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Der drei Jahre zuvor entstandene "Das Vermächtnis der Tempelritter" war eine hübsch altmodische Schatzsuche, der fast das doppelte seiner hohen Produktionskosten wieder einspielte. Daher ein Muss für Walt Disney, Jerry Bruckheimer und Jon Turteltaub eine Fortsetzung nachzuschieben, die jedoch zu hoch hinaus will. Dabei arbeitet hier wieder die selbe Crew, ob vor oder hinter der Kamera. Trotzdem sind Sequels in der Filmwelt gang und gebe, die gerne den Vorgänger kopieren und es dabei mit einigen Elementen sichtlich übertreiben. Alles muss besser klingen, pompöser aussehen, dass selbst der US-Präsident sich für diese Schnitzeljagd begeistert. Genau zu diesen Fortsetzungen zählt leider auch "Das Vermächtnis des geheimen Buches".

Einst hatte die Familie Gates einen verheißungsvollen Ruf, bis Benjamin Gates (Nicolas Cage) den Schatz der Tempelritter fand. Doch nun droht erneut Ärger, denn eine uralte Buchseite belastet ein Familienmitglied im Jahre 1865 an der Ermordung Lincolns beteiligt gewesen zu sein. Der dubiose Mitch Wilkinson (Ed Harris) präsentiert diese Seite der Öffentlichkeit. Benjamin und sein Vater Patrick (Jon Voight) wollen den Namen ihres Vorfahren reinwaschen und stoßen bei ihren Untersuchungen auf Cibola, die Stadt aus Gold. Zusammen mit Riley Poole (Justin Bartha) und Abigail Chase (Diane Kruger) wollen sie Cibola finden, auch wenn man dazu sogar den US-Präsidenten (Bruce Greenwood) entführen muss. Doch Wilkinson hatte einen Hintergedanken bei der Veröffentlichung dieser Seite, er will den Fund von Cibola unbedingt für sich beanspruchen. Es beginnt eine Hetzjagd rund um den Globus.

In Punkto Kulissen hinkt man dem großen Vorbild "Indiana Jones" in keinster Weise hinterher. Hier ist noch mehr Abwechslung angesagt, als im Vorgänger, denn die Schatzsuche führt Benjamin und seine Helfer von den Staaten, über Paris nach London und schließlich zum Mount Rushmore. Dabei serviert uns Turteltaub tolle Bilder und hält sich dabei an seinen altmodischen Stil. Hier gibt es keine hektischen Schnitte, Wackelkamera oder sonstige Stilmittel die einem den Film versauen. Die Kamera wird ruhig gehalten, ist trotzdem immer mitten im Geschehen und die Bilder wie auf Hochglanz poliert. Ihm gelingt abermals der Kompromiss zwischen neumodischer Optik und nostalgischem Flair, welches hier zahlreiche Orte versprühen. Trevor Rabin hatte dagegen nicht sonderlich viel zu tun, größtenteils recycelt er seinen eigenen Score und führt kaum neue Melodien hinzu. Jedenfalls wird man sofort von der Schatzsuche mitgerissen, zu Beginn gibt es wie im Original die Vorgeschichte, welche sich im Jahre 1865 abspielt. Wieder sind Vorfahren von Benjamin involviert. Doch diesmal werden sie nicht nur als Grabräuber beschimpft, sondern sogar als Komplizen bei einem Mord. Es gilt die Unschuld von Patricks Ur-Großvater zu beweisen und dabei die goldene Stadt Cibola zu finden. Dafür müssen wieder zahlreiche Hinweise gefunden werden, Rätsel gelöst werden und man hat auch wieder einen Verfolger am Hacken. Allerdings übertreibt man es hier gewaltig, was schon bei der Kombinationsgabe unserer Figuren beginnt. Aus den kleinsten und nichtssagensten Hinweisen haben sie die Lösung immer schnell parat. Dabei wird munter in der Geschichte gesurft, was für den Zuschauer immerhin interessant ist.

Doch es ist einfach zu übertrieben, wie leicht man in den Buckingham Palace eindringen kann, oder wenn Ben gerade mal nebenbei im Weißen Haus den einen Resolute Desk aufmacht. Die Unterredung mit dem Präsidenten ist dann der Gipfel, überhaupt ein wenig übertrieben, wie er Ben sogar noch unterstützt. So folgt man in gewohnter Manier den Hinweisen und wird nicht nur von Wilkinson verfolgt, sondern auch bald wieder von Sadusky (Harvey Keitel). Es scheint als wäre man in einem Klon von "Das Vermächtnis der Tempelritter" gefangen, leider dessen Qualität nicht ganz erreichend. Auch der eh schon geringe Actionanteil wurde nochmal reduziert, richtig haften bleibt nur die tolle Autoverfolgungsjagd durch London, wo auch einiges zu Klump gefahren wird. Ein paar Schüsse dürfen auch abgefeuert werden, aber Turteltaub konzentriert sich vorrangig auf das Auffinden und Deuten von Hinweisen. Da kommt dem Zuschauer die deftige Prise Humor sehr gelegen, besonders die Twists zwischen Patrick und Emily Gates (Helen Mirren) machen Spass. Der Showdown ist dann eine glatte Kopie des Vorgängers, obwohl die Sache mit der überdimensionalen Wippe wirklich gelungen sind. Und wieder fehlt hier das gewisse Etwas, auch weil man sich bei Wilkinson nicht so recht entscheiden kann. Plötzlich droht er damit Abigail zu töten, dann rettet er Ben plötzlich das Leben.
Nicolas Cage (The Rock, Red Rock West) liefert eine ähnlich gelungene Vorstellung, wie schon im Vorgänger, während Justin Bartha, Jon Voight und Helen Mirren für den nötigen Humor sorgen. Ed Harris (The Abyss- Duell - Enemy at the Gates) ist als Gegespieler zu unentschlossen, während Harvey Keitel als FBI-Agent Sadusky erneut gefällt.

Bombig besetzte Schatzsuche mit ausgeklügelter Story, aber an der Umsetzung haperts. "Das Vermächtnis des geheimen Buches" hat zu wenig Action, konzentriert sich wirklich nur noch auf die Suche und die Charaktere. Es reicht auch für turbulentes Entertainment, welches schicke Bilder parat hält, aber viele Elemente sind zu übertrieben und man wünscht sich sehnlichst mehr Action.

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