Review

Etwas unausgegorenes Drama um zwei grundverschiedene Zwillingsbrüder, dass sicherlich einige Reminiszenzen an Fincher`s Fight Club aufweist, in seiner Gesamtheit aber einen ganz anderen Weg geht; das Boxen wird hier wie dort allerdings als Metapher genutzt.

Tide [ Daniel Wu ] bekommt an seinem 26igsten Geburtstag Besuch von der Polizei, er soll seinen Bruder Tan Ho [ Louis Koo ] im Leichenschauhaus identifizieren, dieser wurde offensichtlich zu Tode geprügelt. Da die Polizei weiter nichts unternimmt, forscht Tide nach.

Was sich daraus entwickelt ist sicher nicht als Mysterium geplant und wird auch nicht so gehandhabt, die in eingeflochtenen Rückblenden erzählte Vergangenheit vor dem Tode Tan`s geht einen ebenso natürlichen und logischen Weg wie die in der Jetztzeit folgenden Aktionen Tide`s. Die Überraschungen sind also gering, vielleicht ist das Drehbuch von Chan Hing Kar von seinem erzählten Inhalt her sogar etwas zu dünn, besonders im Vergleich zur genommenen Laufzeit.
In fliessenden Übergängen der Erzählebenen folgt man Tide in seinem weiteren Leben und gleichzeitig auf Tan`s Spuren; manche dieser Szenen wiederholen oder ergänzen in raffinierter Weise auch noch im Nachhinein das Leben des anderes Zwillings.
Tide sucht die Tan`s Wohnung auf, setzt sich auf sein Bett und hört seine Musik; als dessen leicht neben sich stehende Freundin Sandy [ Jo Kuk ] auftaucht, weint und schläft sie sich erstmal bei ihm aus. Sie führt ihn auch zu Tan`s einzigem Kontakt Ah Mann [ Patrick Tam ], der anfangs als Konkurrent und später als seinen bester Freund und Manager dasteht; dieser führte ihn auch in einen illegalen Untergrund Boxring ein, die Geschehnisse der Zwischenzeit führten zu Tan`s Tod.

Die etwas gewöhnungsbedürftige Erzählweise mit dem steten Wechsel von Gegenwart und Vergangenheit ist weit weniger konfus gehandhabt worden als befürchtet, Verwirrungen treten eigentlich keine auf, da man die beiden Hauptdarsteller als orientierende Fixpunkte hat. Schlimmer trifft es die Vorhersehbarkeit der Geschehnisse, die zudem mit recht steifen und kühlen Charakteren gespickt sind, so dass die Handlung keine wirkliche und schon gar nicht emotionale Tiefe erreicht. In einer Szene fragt Tan seine Freundin, was sie ausser das er boxt überhaupt von ihm weiss und sie schweigt; fehlen ihr und auch dem Zuschauer doch die Antworten darauf. Das einzig hervorstechende Merkmal beider Hauptfiguren ist ihre Unterschiedlichkeit, einer ist exzessiver, einer schüchterner. Einer kommt nach der Mutter, der andere nach dem Vater. Einer ging mit der Volljährigkeit in die weite Welt hinaus, der andere nicht. Das sind allerdings nur die blanken Eckdaten, ironischerweise erzählt sogar das Backcover der DVD mehr Einzelheiten und Charaktereigenschaften über die Brüder als der Film selber, was nun nicht gerade als Kompliment für Autor und Regisseur zu werten ist.
Eine wirkliche Identifikation mit den beiden Figuren ist deswegen nicht möglich, der dramatische Anreiz verschenkt und damit die Geschichte leicht platt, eindimensional und auf Dauer leider auch eintönig wirkend.
Zumal man auch nur raten kann, was Tide die ganze Zeit antreibt; das Ende gibt einen Hinweis darauf, aber wirklich triftig ist der Beweggrund auch nicht.

Stattdessen spielt der Film nach einer gewissen Aufbauphase nur mit dem Motiven des Untergrundboxens, mit dem Tan sein Geld verdiente und das ihm letztlich auch das Leben kostete. Ah Mann als Manager sorgt für dementsprechende Deals und setzt dann auch mal gegen sein Schützling, die Kämpfer steigern sich von Herausforderung zu Herausforderung, die Wetteinsätze und Risiken werden höher. Parallel zu dem erhöhten Anspruch während der Kämpfe steigert sich auch das inszenatorische Geschick von Regisseur Leung, der sowieso auf visueller Ebene nicht viel falsch macht. Startete alles nur mit in Zeitraffer aneinandergereihten Einzelaufnahmen von Schlägen Tan`s zu beinahe frohlockender Latinomusik, so wird die Situation mit Gefahrzunahme sowohl akustisch als auch visuell härter, allerdings auch übersichtlicher. Vom vorherrschenden reinen Strassenkampf bleibt zwischenzeitlich etwas weniger über, manche Sequenzen schweifen sogar in mehr Martial Arts ab; das gewalttätige Finale übertreibt trotz seiner Funktion als Rachephantasie und Befreiungsschlag sicherlich auch etwas.

Daniel Wu und vor allem Louis Koo agieren passend zu der formellen Qualität des Filmes als optische Abziehfiguren und dort auch oft rein durch ihren Körpereinsatz.
Währenddessen zeigt Tam aus seiner alles verbindender zweiter Reihe die beste Darstellung, er bekommt aber auch als einzige so etwas wie Ambivalenz verpasst und ausgedrückt.
Das reicht allerdings nicht für ein wirkliches Gelingen des Filmes, der sowieso etwas zwischen den Stühlen von Unterhaltung und Anspruch sitzt und beides nur teilweise erfüllen kann. Sicherlich liegt das Werk über dem durchschnittlichen Einheitsbrei, ein Abstieg zu Leung`s vorherigen Task Force ist aber unübersehbar.
Der komplette Wechsel mit Autor Chan ins Komödiengenre mit der Midlife – Crisis Trilogie La Brassiere, Mighty Baby und Good Times, Bed Times hätte trotzdem nicht sein müssen.

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