Es versprach eine interessante Mischung zu werden: Ryuhei Kitamura („Versus“, „Azumi“) verfilmt Clive Barker in enger Zusammenarbeit mit dem Autor – und es hat sich tatsächlich gelohnt.
Natürlich ist Barkers Vorlage eine Kurzgeschichte, die erste Story aus dem ersten Buch des Blutes, und somit nicht eins zu eins zu verfilmen – zumindest nicht, wenn man einen Langfilm drehen möchte. „Midnight Meat Train“ läuft zwar nur 85 Minuten, baut die Geschichte vom namenlosen Schlächter (Vinnie Jones) in der U-Bahn aus. Dieser killt immer wieder Menschen bei der letzten Fahrt, häutet sie und hängt sie im Wagen auf – ohne erkennbares Motiv, aber mit unglaublicher Präzision.
Auch Fotograph Leon Kauffman (Bradley Cooper) begegnet dem Hünen während einer Fototour. Leon will die ungeliebten, unter den Tisch gekehrten der Großstadt zeigen: Obdachlose, Junkies, Kriminelle, aber auch andere Impressionen vom Nachtleben abseits von Clubs und Schickeria. Als von ihm fotografierte Personen morgens dem Schlitzer zum Opfer fallen, gibt er die Fotos der Polizei als Ermittlungshilfe. Zwei Jäger also: Der eine jagt Menschen als Motive, der andere Menschen als Beute.
Leon stößt bei seiner Motivsuche immer wieder auf Spuren des Killers und fühlt gleichzeitig eine Verbindung zwischen sich und dem Hünen. Er forscht nach und findet Dinge heraus, die er wahrscheinlich lieber nicht gewusst hätte...
Ähnlich wie Bernard Rose’ „Candyman“ bleibt „Midnight Meat Train“ der Vorlage treu und erweitert sie ebenso sinnvoll wie stimmig, um auf Filmlänge zu kommen. Die eigentliche Geschichte wird hier zum größten Teil in das Finale eingebaut, wobei sich einige Parts auch zuvor im Film finden. Dabei übernimmt man die bösartige Pointe der Story fast haargenau und verwässert diese nicht zugunsten eines Happy Ends oder Massenappeal – sowohl Kitamura als auch Barker fahren ihre Linie hier konsequent.
Auch die Vorliebe der beiden für explizite Gewalteinlagen ist zu merken: Die Attacken des hünenhaften Metzgers fallen durch die Bank weg äußerst graphisch aus, ohne jedoch vordergründig oder nur des Effektes wegen dort zu sein. Es sind wenige Einlagen, die aber jedoch die kalte, brutale Professionalität des Mörders zeigen – trotz kleinerer schwarzhumoriger Gags wie der „Forrest Gump“-Anspielung. Gorehounds und FX-Freunde dürfen sich über diese Momente freuen, denn sind wirklich schön getrickst und auch der Einsatz von CGI stört dabei nicht groß.
Allerdings muss man bei aller Freude konstatieren, dass der Plot trotz aller Erweiterungen immer noch recht geradlinig und twistarm daherkommt. Von der finalen Enthüllung abgesehen läuft alles recht geradlinig auf Begegnung bzw. Konfrontation von Motivjäger und Mörder hinaus, während Subplots um Leons Freundin oder den Verkauf seiner Bilder nette Zugaben sind, die aber nicht so sehr haften bleiben. Dank der kurzen Laufzeit, des hohen Erzähltempos und Kitamuras visuellem Einfallsreichtum wiegen diese Mängel glücklicherweise nicht allzu stark.
Noch dazu erweist sich Vinnie Jones als perfekte Verkörperung des schweigsamen Aggressionsmonsters, der hier sicher eine der seiner eindrucksvollsten Vorstellungen abfeiert. David Bradley ist daneben durchaus OK, hinterlässt aber weitaus weniger bleibenden Eindruck – ebenso wie Nebendarsteller, unter denen sich noch Brooke Shields als etwas bekannteres Gesicht befindet.
Somit liefert „Midnight Meat Train“ wieder den Beweis, dass Barker-Verfilmungen ein hohes Niveau haben, wenn man den Autor selbst involviert. Es mag zwar etwas an Überraschungen fehlen, aber stimmige, temporeiche und blutige Horror-Unterhaltung auf hohem Niveau bietet der Kitamura-Streich dennoch.