animation des Druiden, der äußerlich stark an E.T. erinnert, nicht so übel ausgefallen, die Bewegungen sind geschmeidig und einige Gesichtsausdrücke recht niedlich, doch Ideenreichtum kann man dem Ganzen nicht konstatieren.
Lieblos sind die Zauberlandschaften ausgestattet, einfältig die Actionmomente gestreut (es fliegen lediglich Felsblöcke vom Himmel und es regnet Pfeile) und uninspiriert arbeitet die Dramaturgie, - man merkt der Produktionsdauer von wenigen Wochen deutlich ihre mangelnde Liebe zum Detail an.
Für Kinder bleibt da allenfalls die Botschaft vom Familienzusammenhalt, löblich an sich, doch skeptisch zu betrachten, wenn sämtliche Probleme, notfalls auch mit übersinnlicher Unterstützung, komplett weichgespült und im Handumdrehen beseitigt werden.

Positiv fällt da allenfalls noch Thomas Fritsch auf, der in drei Rollen vom Taxifahrer bis TV-Reporter eine gewisse markante Note einbringt, die dem Geschehen ansonsten fehlt, da zum Overacting neigende Darsteller, vor allem der Junge in der Hauptrolle, eher durch gekünsteltes Verhalten auffallen. Übelst gekünstelt wie die Computereffekte, die bis auf die Einbindung des Druiden recht dilettantisch anmuten.

Was bleibt, sind Vater und Mutter auf der Suche nach ihrem Sohn in einer eindimensionalen und wenig erquickenden Zauberwelt, ein okay gestaltetes Timing, aber kaum oder fast gar nicht Nessie und dazu Situationskomik, die in ihrer biederen Art nur selten zum Schmunzeln anregt.
Lasche TV-Massenware ohne Wiedererkennungswert,
3,5 von 10

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