Wenn Katastrophenfilme nicht gleich als Blockbuster an den Start gehen, neigen sie leider allzu häufig dazu, an kräftigen Effekten zu sparen und stattdessen auf Familien-Melodram zu setzen. Besonders einfallslos inszenierte TV-Produktionen gleichen im Endergebnis eher einer Soap mit leichten Unwettern im Hintergrund, - wie diese hier.
Das Trauma der Hauptfigur April (Mimi Rogers) wird bereits während des Einstiegs verdeutlicht: Als Kinder wurden sie und Bruder Sean Zeuge, wie ihre Eltern während eines Tornados von einem Auto erschlagen wurden.
Seither jagt April wie verbissen alle meteorologischen Wind-Erscheinungen und lässt dabei das Wohlergehen von Tochter Dana außer Acht. Bis sich diverse Tornados über Seattler zusammenbrauen und das Zerbrechen ihrer Familie abermals auf dem Spiel steht.
Tatsächlich macht das Intro Lust auf mehr, wie da ein Dorftrottel bei schwerem Gewitter inmitten eines flachen Feldes auf sein Auto steigt und prompt vom Blitz getroffen wird.
Sich weiterhin eine großflächige Windhose nähert und droht, alles Umliegende einfach wegzufegen, - ein Auftakt nach Maß.
Doch rasch muss man die Hoffnung auf weitere Schreckensszenarien nahezu begraben, denn spätestens mit Einführung aller Figuren befindet man sich in einem äußerst überschaubaren Geflecht aus Schwarzweiß-Charakteren.
Twister-Jägerin April vernachlässigt ihre Tochter und bemerkt noch nicht einmal, dass die sich in die Fänge eines dorfbekannten, zumindest potentiellen Vergewaltigers begibt.
Bruder Sean wiederum ist mittlerweile Sheriff und grundlegend als erster am Tatort, dann gibt es noch einen Wetter-Mann, eine Jugendliebe der Heldin, mit alten und neuen Wunden und schließlich die wohl undankbarste Rolle für einen wie Michael Ironside: Der verkörpert einen dubiosen Bauunternehmer und hat insgesamt gerade mal drei kurze Auftritte ohne jegliche Bedeutung.
Was für den Zuschauer aber von eigentlicher Bedeutung ist, gerät dabei lange Zeit in den Hintergrund und weicht einer viel zu durchschaubaren Entwicklung in Sachen alte Liebe, Bewältigung eines Traumas und Rettung eines naiven Teen-Girls.
Dabei hat man im Bereich der Unwetter-CGI schon schlechteres gesehen. Ab und an wird doch mal eine Brücke weggerissen oder ein Haus bis auf die Grundmauern platt gemacht, nebenher allerdings auch auf Footage von dokumentarischen Bildern zurückgegriffen, die partiell Ausmaße von Hurrikans verdeutlichen.
Nur die globalen Auswirkungen treten dabei nie in den Vordergrund, es gibt kaum Szenen mit Massenpanik oder eine omnipotente Bedrohung ganzer Regionen, - es scheint, als würden die Tornados ausschließlich das Umfeld der Familie um April heimsuchen und dabei, und das mutet wahrlich lächerlich an, Sounds wie brüllende Monster erzeugen.
Erklärende Informationen mit Hintergrundwissen bleibt man außerdem schuldig.
Weder wie sich eine Superzelle bildet, noch warum sie nun gerade in untypischen Regionen wie Seattle oder Washington entstehen, - man muss das schlicht hinnehmen wie den offensichtlich genial arbeitenden Laptop der Heldin, die irgendwie über W-Lan mitbekommt, welchen Weg gewisse Windströmungen gehen werden, - denn Sensoren werden da nicht sichtbar.
Leider bietet der Stoff ansonsten wenig Raum für spekulative Anekdoten über Figuren und Storyverlauf, der Streifen nimmt sich viel zu ernst.
Unterhaltsam ist er insofern nur leidlich. Familiäre Diskrepanzen nehmen zuviel Raum ein, alles verläuft schnöde, formell und überraschungsarm und bei alledem geraten die Tornados, bis auf eine gefährliche Annährung mit dem Helikopter, überwiegend spannungsarm und wenig bedrohlich.
Unspektakuläre Massenware, mit zu wenigen Katastrophenfilm-Anteilen.
3,5 von 10