Review
von Leimbacher-Mario
Quatsch mit Sauce
Während man als '88er-Jahrgang auf "Batman Forever" vielleicht noch einen leicht verklärten, positiven Blick durch die rosarote Brille hat, gehen einem bei "Batman & Robin" wirklich die Argumente aus. Es wird schwer sein auf dieser Erde eine Handvoll Personen zu finden, die dieses giftige Lutschbonbon aufrichtig mögen. Mit meiner Wertung bin ich da sogar noch gnädig. In diesem knalligen und phasenweise unzumutbaren Abenteuer müssen Batman und sein Rotkehlchen die Stadt vor dem erfrieren retten und einer sexy Mutter Natur die Stirn bieten. Anders gesagt: Mr. Freeze und Poison Ivy (inklusive einer lächerlichen Version von Bane) bitten zum Tanz...
"Batman & Robin" ist wie zu viel Süsses - Magenprobleme sind vorprogrammiert. Eigentlich wollte ich mal wieder eine Pro und Contra-Tabelle machen, doch da wäre das Ungleichgewicht einfach zu enorm. Ich mag ein paar One Liner und einige Sequenzen können als Big Budget-Trash durchaus Spaß machen. Mit Bier versteht sich. Viel Bier. Zudem ist es nett, dass Alfred eine kleine Nebengeschichte und etwas mehr Würdigung erhält. Clooney als Bruce Wayne geht auch noch klar. Aber das war's dann auch schon, egal wieviele Augen man zudrückt. Hier wusste man schon als Kind, dass diese Fledermaus stinkt. Vom Kopf aus, in weite Entfernung, von oben nach unten, links nach rechts.
Joel Schumacher führt viele Ideen aus dem Vorgänger weiter, überdreht diese aber völlig. Es nervt extrem. Vielleicht versuchte er dem Batman aus den 60ern wieder näher zu kommen, bunter, lauter und lustiger, you know. Nur leider sieht dagegen selbst Adam West aus wie von Christopher Nolan persönlich beauftragt. "Batman & Robin" taugt höchstens zum Hatewatch. Der Style ist plastik, die Emotionen sind fake, die Action ist lahm und alle Beteiligten haben es wahrscheinlich schon am ersten Drehtag bereut unterschrieben zu haben. Und das merkt man. Wenig wirkt noch handgemacht, Spannung oder Wow-Faktor machen, selbst für Kinder, Urlaub. Man staunt noch - aber leider nur weil man nicht glauben kann was man sieht.
Aus dem Vorgänger wurden nahezu ausschließlich die falschen Schlüsse gezogen und die Balance ist vollkommen weg. Das unterstreicht auch nochmal, wie alle drei vorangegangenen Gotham-Abenteuer auf dem Vulkan tanzten. Erfolgreich und gekonnt. Hier springt man mit einem bescheuerten Grinsen in die verlockend leuchtende Lava. Von der Bat-Kreditkarte über geschluderte Spezialeffekte oder die überhastete Einführung von Batgirl bis hin zur Vergewaltigung von Bane - es vergehen keine fünf Minuten, in denen es einem mal nicht eiskalt den Rücken runter läuft. Und das leider nicht weil Arnie selbst in so etwas noch eine coole Socke ist...
Fazit: hier geht Schumacher einen bis dreizehn Schritte zu weit - unfreiwillig komisch, grell und mehr als nur drüber. "Batman & Robin" ist selbst (oder gerade) für Hardcore-Batman-Fans eine schwer zu schluckende Pille. Schwachsinn. Murks. Nahe am Super-GAU. Das unfassbare Ende einer Ära. In den besten Momenten noch Edeltrash, ansonsten für die Tonne. Und nicht recyclebar.