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Und weiter geht die Rätselschnitzeljagd.

Wobei die größte Frage, die der Vorgänger „Das Vermächtnis der Tempelritter“ aufwarf, weiterhin unbeantwortet bleibt: Wie kann derart trantütige Abenteuerunterhaltung im Kino so erfolgreich sein, dass eine Fortsetzung möglich wird? Ich weiß es nicht, aber es dürfte unter anderem an Leuten wie mir liegen, die im unbeirrbaren Glauben an das Abenteuerkino nun schon jahrelang nach dem rettenden Korn picken. Das, soviel sei gesagt, auch im vorliegenden Falle nicht gefunden ward.

Denn das unbewährte Team des Erstlings wiederholt dessen Fehler ungeniert. Was man ihnen nicht einmal übel nehmen kann, schließlich waren es genau diese Fehler, die seinen gigantischen Erfolg generierten, ergo: Never change a losing team.

Statt der Unabhängigkeitserklärung dreht es sich nun also um das legendäre „Buch der Präsidenten“, in das der Legende nach vom jeweiligen Amtsinhaber die geheimsten Geheimnisse des Landes eingetragen werden. Die Wahrheit über das Kennedy-Attentat, Area 51 oder die Mondlandung sind damit ebenso enthalten wie der Knigge für den korrekten Umgang mit Zigarren im Oval Office. Ben Franklin und seine Truppe müssen dieses Buch in die Finger bekommen, um den Namen seiner Familie reinzuwaschen, der in einen üblen Zusammenhang mit dem Lincoln-Attentat gesetzt wurde.
Warum dieses Buch dafür so wichtig ist, welche geschichtlichen Verstrickungen bis zurück in die Gründerzeit sich daraus ergeben und weshalb dafür die Entführung des Präsidenten der Vereinigten Staaten unumgänglich ist, sind Fragen, die wie schon beim Vorgänger zunächst durchaus reizvoll klingen. Und wie ebendiesem gelingt auch der Fortsetzung deren reibungslose Verpuffung. Woran nicht zuletzt die Hauptfigur Schuld trägt.
Denn Franklin wartet auch dieses Mal mit seiner Blitzkombinationsgabe auf, mit der er ihm zugespielte Begriffe umdeutet, analysiert, dechiffriert. Jahrhunderte alte Worträtsel werden von ihm binnen eines Wimpernschlags gelöst, lediglich das fehlende Nasereiben verhindert eine vollständige Wickiewerdung seinerseits. Und wo er mal festhängen sollte, helfen konferenzgeschaltete Mobiltelefone, mit denen man sogar die Security von Buckingham lahm legt. Der moderne, in der Kino-Realität jedoch fatale Zugang zum Genre. Alles fällt der Heldentruppe in den Schoß, kein nennenswerter Widerstand existiert, der für Spannung sorgen könnte. Mit dem bereits aus dem Vorgänger bekannten Nebeneffekt, dass Mitdenken oder gar -rätseln von Publikumsseite zu keiner Zeit erforderlich ist, weil nur serviert, serviert, serviert wird.

Und dann nicht einmal auf dem Silbertablett, denn dafür ist die ganze Inszenierung Turteltaubtypisch viel zu gewöhnlich. Schöne Aufnahmen sucht man vergeblich, die einzige Verfolgungsjagd des Films ist ein missratenes Handkamerachaos auf Stoßstangenhöhe, und über allem suppt Trevor Rabins Score, der gezimmerter klingt, als Hans selbst es je fertig brächte. Groß angelegte Momente mäandern ins Nichts, Atmosphäre tritt über die gesamte Lauflänge nicht in Erscheinung, und Humor wird gezielt an den unpassendsten Stellen eingesetzt. Was Hand in Hand mit den schauspielerischen Leistungen geht, derer es hier gar fürchterliche zu bestaunen gibt.

Nicolas Cage ist da noch am ehesten in die Kategorie „lustlos“ einzuordnen, bietet lediglich in einer Szene im Buckingham-Palast reichlich Anlaß zum Fremdschämen. Sehr viel mehr nach Himbeere riecht da die Performance von Jon Voight, der sich durch seine Szenen kaspert, als gäb’s kein Morgen. Seine kindischen Zankereien mit Mirrens Charakter mögen so beabsichtigt gewesen sein, verdienen dennoch nicht mehr als ein Kopfschütteln. Wirklich Contenance bewahrt hier nur Ed Harris, zumindest bis zu seiner letzten Szene kurz vor Torschluss. Wahrscheinlich wollte er auch mal mitmachen beim allgemeinen Chargieren, man mag es ihm kaum verdenken, und wirklich stören kann es einen bei diesem Film auch gar nicht.

Weil „Das Vermächtnis des Geheimen Buches“ wie sein Vorgänger eine abendfüllende Empfehlung darstellt, sich lieber einen Klassiker des Genres anzusehen.
Weil meine Hoffnung auf gutes Abenteuerkino mittlerweile derart tief begraben ist, dass wohl nur noch Dr. Jones imstande sein wird, sie auszubuddeln.

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