Nach dem großen Erfolg der Doku „Im Reich der Giganten" und diversen Nachzüglern wie „Die Erben der Saurier" und „Die Ahnen der Saurier" machte sich die BBC mit großem Aufwand an die Miniserie „Prehistoric Park". Hier werden nun Tiergattungen aus allen Erdzeitaltern vereint gezeigt, eingepackt in eine Story a la „Jurassic Park". Dabei sind die Animationen wie in allen BBC-Dokus perfekt gelungen, man kann sich auch nach über ein Jahrzehnt nach Spielbergs Saurierhit daran die Nase platt drücken.
Doch statt Gen-Klonerei werden Tierfangtrupps mittels Zeitschleuse in die Vergangenheit geschickt - „Primeval" lässt also auch ein bisschen grüßen -, um die prähistorischen Viecher in die Gegenwart zu bringen. So weit, so unrealistisch.
Ich weiß - etlichen Dinofans wird's schon deshalb stinken, dass ausgerechnet Nigel Marven - der, man mag es kaum glauben, tatsächlich Wissenschaftler sein soll - hier eine One-Man-Show abgibt. Viele werden ihn eventuell aus den Spin Off's von „Im Reich der Giganten" kennen. Klar, der Mann polarisiert mit seinem zu weil kindischen Geplapper oder seinem beachtenswerten Mut, sich in größte Gefahren zu stürzen. Ich glaub, der Mann fängt sogar nen T-Rex mit seinen bloßen Händen (wenn der bloß nicht so groß wäre). Zumindest wenn seine Abenteuer wirklich wahr wären, er wäre schon x-mal ums Leben gekommen.
Auch ansonsten gibt es einiges zu Lachen im „Prehistoric Park". Denn spätestens, wenn man die putzigen Holzgehege sieht, sind die Gemeinsamkeiten mit „Jurassic Park" vorbei (die hatten doch schöne Zäune mit viel Volt drin). Und das Ausbruch-Chaos ist vorprogrammiert, so geschehen im letzten Teil, als alles drunter und drüber ging. Außerdem sind die weiteren Leute im Prehistoric Park von liebenswerter Beschränktheit (immer voll im Stress: Parkwärter Bob, weil Nigel wieder mal auf einen Schlag eine Titanosaurier-Herde mitbringt). Leider sind auch die Dialoge aller Beteiligten teilweise auf Seifenoper-Niveau.
Das Ende ist aus meiner Sicht völlig unbefriedigend verlaufen. Nach den zwischendurch bereits auftretenden Problemen (einige Tiere fressen die heutigen Pflanzen nicht, zwei Tyrannosaurier beißen sich fast tot und ein Mammut wird von einer heutigen Elefantenherde nicht anerkannt) hätte ich im Finale schon fast geglaubt, dass als Pointe der Park wieder aufgelöst wird und die Tiere wieder in die Vergangenheit geschickt werden, gewissermaßen als leichte Kritik an den Unverstand der Menschen, die wieder Mal Gott spielen wollen (dieser Aspekt hat mir im ersten „Jurassic Park"-Teil schon gefallen) Aber nein, natürlich gibt's für alle ein Happy End a la Hollywood und eine zweite Staffel brüllt schon t-rexmäßig...
Ich mag nicht beurteilen, inwiefern die Bezeichnung Doku überhaupt gerechtfertigt ist, denn ich bezweifle stark den wissenschaftlichen Gehalt der Serie. Das die Viecher alle mal gelebt haben, ist wohl Fakt, alles andere bleibt zum Großteil Vermutung. Die Story ist zwar gut gemeint und man kann die Macher auch verstehen, mal was anderes zu bringen (denn was hätte man sonst nach „Im Reich der Giganten" noch drehen sollen?), allerdings kann ich auf den Drumherum-Schnickschnack auch gern verzichten.
Fazit: Und dennoch: Alle, die sich für prähistorische Tiere begeistern können, sollten im „Prehistoric Park" mal vorbeischauen. Am Besten als Nachmittagsausflug mit den Kleinen. Denn aussterben war gestern!