War ja klar – wenn mit einem modernen Indiana-Jones-Epigonen ordentlich Kasse gemacht wird und das Ganze auch noch uramerikanisch eingefärbt wird, versteht es der eine Teil des heimischen Publikums als patriotischen Spaß ins Kino zu gehen und die andere Hälfte glaubt an eine solide Geschichtsstunde – ergo muß auch noch eine Fortsetzung her.
Und warum auch nicht, schließlich war „National Treasure“ drei Jahre zuvor ein solider, wenn auch harmloser Spaß rund um einen Schatzjäger, seine Hübsche, seinen Side-Nerd und seinen Daddy, was die Parallelen zu Filmerfolgen wie „Last Crusade“ schon mal nahe legt.
Ergo hat Jon Turtletaub sein Ensemble schlicht und ergreifend noch einmal zusammengesammelt und beginnt die Chose von neuem, wie schon beim ersten Mal nicht als brutalen Kracher, sondern als stimmig-temporeiche Familienunterhaltung, wo eben so gut wie möglich keine Leute gekillt werden, damit das Rating und die Kasse stimmt.
„Book of Secrets“ ist natürlich die Potenzierung des ursprünglichen Films, das heißt „bigger, better, more thrills“ und fängt logischerweise bei der Besetzung an: zu dem sitcomhaft aufspielenden Jon Voight als Daddy gesellt sich nun zwecks Familienzusammenführung auch noch Helen Mirren als Mutti, Harvey Keitel greift wieder sein müheloses Nebenrollchen auf und mit Ed Harris ist endlich mal ein kantiger Gegenspieler am Start.
Und auch die Storyelemente müssen alle etwas größer ausfallen: die Familie ist nun plötzlich in die Lincoln-Ermordung verstrickt, Hinweise finden sich nicht einfach nur in der Arktis, sondern gleich im Buckingham Palace und im Weißen Haus, in die man natürlich beide einbrechen muß und weil das alles ja schon zu glatt geht, muß Nicholas Cage auch noch den Präsidenten (eh ein guter Kumpel) entführen. Daß es des weiteren auch noch um einen sagenumwobenen Goldschatz der Ureinwohner geht, ist dabei mehr oder minder nur ein paralleler Plot Point, den man sich aus dem Vorgänger als McGuffin entliehen hat.
Das Gewicht bei dieser Produktion liegt eindeutig auf Tempo und Abwechslung und dem leichtfüßig-verspielten Miteinander aller Charaktere, die einzelnen Schatzsuchepisoden werden eher in Höchstgeschwindigkeit abgespult und haben leider nicht mehr den nötigen Sense of Wonder, wenn es um die Darstellung des „Hauches der Geschichte“ geht, die das alles umfloren soll.
Es macht flotten Spaß, dabei zuzusehen, aber satt machen kann das alles natürlich auch wieder nicht, weil sich die Formel bei diesem Aufbau schon während des zweiten Films komplett abgenutzt hat. Wie sowieso einige Plotwendungen dann reichlich bemüht aussehen – allein die Präsidentenentführung ist spektakulärer, als sie logisch nachvollziehbar ist – das Gefahrenpotential löst sich dann am Ende auch erwartungsgemäß ins Nichts auf.
Schauspielerisch ist alles beim alten: Cage ist niedlich, Bartha sorgt für Jokes, die Kruger ist ein fades Blondchen und nur Voight und Mirren interagieren recht fröhlich miteinander und sorgen auch für das nötige Herz der Produktion.
Was bleibt ist ein schöner Reisebilderbogen aus Amerika, den man sich gewaltarm mit der ganzen Familie einpfeifen kann, ohne das ein bitterer Nachgeschmack zurück bleibt, schließlich ist das so eine Art Qualitätsproduktion.
Dieses Mal reicht es noch zu dem nötigen Schubs in die positiven Ränge, aber für einen Trilogieabschluß müßte schon weniger Gigantomanie und mehr mysteriöse Spannung her. (6/10)